BÜCHERBÖRSE

Lycidas - Die uralte Metropole

Marzi Christoph Lycidas Die uralte Metropole c RANDOM HOUSEEmily Laing fristet ihr Dasein als Waisenkind in der Anstalt für heimatlose Kinder in Rotherhithe, London, arbeitet dort tagtäglich in der Küche und lässt wüste Beschimpfungen über sich ergehen, bis sie eines Nachts auf die Ratte Lord Brewster trifft. Diese rät ihr, sich um die kleine Mara Mushroom zu kümmern, ein neues Mädchen im Waisenhaus.

Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Aurora Fitzrovia schleicht sich Emily heimlich ins Büro des Reverend Charles Dombey, des Waisenhaus-Leiters, um Informationen über Mara und sich selbst in Erfahrung zu bringen. Als genau in diesem Moment das Waisenhaus überfallen und die kleine Mara von einem Werwolf entführt wird, beginnt für Emily und Aurora ein verwirrendes und furchteinflößendes Abenteuer.

Die alte Metropole London

Das Chaos, das durch den Überfall ausgelöst wurde, verhilft Emily dazu, zu flüchten. Lord Brewster, immer an ihrer Seite, bringt sie daraufhin zu Master Mortimer Wittgenstein. Durch ihn erfährt Emily, dass sie die Ratte verstehen kann, weil sie, wie Wittgenstein selbst, eine Halbelfe ist.

Als sie am nächsten Tag in der Zeitung liest, dass Kinder aus allen Teilen Londons verschwinden, ohne dass die Polizei auch nur einen Hinweis auf die Täter hat, widerfährt Emily eine Vision. Diese zeigt ihr, wohin Mara gebracht wurde – nämlich nach Chelsea, der Stadt London unter der eigentlichen Stadt London.

Verwirrt und ängstlich aufgrund ihrer Vision erklärt ihr Wittgenstein, was es damit auf sich hat. Emily erfährt, dass sich unter der Stadt London eine Metropole, ein verzweigtes Katakomben-System von Wegen und Straßen befindet, in dem Elfen, Engel und sonstige Kreaturen leben.

Gemeinsam mit Wittgenstein, Maurice Micklewhite, Aurora und einem Pfadfinder, dem Irrlicht Winston Dinsdale, macht sich Emily auf den Weg hinunter in die uralte Metropole Londons.
Dass die Befreiung Mara Mushrooms sich als alles andere als einfach erweist und Emily und ihre neuen Freunde immer wieder auf schier unüberwindbare Hindernisse und trügerische Wesen treffen, ist die Folge.

Ein Band voll wilder Kreaturen und fantasievoller Charaktere

Was Emily Laing bei ihren Abenteuern in der uralten Metropole erlebt und was es mit Master Wittgenstein, dem Alchemist, Dorain Steerforth, dem Aphrodite, Mylady Hamstead, einer alten Rattendame, sowie Lycidas, seiner Geliebten Lilith und natürlich dem Rattengott Ophar Nyx auf sich hat, erfährt man im ersten Band von Autor Christoph Marzis Triologie.

Das spannende an diesem Buch ist, abgesehen von den vielen fantastischen Schauplätzen und Kreaturen, denen man begegnet, vor allem die Verwobenheit der Ereignisse. Kaum wird ein Geheimnis gelüftet, stellt sich schon ein weiteres. Nie ist man sich sicher, wer jetzt tatsächlich die Guten und wer die Bösen sind.

Fantasie-Autor Christoph Marzi c Christoph MarziChristoph Marzi versteht es, dem Leser nach und nach kleine Häppchen zu liefern, die ihm der Auflösung des Abenteuers näher bringen. Und trotzdem hat man zwischendurch immer wieder das Gefühl, keine Ahnung zu haben, wie die Geschichte ausgehen könnte. Dadurch bleibt das Buch, dass mit seinen 858 Seiten nicht gerade das dünnste ist, durchgehend spannend und kurzweilig.

Für alle Fantasie-Fans also ein wirklich abwechslungsreicher Roman. Nicht umsonst hat Christoph Marzi für „Lycidas – Die uralte Metropole“ im Jahr 2005 den Deutschen Phantastik-Preis in der Kategorie Roman Debüt – Deutschsprachig erhalten.

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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