BÜCHERBÖRSE

Fortuna muss besoffen sein

die verschwrung der idioten c klett-cottaAnders kann es sich Ignatius Reilly nicht erklären, dass er unendlich viele Hürden in seinem Leben meistern muss und ihm ständig himmelschreiendes Unrecht widerfährt, obwohl er doch eigentlich stets daran arbeitet, die Welt zu verbessern und den desaströsen Verlauf der Menschheitsgeschichte so schlussendlich doch noch zu ändern.

Das Opfer einer Verschwörung

Alles beginnt damit, dass der Polizist Mancuso bei einer Routinekontrolle die Ausweispapiere von Ignatius J. Reilly sehen möchte. Dass das zu einer verhängnisvollen Wendung in seinem Leben führt, hätte Mancuso nie gedacht. Denn sofort entbrennt ein Streit zwischen ihm und Reilly, der es als Frechheit empfindet, unschuldige Bürger zu belästigen anstatt sich um das wahre Gesindel in der Stadt zu kümmern. Als sich daraufhin auch noch die Mutter von Ignatius sowie ein alter Mann einmischen, sieht Mancuso seine Karriere beinahe beendet.
Ab diesem Zeitpunkt aber ist er mehr in das Leben der Familie Reilly involviert, als ihm lieb ist. So kann bzw. muss er Ignatius und seine Vorstellung von der Welt hautnah miterleben. 

Überfordert von Ignatius` Einzigartigkeit

Ignatius schreibt in seinem doch schon sehr erwachsenen Alter am liebsten im Kinderzimmer an seiner eigenen Version der Menschheitsgeschichte und daran, wie deren Verlauf zum Positiven verändert werden könnte.  Er wünscht sich eine gute, starke Monarchie mit einem anständigen und geschmackvollen König, der etwas von Theologie und Geometrie versteht und seinen Untertanen bestenfalls ein erfülltes Seelenleben gewährt. Sich selbst sieht Ignatius als keuschen, weltklugen und empfindsamen Jungproletarier, der die Menschen aus der Krise führen muss. Als Ausweg sieht er eine Parteigründung, mit deren Hilfe eine neue Weltgemeinschaft entstehen kann, die es ermöglicht, nationale Differenzen zu überwinden und gemeinsame Ziele zu erreichen. Seine Mission dabei besteht darin, die Menschen auf dem Weg, die Welt zu retten, zu begleiten.  

Achtung vor dem Magenventil!

Ignatius sieht sich als zukunftsweisender Mensch, gefangen in der Vorhölle verlorener Seelen. Sein irdisches Leben empfindet er als den Kampf gegen die Verblödung der Gesellschaft, obwohl man bei vielen seiner Aktionen wohl eher der Meinung ist, er stünde in diesem Kampf auf der verblödenden Seite. Irrsinnig und überzeugt von seinen Einstellungen schleppt er sich also von einem Ereignis zum anderen, stets geplagt vom nicht enden wollenden Unrecht. Dass sich da bei jeder Gelegenheit sein höchst empfindliches Magenventil verkrampft, seine Beine schwer werden und ihn völlig außer Gefecht setzen, hilft Ignatius dabei, seine Vorhaben durchzusetzen.

Die Verschwörung der Idioten

Das Buch von John Kennedy Toole überrascht nicht nur durch die Figur des Ignatius J. Reilly, sondern ganz besonders durch seine Weltanschauung und Meinung über unsere derzeitige Epoche, eine – wie er sie nennt - gnadenlose Krise. Zwar ist es ziemlich verwirrend, zu verfolgen, welche Ansichten die Hauptperson im Buch vertritt. Doch wartet das Werk auch mit einigen sehr lustigen Stellen auf seine Leser. Alleine die Ideen, auf die Ignatius stets kommt und die Ausreden, die er sich macht, wenn etwas nicht so läuft, wie er das gerne hätte, amüsieren sehr. Das Buch ist also definitiv eine abwechslungsreiche Lektüre für den bevorstehenden Sommer!

BUCHINFOS

John Kennedy Toole
Die Verschwörung der Idioten
Klett-Cotta Verlag
22,95 Euro

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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