BÜCHERBÖRSE

J.K.Rowling und ihr plötzlicher Leistungsabfall

J.K.Rowling: Ein plötzlicher Todesfall (c) Carlsen Verlag
J.K.Rowling: Ein plötzlicher Todesfall

J.K. Rowling ist wieder da! „Ein plötzlicher Todesfall“ heißt der lang erwartete Roman für Erwachsene. So  lesenswert wie Rowlings erfolgreiche Harry-Potter-Reihe ist er aber nicht, ganz im Gegenteil.

„Barry Fairbrother wäre lieber zuhause geblieben.“ So lautet der erste Satz des Buches, in dem der „plötzliche Todesfall“ von Gemeinderatmitglied Barry Fairbrother die Bewohner des kleinen englischen Dorfes mit dem Namen Pagford schockiert.

Fairbrothers Tod bedeutet jedoch nicht nur den Verlust eines beliebten Mannes sondern auch einen vakanten Sitz im Gemeinderat. Der Kampf um eben diesen Sitz löst die größte Auseinandersetzung aus, die das Dorf je erlebt hat.

Der erste Punkt, an dem das Buch zu kritisieren ist, ist der Titel, denn er impliziert EINEN Todesfall und nicht jene zwei weiteren, die auf Seite 534 und 550 folgen. Plötzlich sind die Todesfälle übrigens auch nicht, sondern vorhersehbar und meiner Meinung nach zu melodramatisch.

Die Thematiken wie Drogenkonsum und Prostitution sowie die Charaktere sind zu Stereotypen verkommen.
Auch Rowlings sprachliches Niveau ist gesunken, denn ihre Wortwahl, die in Harry Potter noch so magisch und schwungvoll wirkte, ist in diesem Text  flach und holprig.

Das Wie ist, meiner Ansicht nach, ebenso schrecklich wie das Was. Rowling schreibt mit „Ein plötzlicher Todesfall“ eine deftige, miese Geschichte, in der grausame Akteure agieren und die ein hässliches Ende findet.

Beim Lesen kommt man sich vor, wie jemand, der einen Autounfall beobachtet: Die Handlungen der Akteure sind so fürchterlich, sogar widerlich, dass man das Buch am liebsten zuschlagen würde, doch man kann nicht. Die Neugier überwiegt. Man will wissen wie es weitergeht, welche Gemeinheiten noch kommen, ob der größte Schreck schon ausgestanden ist.

Rowling scheint mit ihrem Buch an den Voyeurismus der Menschen zu appellieren, warum sie dazu jedoch unbedingt ein Buch für Erwachsene schreiben musste, ist mir unklar.

Julia Kreuzer

Julia Kreuzer | Redakteurin

julia.kreuzer (ät) unimag.at

Studiert Kultur - und Sozialanthropologie an der Uni Wien

Liebt es anderen Ratschläge und Tipps zu geben, kennt die Lösung ihrer eigenen Probleme aber nur selten

Hasst Beistriche und Doppel S fast genauso sehr wie Zahlen

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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