BÜCHERBÖRSE

Buchrezension "Der Junge, den es nicht gab"

Sjón, der Erfolgsautor aus Island (c) Fischer Verlag
Sjón, der Erfolgsautor aus Island

Am 23. April veröffentlichte der isländische Erfolgsautor Sjón seinen neuen Roman "Der Junge, den es nicht gab" im Fischer Verlag. Schon nach einer Woche gibt es zahlreiches Lob und beste Bewertungen für das besondere Buch. Sjón ist nicht nur einer der erfolgreichsten Autoren in Island, sondern ein begnadeter Musiker, Poet und Künstler. Er arbeitete beispielsweise schon mit Björk zusammen und wurde sogar 2001 für den Oscar nominiert.

Ein Junge in zwei Welten

Island 1918: Der junge Máni Steinn lebt in zwei Welten. Er geht Anschaffen und verkauft seinen Körper an andere Männer – doch er tut es freiwillig. Denn nur so verdient der Junge das nötige Geld um sich seiner Leidenschaft zu widmen, dem Kino. Filme sind Mánis große Liebe, mehr braucht er nicht im Leben. Nur im Kino ist er glücklich. Doch Island befindet sich in einer unruhigen Zeit. Die spanische Grippe befällt das Volk und reißt immer mehr Menschen in den Tod. Und dann trifft der Junge auf die schöne Sóla und bekommt das Mädchen nicht mehr aus seinem Kopf.

Düster, verwirrend, abstoßend und doch schön

Sjón ist ein Künstler und genau das spiegelt sich in seinem Roman wieder. Kaum ein Autor schreibt so kunstvoll und erschafft eine malerische und dennoch düstere Welt. Während der Handlung taucht man ein in das Leben des Protagonisten ein, man befindet sich in Island und wird Zeuge einer eigenartigen und gleichzeitig schönen Geschichte. Als Leser blättert man überrascht, verwirrt und schockiert durch die Seiten und versucht aus Máni schlau zu werden. Wer ist der Junge und was geht in ihm vor? Manche Momente rauben den Atem, andere Dinge schockieren und sind widerlich fesselnd.

Ein Roman, an den man sich gewöhnen muss

Zu Beginn des Romans braucht man zugegeben etwas Zeit, um sich mit dem Erzählstil und mit dem Protagonisten anzufreunden. Alles erscheint befremdlich. Doch dann wird man neugierig. Von Seite zu Seite wird die Geschichte spannender und man kann es nicht erwarten, das Ende zu erfahren. Besonders auf den letzten Seiten nimmt die Handlung rasend schnell an Fahrt auf und die Ereignisse überschlagen sich. Bis hin zum letzten Satz erwarten den Leser Überraschungen und unerwartete Wendungen.

Kein Roman zum Wohlfühlen

"Der Junge, den es nicht gab" ist kein typischer "wohlfühl"-Roman, den man liest, um nach der Arbeit oder nach der Uni abzuschalten. Während der Lektüre kommt man ins Grübeln und macht sich Gedanken zu Máni und seinem Schicksal. Sjón verfasste ein atemraubendes Drama, das man nach dem Lesen nicht so schnell vergisst.

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook