BÜCHERBÖRSE

Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen

Thilo Bodes Die Essensflscher c Fischer Taschenbuch Verlag„Die Essensfälscher“ rechnet mit skrupellosen Lebensmittelkonzernen ab, die durch Täuschung und Irreführung den Konsumenten ihre Produkte aufzwingen und dabei weder deren Gesundheit, noch deren Eigenwille zur bewussten Ernährung akzeptieren. Thilo Bode, Gründer der Verbraucherorganisation „foodwatch“ entlarvt in seinem Buch die ausgeklügelten Tricks der Nahrungsmittelindustrie.

Es ist wie in Hollywood: alles falsch, alles Schwindel und Kulisse

Durch permanente Behauptungen hat die Lebensmittelindustrie es Bode zufolge geschafft, dass Menschen an die zusätzliche, oft medizinische Kraft von Lebensmittel glauben. Becel etwa, der den Cholesterin senken oder Actimel, das zur Stärkung der Abwehrkräfte beitragen soll. Solche angeblichen Wohlfühlprodukte sind tatsächlich allerdings bloß ein Versuch, den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Denn unsere Nahrung ist heutzutage, auch wenn sie Gesundheit, Fitness oder medizinische Vorteile verspricht, größtenteils das Resultat industrieller Massenfertigung. „Gesunde“ Produkte täuschen ihre hohe Qualität demnach wie alle anderen auch nur durch billige Inhaltsstoffe vor. So werden Zuckerbomben leicht als gesunde Jause für Zwischendurch verkauft, was besonders für Kinder schwerwiegende Folgen haben kann.

Die Bio-Illusion als Wachstumsnische

Bio zu kaufen verspricht einem eine nachhaltige Herstellung, eine artgerechte Haltung, eine gesunde Nahrungsmittelaufnahme und viele weitere, wichtige Aspekte. Jedoch ist Bio nicht gleich Bio, denn auch Bioprodukte sind nicht frei von Etikettenschwindel. Es gibt durchaus industriell gefertigte Lebensmittel mit Bio-Siegeln, weil etwa die darin enthaltenen Rohstoffe nach Bio-Methoden hergestellt wurden. Auch das EU-Bio-Siegel repräsentiert lediglich den niedrigsten Bio-Standard. In sogenannten Bio-Produkten dürften also immer noch bis zu 50 Zusatzstoffe enthalten sein. Zwar sind es weniger als bei konventionellen Lebensmitteln, bei denen etwa bis zu 320 Zusatzstoffe laut Gesetz erlaubt sind, jedoch darf auch in Bio-Lebensmitteln, etwa im Bio-Fleisch, der Zusatzstoff Nitritpökelsalz zugesetzt werden, der im Magen krebserregende Nitrosamine bilden kann.

„Das grenzt an Körperverletzung durch Irreführung“

Die Lebensmittelbranche verspielt täglich das Vertrauen der Verbraucher, indem sie irreführende und täuschende Werbung sowie Produktmittelangaben veröffentlicht. Thilo Bode hat mit seiner Organisation „foodwatch“ daran gearbeitet, diese Lügen aufzudecken und ist auf viele spannende und gleichzeitig furchterregende Ergebnisse gekommen.
In Pfanners 2 Liter Teegetränk „Der Gelbe Zitrone Physalis“ sind beispielsweise nur 15% Gelber Tee und keine Physalis zu finden, dafür jedoch 45 Stück Würfelzucker. In Heringssalat wurde beigemischtes Rindfleisch entdeckt und in Erdbeer- Fruchtjoghurt viele Zusatzstoffe, jedoch nur eine halbe echte Erdbeere.

Von Schinken-Imitat und Plagiat-Käse

Thilo Bode hat sein Buch „Die Essensfälscher“ strategisch sehr sinnvoll aufgebaut, sodass auch Leser, die sich mit diesem Thema noch nicht beschäftigt haben, einen guten Einblick bekommen. Von den Wachstumsstrategien der Lebensmittelkonzerne über die Traumfabrik Essen mit ihren Postulaten „Wellness, Gesundheit, Schönheit, Schlankheit“, der Traditions- und Qualitätslüge, der Zuckerlüge gegenüber der Kinder, der „unternehmerischen Verantwortung“ der Konzerne für die Rettung der Welt bis hin zur Bio-Illusion, der Kapitulation der Kontrolleure und schließlich einigen Lösungsmöglichkeiten, die verantwortungslose Industrie zur Verantwortung zu ziehen, erhält man einen tiefgründigen Einblick in die Lebensmittelbranche und ihre fragwürdige Arbeitsweise.

Zwischendurch nennt Bode immer wieder Beispiele von Lebensmitteln, die wir kennen und mögen, von denen wir bestimmte Dinge erwarten, die diese jedoch gnadenlos enttäuschen. Etwa der Schwarzwälder Schinken, der aus Holland, Belgien und Niedersachsen, nur nicht aus dem Schwarzwald kommt. Das Buch ist damit sehr spannend, leider aber auch ungemein furchterregend – jeder der es liest wird den nächsten Gang durch den Supermarkt garantiert auf eine ganz neue Art und Weise wahrnehmen. Denn beliebte Produkte und Marken werden schnell zum No-Go, wenn „Die Essensfälscher“ aufmerksam gelesen und ein bisschen befolgt wird.

INFO
Thilo Bode
Die Essensfälscher – Was die Lebensmittelkonzerne uns auf die Teller lügen
Fischer Taschenbuch Verlag
9,30 Euro

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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