BÜCHERBÖRSE

XING-Interview: Social Media bei der Bewerbung

Worauf sollten Bewerber in sozialen Netzwerken achten? Welche Ziele verfolgen Unternehmer und vor welchen Herausforderungen stehen Bewerber? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Carmen Windhaber, XING Country Managerin Österreich.

Carmen Windhaber - XING Country Managerin Österreich im UNIMAG-Interview
Was darf/kann/soll ein potentieller Bewerber in sozialen Netzwerken posten?

Ich halte es da mit zwei Grundsatzfragen, die man sowohl im beruflichen wie privaten Kontext anwenden kann. Erstens: Würde ich wollen, dass meine Mutter dieses Posting sieht? Zweitens: Würde ich den Inhalt dieses Postings jemandem, dem ich nicht vertraue, auch persönlich ins Gesicht sagen? Wenn die Antwort auf eine der zwei Fragen Nein lautet, dann bitte nicht posten.

Was ist ein absolutes No-Go?

Soziale Netzwerke haben das Potential, Dialoge zu ermöglichen und Verständnis zwischen Kommunizierenden zu schaffen. Persönliche und untergriffige Angriffe gehen deshalb für mich gar nicht. Ich finde dies höchst unprofessionell und daher sind diese für mich ein No-Go.

Bekanntlich ist der erste Eindruck der prägendste. Worauf sollten Bewerber achten, wenn sie ein XING-Profil anlegen?

Was als erstes ins Auge springt, ist natürlich das Foto. Das ist der Blickfang. Das Profilbild wird nicht nur direkt im Profil angezeigt, sondern auch in den Netzwerkneuigkeiten, in den Suchergebnissen oder im Rahmen von Events und Gruppen auf XING. Daher rate ich allen, ein Foto zu verwenden, das sie von der besten Seite zeigt – auch was die Auflösung angeht. Ein pixeliges Foto geht gar nicht. Ansonsten sollte man möglichst alle zur Verfügung stehenden Kategorien befüllen. Für Berufsanfänger, die noch keine oder wenige berufliche Stationen für den „klassischen“ Lebenslauf haben, gibt es mit dem Portfolio auf XING eine Möglichkeit, sich und sein Können zu präsentieren – Studierende können hier zum Beispiel ihre Uniarbeiten hochladen oder ein Grafiker seine bisherigen Arbeiten.

Sehen sich die Arbeitgeber Profile von potentiellen Bewerbern an? Wenn ja, gibt es dazu Zahlen?

Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte der Personalverantwortlichen das Internet zur Recherche über potentielle Bewerber nutzen. Besonders in der IT-Branche, der Medienbranche, der Dienstleistungsbranche sowie im Finanzsektor kommen solche Recherchen zum Einsatz. Der größte Teil der befragten Personaler ist der Meinung, dass der Einfluss von Online-Recherchen auf die Entscheidungsfindung in Bewerbungsprozessen heute größer ist als noch vor drei Jahren. Es zeigt sich ein klarer Trend, dass die eigene berufliche Darstellung im Netz immer wichtiger wird.

Neben Karriere- und sozialen Netzwerken: Welche Schritte sollte ich noch unternehmen, um meine Online-Reputation zu prüfen?

Man sollte in regelmäßigen Abständen den eigenen Namen sowie die verwendeten E-Mail-Adressen in gängigen Suchmaschinen suchen und sich die Ergebnisse genauer ansehen. Und dann hat man durch das aktive Managen der eigenen Kanäle natürlich die Chance, seine Reputation mitzugestalten und positiv zu beeinflussen.

Sollten sich berufliche und private Kontakte in sozialen Medien vermischen oder sollte ich die Freundschafts-Anfrage meines Chefs auf Facebook ignorieren?

Ich würde hier keine generalisierende Antwort geben wollen. Das hängt vom jeweiligen Unternehmen und der Branche ab. In einer Social Media Agentur werden alle Mitarbeiter mit dem Chef auch auf sozialen Netzwerken verbunden sein, weil das Netzwerk auch ein Arbeitstool ist. In einer Anwaltskanzlei werde ich mich wohl eher nur mit meinen ganz engen Kollegen in den sozialen Medien austauschen. Ich denke, die meisten Leute haben ein gutes Gespür dafür, wo sie privat und beruflich trennen und wo es Überschneidungen geben darf. Ein Ratschlag ist, eine Kontaktanfrage nie unbeantwortet zu lassen. Man darf einen Kontakt mit der Begründung, dass man das Netzwerk nur privat nutzt, ablehnen, aber einfach ignorieren ist zu unhöflich. Beziehungsweise gibt es ja auch entsprechende Privatsphäre-Einstellungen, die man individuell setzen kann, wenn der Chef oder Kunde nicht alles sehen soll.

Welche Vorteile hat XING gegenüber anderen Netzwerken?

XING ist ein Netzwerk mit klarem geografischen Fokus. Dementsprechend können wir auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort besser eingehen. Wir wissen etwa, wie die lokalen Arbeitsmärkte funktionieren. Und natürlich spielt auch die Offline-Komponente eine wichtige Rolle – über Events, die mit XING organisiert werden, vernetzen sich die Leute auch persönlich, nicht nur digital. Dieser Aspekt ist uns sehr wichtig.

Welche Ziele verfolgen Unternehmen in den sozialen Netzwerken?

Das ist sehr unterschiedlich – das reicht von Employer Branding, über Kundenbindung und Customer Service bis hin zu Verkaufsförderung. Dementsprechend sind in Unternehmen auch sehr viele Abteilungen in die Planung und Umsetzung der Social Media bzw. Digital Kommunikation involviert – Sales Team, Kundendienst, HR-Abteilung, Marketing, Unternehmenskommunikation. Wichtig ist, dass die Abteilungen auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, gutes, „das richtige“ Personal zu finden – ein wenig martialisch gesprochen, es herrscht der so genannte „War of talents“. Im Zuge des Fachkräftemangels wird es für Unternehmen immer wichtiger, transparent und auf Augenhöhe mit dem Arbeitnehmer zu kommunizieren. Berufliche Netzwerke können hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch: Arbeitnehmer haben zunehmend den Wunsch nach einer optimalen Work-Life-Balance und suchen gezielt nach Unternehmen, die ihnen ein harmonisches Zusammenspiel von Berufs- und Privatleben ermöglichen. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung und sinnerfüllender Arbeit ist in der Generation-Y besonders stark ausgeprägt. Aus Sicht der Arbeitgeber ist der Fachkräftemangel eine große Herausforderung. Ausgezeichnete, ausgebildete Fachkräfte sind ein gefragtes Gut auf dem Arbeitsmarkt. Daher setzen Unternehmen zunehmend auf aktive Rekrutierungsmethoden wie „Active Sourcing“, um den Kampf um die „Best Heads“ für sich entscheiden zu können. Und die Digitalisierung, die viele Bereiche unseres Lebens betrifft, bestimmt auch immer mehr die Arbeitswelt. Und bietet dort für Arbeitnehmer und Arbeitgeber neue Chancen und Möglichkeiten: Stichwort Mobile Working, flexibles Arbeiten und neue Formen der Zusammenarbeit.

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