BÜCHERBÖRSE

Wollen wir wieder warten?

Bei großartigen Geschichten lohnt sich das Warten auf die Fortsetzung. Bild: (c) Rob Milsom
Bei großartigen Geschichten lohnt sich das Warten auf die Fortsetzung.

Wir lieben sie doch alle: Geschichten, die einen fesseln und uns in eine andere Welt hineinziehen. Geschichten, die detailliert und ausführlich sind, dabei aber nie zu langatmig oder gar langweilig werden. Große Geschichten eben. Nur eines ernüchtert uns in dieser Euphorie immer wieder: das Warten. Das Warten auf den nächsten Film, weil es am Ende gerade erst interessant geworden ist. Das Warten auf die neue Staffel, wenn der Cliffhanger fast nicht auszuhalten ist. Das Warten auf den nächsten Band der Reihe, weil man einfach umblättern und weiterlesen möchte. Das Warten ist brutal. Ich wette, manche Autoren und Filmemacher genießen es, uns so lange zappeln zu lassen. Ein gewisser George R. R. Martin lässt seine Fans immerhin schon seit 1996, wo der erste Teil seiner sieben Bücher umfassenden Reihe erschien, auf der Folter gespannt zappeln. Ich bin mir sicher, er liebt es, seine Leser so zu quälen. Er schreibt nämlich zwischendurch auch andere Bücher, und will uns noch nicht verraten, wie es in seiner großartigen Geschichte weitergeht. Jetzt müssen wir uns die Frage stellen: Wollen wir weiter warten? Ich will eigentlich nicht, aber ich muss.

 

Birgit Mühl

Birgit Mühl | Ressortleiterin Feuilleton

studiert Vergleichende Literaturwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

ist heillose Optimistin

liebt Beistriche und hasst den Ausdruck "Grammar-Nazi"

birgit.muehl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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