BÜCHERBÖRSE

Die tägliche Mühseligkeit des Bahnverkehrs

Im Sarg nach Prag Piper Verlag
Im Sarg nach Prag

Kennt ihr jemanden, der professioneller Schwarzfahrer ist?
Kennt ihr seine Geschichten? Seine vielen Ausreden? Seine Methoden?
Nein? Dann hätte ich da jemanden, den ich euch gerne vorstellen würde:
Matthias Kopetzki - professioneller Schwarzfahrer mehr ein Jahrzehnt lange und keinesfalls zu scheu, darüber zu berichten

In Doppeldeckerzügen spielt er Katz und Maus

„Im Sarg nach Prag“ – so heißt das amüsante und kurzweilige Werk von Kopetzki, in dem er von seiner Karriere als Schwarzfahrer erzählt, natürlich rein berufsbedingt, weil die Gage als Schauspieler für ihn immer sehr dürftig ausfiel und er aber mehrmals wöchentlich zu Castings fahren musste. 

Gelernt hat der freche junge Autor von einem Schwarzfahrer-Kollegen, den er über mehrere Wochen hinweg beobachtete. Seit diesem Zeitpunkt betrachtet er das Schwarzfahren als Spiel, das den individuellen Gerechtigkeitssinn herausfordert, als Bürgerwehr, politisches Statement und persönliche Philosophie. Stets versucht er fortan, die Gutmütigkeit nicht ganz so durchsetzungsfähiger Schaffner zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Man muss lernen, sich im richtigen Moment unsichtbar zu machen!

Besonders Doppeldeckerzüge hat der Autor gerne, denn aufgrund beider Stockwerke ist es leichter, dem Schaffner zu entkommen und die Bahn so mit ihrer eigenen Architektur zu schlagen. Ansonsten muss man lernen, sich unsichtbar zu machen – etwa durch das Verstecken auf der Toilette, im Gepäcksraum oder sogar, wie beispielsweise bei einer Fahrt durch Tschechien, in einem Sarg. 

Diese Taktiken verhelfen Matthias Kopetzki schließlich dazu, ohne Geld oder Ticket sogar im teuersten Zug Deutschlands zu fahren und interessante Abenteuer im ICE, dem „Jaguar unter den Fernzügen“ zu erleben.

Die ausgefeilte Form der Schwarzfahrerfolter

Im Anschluss an seine Erzählungen und Abenteuer stellt der Autor schließlich noch einen Schwarzfahrer-Guide für Dummies zur Verfügung, beantwortet die wichtigsten Fragen an einen Fernreiseschwarzfahrer, erläutert die Wichtigkeit, über Personalwechsel und Zwischenstops Bescheid zu wissen und erklärt, auf welche Merkmale man bei der Kontrolleurs-Körpersprache zu achten hat. 

Natürlich sollen seine Tipps und Tricks keinesfalls zum Nachahmen anregen. Kopetzki schafft mit seinem Werk „Im Sarg nach Prag“ einfach nur eine sehr unterhaltsame Reise quer durch die Hürden des Lebens eines Schauspielers und was er unternimmt, um damit zurechtzukommen.  
Kurzum: Abenteuerlich und amüsant – erst Recht beim Lesen in der U-Bahn oder im Zug ☺

 

Buchinfos

Matthias Kopetzki
Im Sarg nach Prag
Piper-Verlag
9,30 Euro

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

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