BÜCHERBÖRSE

Emily Laings zweites Abenteuer

Lilith Emily Laings zweites Abenteuer c Heyne VerlagDie Fortsetzung von Christoph Marzis Werk „Lycidas“ bringt die junge Emily Laing mit ihrem Mondsteinauge sowie ihre beste Freundin Aurora Fitzrovia erneut in waghalsige Abenteuer quer durch die uralten Metropolen London und Paris.

„Die Welt ist gierig und manchmal verschwinden Menschen in ihrem Schlund, ohne jemals wieder gesehen zu werden.“

Das weiß Emily nur zu gut. Denn in „Lilith“ muss sie sich erneut von geliebten Personen verabschieden und trotzdem den Mut aufbringen, ständig weiterzukämpfen anstatt aufzugeben. Das zweite Werk dieser Reihe von Christoph Marzi beginnt damit, dass in der uralten Metropole, in London, seit einigen Monaten Menschen verschwinden. Ohne jegliche Hinweise zu hinterlassen.  

Als eines Tages auch Emilys Mutter Mia Manderly aus einer Irrenanstalt verschwindet, erhaschen sie und Master Mortimer Wittgenstein, ihr treuer Gefährte seit dem ersten Band, eine Spur. Dr. Dariusz, der sich um Mia gekümmert hat, spricht seine Vermutungen über eine Entführung aus. Vinshati, mordende Bestien in der uralten Metropole, sollen Mia für Al-Vathek, ihren Anführer, entführt haben. Das veranlasst Emily und Wittgenstein dazu, gemeinsam mit dem Höllenforscher Pilatus Pickwick in die Hölle hinabzusteigen, um nach Lilith, der Lichtergöttin, zu suchen. Denn nur mithilfe von Lilith könnte Mia Manderly jemals wieder befreit werden.

Allerdings verschwinden inmitten der Suche nach Informationen und Hinweisen auch Master Micklewhite und Aurora, Emilys beste Freundin. Warum Aurora schließlich gefangen gehalten wird, Master Micklewhite sterben muss und Carathis, die Tochter von Lilith, ihre blutigen Finger im Spiel hat, erfährt Emily auf beängstigende Weise im Laufe des zweiten Bandes.

„Die Welt ist gierig und manchmal ist ein Schrei, ausgestoßen in der Stille, eine Melodie voller Irrsinn und Verzweiflung.“

In ihrem zweiten Abenteuer begleiten wir die junge Erwachsene Emily Laing auf eine Reise nach Frankreich, in die uralte Metropole Paris, die Schwesternstadt Londons. Von dort aus jedoch geht es weiter nach Ungarn, nach Konstantinopel und Ägypten. Sie trifft auf alte Bekannte wie Wittgenstein und Micklewhite, Reverend Dombey, Miss Snowhitepink und natürlich das berühmte Duo Mr. Fox und Mr. Wolf. Im zweiten Band jedoch trifft man auch auf zahlreiche neue Figuren wie Carathis oder Eliza Holland, auf zwielichtige Gestalten wie Dr. Dariusz und Dr. Lazarus und schließlich auf grausame Kreaturen wie die Vinshatis und Vroloks. Die Beschreibung dieser Figuren und Kreaturen ist wie gewohnt besonders detailgetreu und präzise. Liest man etwa von den Vroloks, ihrem Verhalten und ihrer Jagdweise auf Menschen und Tiere gleichermaßen, lassen einen die Buchseiten erschaudern.

Was bei so vielen neuen und alten Bekannten ein guter Rat sein könnte: Das Buch möglichst nicht auf Raten lesen und keine tage- oder wochenlangen Pausen dazwischen einlegen, denn dann – und das garantiere ich – verliert man schnell den Überblick. Da hilft es auch nicht, beim letzten Kapitel erneut zu starten, denn von Anfang an bis zur letzten Zeile sind die Figuren und Handlungen eng miteinander verstrickt. 

Daher der Tipp: Zeit nehmen und das Buch in Ruhe genießen.

Was der französische Maler Henri de Toulouse-Lautrec mit der ganzen Geschichte zu tun hat und zwischen welchen beiden Figuren sich im Laufe des Werks mehr als nur eine Freundschaft entwickelt, müsst ihr schließlich selbst herausfinden. Fantasy-Fans und solche, die ihre Freude an verwobenen Geschichten mit kaum ersichtlichen Zusammenhängen haben, die in letzter Sekunde doch alle einen Sinn ergeben, werden erfreut sein!

LILITH - Die uralte Metropole
Christoph Marzi
Heyne Verlag
10,30 Euro

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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