BÜCHERBÖRSE

Buchrezension: "Wir müssen dann fort sein"

Wir müssen dann fort sein: Dirk Brauns (c) KiWi-Verlag
Wir müssen dann fort sein: Dirk Brauns

Was geht in einem deutschen Mann vor, der in Weißrussland lebt, mit einer russischen Frau verheiratet ist und einen deutschen Vater hat, der einmal ein treuer Volkspolizist war? Mit seinem Roman "Wir müssen dann fort sein" vereint der Autor Dirk Brauns ein hoch kompliziertes Familiendrama mit politischen Thematiken. Lesenswerte, aber doch schwere Kost für alle, die Bücher mit Tiefgang mögen. Erschienen und erhältlich im KiWi-Verlag.

Einen dicken Fisch an der Angel und einen Vater im Nacken
Oliver führt ein scheinbar glückliches und erfülltes Leben. Zusammen mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter wohnt er in Minsk und schreibt dort Kolumnen für eine deutsche Zeitung. Doch er hat einen dicken Fisch an der Angel und steht kurz davor, ein Interview mit dem grausamen und pressescheuen Diktator Mitrochin zu führen. Dafür benötigt er die Unterstützung und vor allem die Kontakte seines Vaters, eines Buchautoren und ehemaligen deutschen Volkspolizisten. Seit Jahren ist die Beziehung der zwei Männer zerrüttet und mittlerweile liegen zehn Jahre zwischen ihrem letzten Treffen. Trotzdem folgt Oliver der Einladung des Vaters. Eine Reise in seine Heimat und in die Vergangenheit beginnt und plötzlich findet sich der Journalist auch noch in einem möglichen Mordfall wieder. 

Auf jeder Seite wartet ein neues Geheimnis
Besonders fesselnd sind die zahlreichen Rückblenden, in denen das Verhältnis zwischen Oliver und seinem Vater ("Einen mit seinen Büchern, dem Haus und dem Garten beschäftigten Idioten") erklärt wird. Schlüsselszenen aus der Kindheit und der Jugend des Journalisten werden beleuchtet und führen zu Erstaunen, Überraschungen und hin und wieder auch Ekel. In jedem Kapitel erwarten den Leser Geheimnisse, die es zu lüften und erkunden gilt.

Ein Buch wie ein Puzzel mit Tausend kleinen Teilen
Brauns setzt sein Buch wie ein Puzzel zusammen. Nach und nach erfährt der Leser die Abgründe aus dem Leben des Journalisten Oliver, findet sich in Rückblenden wieder und lernt die Hintergründe aus dem Leben von Vater und Sohn kennen. Eine Geschichte zwischen Deutschland und Russland spinnt sich durch die Jahrzehnte. Parallel dazu wird von Olivers großem Interview und den schwierigen und riskanten Vorbereitungen erzählt. Wer Bücher mag, bei denen durchaus ein gewisses Vorwissen und Interesse gefragt ist, der wird diesen Roman mögen. Brauns Lektüre eignet sich jedoch nicht zum gemütlichen Lesen für Zwischendurch. Es ist spannend, fesselnd und bedarf einer Menge an Aufmerksamkeit. 

 

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