BÜCHERBÖRSE

Chaos bei den JPodder

JPOD von Douglas Coupland c Klett-CottaJPod? 

JPodder?
Hä?
Keine Angst, man muss nicht auf Anhieb wissen, was man darunter verstehen soll.
Man kann es allerdings herausfinden – in Douglas Couplands Werk „JPOD“.

Eine kompliziert verstrickte Geschichte

JPOD handeln von Ethan, Mark, John Doe, Cowboy, Bree und Kaitlin. Allesamt arbeiten sie in einer Spieldesignfirma, in JPod. Als Ethan seiner Mutter seinen Chef Steve Lefkowitz vorstellt und der sich daraufhin unsterblich in Ethans Mutter verliebt, aber diese Gefühle von ihr nicht erwidert werden, ahnt er nicht, welche Folgen das für seine Kollegen und ihn haben wird.

Weil sich Ethans Mutter nämlich von Steve belästigt fühlt, erzählt sie dem Freund ihres zweiten Sohnes Greg, dem Chinesen Kam Fong, von ihrem Problem. Kurz darauf verschwindet Steve spurlos. Das führt dazu, dass in Ethans Firma ein neuer Mann zum Chef ernannt wird, der bereits bei der nächsten Marketingkonferenz das Spiel, an dem Ethan und seine Kollegen arbeiten, komplett umkrempelt. Heimlich planen die JPodder also Rache. Eine geheime Figur soll in das Spiel eingeschleust werden, die es auf kurz oder lang zerstört.

Bei all diesem Chaos soll Ethan sich zudem noch um seinen Vater, einen erfolglosen Schauspieler, kümmern sowie seinen ehemaligen Chef Steve, der von Kam Fong nach Shanghai verfrachtet wurde, zurückholen. Da passt es ihm gar nicht, dass er immer wieder auf Douglas Coupland trifft, ihm gegen einen Gefallen seinen Laptop aushändigen und dann feststellen muss, dass Coupland an einen Roman über sein Leben schreibt.

Bitte nur in Konzentrationsphasen lesen!

Douglas Couplands Buch „JPOD“ erschien bereits im Jahr 2006, auf Deutsch verwirrt er seine Leser allerdings erst seit dem letzten Jahr. Wer ihn kennt, weiß wahrscheinlich, was ich meine, wer nicht, sollte es auf alle Fälle herausfinden.

Seine Art zu schreiben ist wirklich einzigartig. Sie beeindruckt sehr, ist aber gleichzeitig auch verwirrend. Oft seitenweise Dialoge und scheinbar unzusammenhängende Erklärungen fordern den Leser wirklich dazu heraus, ständig konzentriert zu bleiben. Das macht das Buch aber auch spannend. Besonders die vielen satirischen Bemerkungen in Bezug auf die Marketing- Management- und generell Arbeitswelt, in der die Hauptfigur Ethan sich befindet, amüsieren. Man muss sich eben nur an die Schreibweise des Autors gewöhnen.

Leider übertreibt Coupland an mancher Stelle – etwa bei den Bürospielchen, die Ethan und seine Kollegen davon abhalten, ernsthaft zu arbeiten. Eines Tages beispielsweise teilt Mark eine Liste mit über 8.000 Primzahlen an seine Kollegen aus. Sie erhalten die Aufgabe, darunter eine versteckte Zahl zu finden, die keine Primzahl ist. Es folgt also eine 22 Seiten füllende Liste mit über 8.000 Primzahlen, die den Lesefluss und vor allem die Spannung eindeutig dämpfen. Genauso verhält es sich mit dem Spiel zu den ersten hunderttausend Ziffern von Pi. Auch hier soll eine falsche Zahl, die sich nicht Pi nennen darf, gefunden werden. Und wieder folgen 61! Seiten voller Zahlen, die vielleicht den einen oder anderen Mathematiker beeindrucken, ansonsten aber schnell als störend empfunden werden können.

Sieht man allerdings über so manch unvorteilhafte Stelle hinweg, bei der man leicht aus dem Lesefluss kommt und schnell unkonzentriert wird, ist das Buch durchaus ein sehr interessantes. Hin und wieder eine Herausforderung, teilweise auch eine Anstrengung und vor allem eine ganz neue Art, zu lesen!

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

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