BÜCHERBÖRSE

Lebenslänglich Pausenhof

Lehrerkind Bastian Bielendorfer c Piper Verlag GmbHBastian Bielendorfer, 1984 in Gelsenkirchen geboren, ist ein ganz besonderes Kind. In seinem Buch „Lehrerkind. Lebenslänglich Pausenhof“ erzählt er davon. Es geht dabei nicht nur um die Schule, sondern auch den Zivildienst, das Studium und was sonst noch so anfällt, aber immer um seinen Status als Lehrerkind, den Bastian auch als mittlerweile Erwachsener nie verlieren wird. 

„Ein Lehrerkind ist unbeliebter als Intimherpes beim Gruppensaunieren“

Satirisch und unterhaltsam beschreibt Bastian seinen Schulalltag, bei dem er jeweils mit einem Lehrerelternteil gesegnet ist – mit seiner Mutter in der Grundstufe und seinem Vater in der Oberstufe. „Jeden Tag Elternsprechtag“ nennt er sein Schülerdasein, womit er so ganz und gar nicht Unrecht hat. Doch auch zu Hause hat er vor den Lehrern keine Ruhe. Denn seine Eltern machen ihm das Leben auch in den heimischen vier Wänden nicht leicht. Eine Eins im mündlichen Abitur beispielsweise führen sie auf die Gene zurück und der Abbruch im Studium wird zu einem „Wer hat das als erster prophezeit“ – Spiel.

„Ein Lehrerkind ist so beliebt wie ein Veganer bei den Hells Angels“

Als sich Bastian schließlich nach seinem Studiums-Abbruch dazu entschließt, ein Buch über sein Leben als Lehrerkind zu schreiben, taucht die leidige Frage wieder auf. Die Frage nach der halben Million, die Bastian seinen Eltern noch schuldet und ob diese mit dem Erfolg eines Buches zurückgezahlt werden könne. Denn seinem Vater zufolge kostet jedes Kind seine Eltern bis zum Berufseintritt eine halbe Million Mark. Nachdem Bastian auch noch mit 465 Mark für grobes Fehlverhalten in seiner Kindheit bei seinen Eltern in der Kreide steht, liegt es also am Buch, ihn aus den Schulden zu geleiten.

Bastian Bielendorfer c Michael HerdleinDer rote Korrektur-Fineliner

Der rote Korrektur-Fineliner ist nicht nur Bastians Begleiter in der Schulzeit, sondern auch darüber hinaus. Ob beim Zivildienst, beim Studium oder bei einem – man möchte meinen – ganz normalen Familienurlaub. Immer und überall wird er von seinen Eltern korrigiert. Da kann es schon passieren, dass sich in der Schultüte für die erste Klasse Kafkas „Verwandlung“ findet oder dass man mit Mitte Zwanzig immer noch gnadenlos beim Scrabble verliert, weil man einfach zu wenig Ahnung von interessanten Fremdwörtern hat.

Natürlich liefert Bielendorfer in seinem Buch nicht nur interessante Anekdoten aus seiner Kindheit und Jugend, sondern zwischendurch auch immer wieder amüsierende Lehrerbeschreibungen, wie man sie selbst nur zu gut kennt.

Man trifft dabei zum Beispiel auf den Sportlehrer, der das Volleyballfeld voll unkonzentrierter Kinder als miniaturisiertes Schlachtfeld sieht. Oder auf den Lateinlehrer, der sein Selbstvertrauen daraus bezieht, eine altehrwürdiges Fach zu unterrichten, andererseits aber immer wieder erkennt, dass sein Lehrgegenstand nicht als so wertvoll honoriert wird, wie er es gerne hätte.

Das Buch brilliert durch Bielendorfers amüsante Art zu Schreiben. Nicht nur die vielen Hindernisse, mit denen er als Lehrerkind zu kämpfen hat, sondern auch seine eigene Einstellung zum Leben und zu sich selbst bieten abwechslungsreichen Lesestoff. Dabei nimmt er wahrlich kein Blatt vor den Mund, sondern schildert seine Erlebnisse und Erinnerungen so, wie sie waren. Gnadenlos. Komisch. Und durchwegs unterhaltsam.

Buchinfos
Bastian Bielendorfer: Lehrerkind. Lebenslänglich Pausenhof.
Erschienen im November 2011
Piper Verlag GmbH
304 Seiten
9,99 Euro

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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