BÜCHERBÖRSE

Und dann hat einfach einer das Licht ausgeknipst.

Und dann hat einfach einer das Licht ausgeknipst. Blanvalet Verlag

blackoutKein Strom mehr europaweit. Kraftwerke, deren Notstromaggregate zu Ende gehen. Katastrophenalarm. Keine Essens- und Wasserversorgung mehr. Europa im Ausnahmezustand.

Ein Schreckensszenario, wie es Marc Elsberg in seinem Thriller „Black out“ entworfen hat. Nach einem terroristischen Anschlag auf das Stromnetz in ganz Europa, kämpft die Bevölkerung mit den Folgen. Keine Wasserzufuhr mehr, das Essen wird bald schon knapp und eisige Temperaturen, denen ohne funktionierende Heizung kaum zu trotzen sind. Gleichzeitig wachsen die Gefahren durch Plünderer, Überfälle und kaum mehr funktionierende Kraftwerke. Mitten in alldem, treffen wir Piero Manzano, einen italienischen Informatiker, der schnell die Spur eines Hackerangriffs aufnimmt und sich daraufhin an Europol wendet. Jedoch hat er die Macht der Hacker unterschätzt und so steht er selbst schon bald auf der Liste der Verdächtigen und muss flüchten. Allerdings scheint er der Einzige zu sein, der den Angriff stoppen und die Spur zu den Verantwortlichen zurückverfolgen kann. Je länger der Strom wegbleibt, desto schlimmer werden die Zustände in der Bevölkerung und aus der anfänglichen gegenseitigen Hilfsbereitschaft der Menschen werden verzweifelte Individuen, die nur noch eines wollen: Überleben um jeden Preis. Die Zeit wird immer knapper und dann haben auch außereuropäische Staaten plötzlich mit ihrer Stromversorgung zu kämpfen

Wie viele Vorräte hast du Zuhause?
Dieser Thriller ist kaum aus der Hand zu legen und trotz der häufigen Wechsel zu anderen Charakteren in den verschiedensten Teilen Europas, bleibt die Spannung nie auf der Strecke. Elsberg hat außerdem einen Helden konstruiert, der nicht ganz typisch dem Klischee entspricht. Selbst handelnd an der Grenze zur Legalität, versucht er nicht nur, den Hackern ihr Handwerk zu legen, sondern muss auch plötzlich selbst vor der Regierung verschwinden und bekommt dadurch die Folgen der Attacke am eigenen Leib zu spüren. Aufregend und vor allem realistisch zeichnet der Autor ein Szenario, das einen auch nach der letzten Seite noch nicht loslässt. Vielleicht ist es die realistische Inszenierung, vielleicht auch aber nur der Gedanke an seine eigene Vorratskammer und die Frage: Was, wenn so etwas wirklich einmal passiert? Wie lange könnte ich selbst überleben? Und schließlich: was würde man alles tun, um zu überleben?

Ein Wiener Autor mit seinem Durchbruch
Elsbergs Thriller wirft so einige Fragen auf, die nicht nur unbequem, sondern auch beängstigend sind. Auf die Idee dazu kam er ausgerechnet durch eine elektrische Zahnbürste. In einem Artikel über deren Produktion, stellte er sich irgendwann die Frage,  was passieren würde, wenn ein Glied der Herstellungskette einfach ausfiele. Von einer Frage in die Tausendste war die Idee zu Black out geboren. Marc Elsberg, der aus Wien stammt und jahrelang als Kolumnist für den Standard arbeitete, recherchierte sehr lange und ausgiebig für die Grundlage des Romans und gab zu, dabei selbst manchmal erschrocken zu sein, wie lasch manche Sicherheitsvorkehrungen europaweit seien. Er selbst habe seither ein paar Vorräte mehr zu Hause.

Black out ist sicherlich einer der besten, deutschsprachigen Thriller der letzten Jahre. Der Schreibstil Elsbergs ist spannend und äußerst bildlich. Einen Denkanstoß verpasst er damit seinem Leser, nebst spannendem Lesevergnügen, sicherlich. Ein sehr empfehlenswerter Roman für alle, die sich beim Lesen gerne Gedanken machen und mehr als flache Unterhaltung schätzen.

Noch ein positiver Effekt des Buches: Man kann es auch ohne Strom lesen.

Marc Elsberg
Black out – Morgen ist es zu spät
Blanvalet Verlag
20, 60 €

Tanja Kling

Ist immer zu haben für guten Lesestoff jeder Art, außer schlechtem Liebesschund, der sie mehr gruselt als jede Horrorszene mit asiatischen Kindern.

Hat einen Fable für Found Footage und schlecht synchronisierte Splatter-Filme, weswegen man sie freitags oft im Midnight Movie antrifft. 

Und für einen Kaffee mit Jack Nicholson würde sie ihr letztes Hemd geben.

 

Tanja Kling | Ressortleiterin Kino, Film & Buch

tanja.kling (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

 

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