BÜCHERBÖRSE

Die Wand

Die Wand Coop99

Was passiert wenn du auf einer einsamen Alm plötzlich eingesperrt bist? Wenn du ganz allein dort oben bist und es keine Chance auf Flucht gibt?

Dieser Frage nimmt sich das Buch „Die Wand“ von Marlen Haushofer an. 1963 erschienen, ist es die erfolgreichste Veröffentlichung der österreichischen Autorin. Im Herbst 2012 läuft die Verfilmung des Literaturklassikers, mit Martina Gedeck in der Hauptrolle, in den Kinos an.

Einsamkeit als Hauptmotiv

Das Buch beginnt auf einer einsamen Jagdhütte. Dort verbringt die 40-järige Erzählerin des Romans ein Wochenende gemeinsam mit ihrer Cousine und deren Mann. Eines Abends sparziert das Pärchen gemeinsam ins Dorf, die namentlich nicht genannte Erzählerin bleibt mit dem Hund ihrer Begleiter, in der Hütte zurück. Nach einiger Zeit muss die Erzählerin feststellen, dass ihre Reisegefährten wohl nicht mehr wieder kommen. Sie macht sich auf die Suche nach den Beiden, wird jedoch von einer unsichtbaren Wand gestoppt. Langsam wird ihr klar, dass diese unsichtbare Wand ein gewisses Gebiet auf den Berg umgibt, und die Erzählerin eingeschlossen ist. Ebenso sieht sich durch die Sperre, dass sich außerhalb dieser Wand ein unbekanntes Unglück ereignet haben muss, denn die Menschen die sie erblicken kann, wirken wie versteinert. Die Hauptperson muss nun in dieser einsamen Gegend alleine zurechtkommen. Nach einiger Zeit lernt sie, Saatgut anzubauen und bekommt Gesellschaft in Form einiger Tiere. Doch die Einsamkeit ist oft übermannend, ebenso wie die Ungewissheit, was der Erzählerin bevorsteht. Wie lange hält sie das Leben in der Isolation aus? Wann sind ihre Vorräte endgültig aufgezehrt?

buchcover c list taschenbuch verlagHarsche Zivilisationskritik

Einerseits kann Haushofers Roman als direkte Kritik an unserer Zivilisation gesehen werden. Auch wenn das Buch aus den 60er Jahren stammt, auch heute gelten Haushofers Argumente noch. Anzeichen für diese Kritik sind zum Beispiel der Mercedes des Paars, der langsam zuzuwachsen beginnt, da er für die Erzählerin keinerlei Nutzen bietet, in ihrer neuen Lebenssituation. Sie ist in die Natur zurückversetzt, Kulturgüter wie dieses Auto kann sie nun nicht mehr brauchen. Die Natur bietet ihr alles, was sie zum Überleben braucht. Sie baut Obst und Gemüse an, geht auf die Jagd und sammelt Holz für den Kamin. Doch diese isolierte Lebensweise fordert auch ihren Tribut. Menschen sind einfach nicht dafür gemacht, ihr Leben in Einsamkeit zu verbringen. Die Erzählerin scheint einen ständigen Kampf gegen die Isolation zu kämpfen. Ein große Hilfe dabei sind ihr die Tiere, vor allem ihr Hund. Er wird ihr treuester Gefährte. Neben der Zivilisation übt der Roman auch Kritik am Patriachat. Die Erzählerin ist auf sich allein gestellt und muss sich auf ihre Fähigkeiten verlassen. Männer spielen in ihrem Leben keine Rolle mehr.

Eine moderne Robinsonade

Ähnlich wie bei Robinson Crusoe, versucht hier auch die Erzählerin, ihr Leben allein, im Einklang mit der Natur zu meistern. Aber anders als bei Crusoe, endet „Die Wand“ nicht mit einer freundlichen Begegnung eines weiteren Menschen, sondern mit einer Katastrophe. Marlen Haushofer schildert nüchtern zwei Jahre im Leben der Erzählerin, die von der unsichtbaren Wand von der Außenwelt abgeschirmt wird. Dabei wird schnell klar, dass es hier nicht um langes Grübeln geht, sondern darum, den Alltag zu bewältigen und nicht verrückt zu werden. Dies meistert die Erzählerin mit viel Arbeit. Denn würde sie tagtäglich über all das nachdenken, was ihr gerade geschieht, würde sie das wohl an den Rand ihres Verstandes treiben.

 

Marlen Haushofer
Die Wand
List Taschenbuch Verlag
9,20 €

 

http://www.youtube.com/watch?v=X9lvpEGYqe0

Christina Schügerl

Christina Schügerl | Redakteurin

christina.schuegerl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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