BÜCHERBÖRSE

Was ist ein gutes Traineeprogramm?

Traineeprogramm ist nicht Traineeprogramm – unter den Anbietern gibt es auch schwarze Schafe. Kriterien für ein gutes Programm sind unter anderem die Tätigkeit in verschiedenen Fachbereichen, die Betreuung durch einen Mentor und auch das Traineegehalt.

© shironosov - istock

Ein Traineeprogramm soll auf eine Führungsposition im Unternehmen vorbereiten, seine Inhalte müssen folglich darauf zugeschnitten sein. Trotzdem gibt es immer wieder Beispiele, dass Firmen Traineestellen ausschreiben, die diese Anforderung nicht erfüllen, sondern eher einer Assistenz oder einem Praktikum entsprechen. Wer solche Angebote annimmt, landet möglicherweise auf einer Vollzeitstelle ohne Ausbildungsprogramm und erhält dafür nur einen Dumping-Lohn. Eine abteilungsübergreifende Ausbildung auf hohem Niveau, Mentoren, die den Trainee auf diesem Weg begleiten, ein angemessenes Gehalt und Perspektiven sind jedoch die Kriterien für ein hochwertiges Traineeprogramm.

Kriterium No. 1: Auswahlverfahren, Ausbildungsinhalte, Perspektiven

Die Bewertungskriterien für ein gutes Traineeprogramm fangen mit dem Auswahlverfahren an. Die Firmen bilden im Rahmen der Programme ihren Führungsnachwuchs aus – entsprechend wichtig ist, dass sie dafür die richtigen Kandidaten finden. Eine kurze, schnelle Bewerbung mag für ein Praktikum angemessen sein – für ein Traineeprogramm ist sie es nicht. Das Bewerbungsverfahren ist mit der Bewerbung für einen Direkteinstieg in den Job identisch. Die meisten Unternehmen prüfen vor der endgültigen Entscheidung ihre künftigen Trainees außerdem in einem Assessment Center.

Die vorgesehenen Ausbildungsinhalte sollten nicht nur im Bewerbungsgespräch, sondern auch bei der Gestaltung des Traineevertrages eine Rolle spielen. Zwar werden Trainees in den Abteilungen, in denen sie tätig werden, bereits als vollwertige Mitarbeiter angesehen und beschäftigt: Sie werden in das Tagesgeschäft des jeweiligen Teams integriert, wirken an Projekten mit und bekommen eigene Projekte übertragen, die sie eigenverantwortlich zu Ende führen. Mit allen Stationen des Programms ist jedoch auch ein Ausbildungseffekt verbunden.

Bei einem guten Traineeprogramm sind auch von vornherein die Perspektiven klar: Bereits im Bewerbungsverfahren werden mögliche Positionen im Unternehmen angesprochen, die den Absolventen der Programme nach deren Ende offenstehen. In der Regel geht es dabei um eine Führungsposition im unteren oder mittleren Management. Beispielsweise kann ein Traineeprogramm auf eine Stelle als Produkt-, Marketing- oder Vertriebsmanager vorbereiten. Die Ausbildung dient auch dazu, Talente zu "entdecken", zu entwickeln und zu fördern – sehr wahrscheinlich zeigt sich während des Programms, welcher Fachbereich und welche Arbeitsfelder dem Trainee am meisten liegen.

Kriterium No. 2: Stationen und Dauer des Programms

Die meisten Traineeprogramme dauern zwölf bis 24 Monate. Bei einigen großen Unternehmen, beispielsweise der Allianz Versicherung, sind für die Programme sogar 36 Monate vorgesehen. Während dieser Zeit durchläuft der Trainee verschiedene Abteilungen der Firma und lernt deren Fachbereiche, Abteilungen und Organisationsstrukturen kennen. Studien zeigen, dass Trainees während eines typischen Programms in mindestens fünf Abteilungen des Unternehmens tätig sind und dort jeweils für neun bis zwölf Wochen bleiben. Ziel der Programme ist, dass die Absolventen lernen, abteilungsübergreifend zu agieren und zu denken – in einer späteren Tätigkeit als Führungskraft werden sie nur dann erfolgreich sein, wenn sie in der Lage sind, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Zum Teil wird Trainees gegen Ende der Ausbildung bereits Führungsverantwortung übertragen. Sofern das Unternehmen Niederlassungen im Ausland hat, ist oft auch ein Auslandsaufenthalt Bestandteil des Traineeprogramms.

Neben Allround-Programmen gibt es auch fachspezifische Traineeausbildungen, die darauf abzielen, Experten für bestimmte Aufgaben und Fachgebiete zu entwickeln. In den Unternehmen spielen diese Programme eine immer größere Rolle, übrigens nicht nur in technischen Arbeitsfeldern, sondern auch im Vertrieb oder im Marketing. Auch hier geht es jedoch grundsätzlich um einen "weiten Horizont" und folglich mehrere Stationen.

Kriterium No. 3: Mentorship und Training "off the job"

© Jena_Velour - istockNormalerweise sehen die Unternehmen für Trainees eine besondere Betreuung vor. Neben der fachlichen Einarbeitung durch Kollegen und Vorgesetzte in den verschiedenen Abteilungen haben Trainees meist auch einen festen Ansprechpartner in der Personalabteilung. Oft steht ihnen außerdem ein Mentor mit seinem fachlichen Rat und sozialer Kompetenz zur Seite – in der Praxis wird diese Rolle oft von gestandenen Führungskräften übernommen.

Im Fokus einer Traineeausbildung steht ein praxisorientiertes und abteilungsübergreifendes Programm, bei dem Trainees sowohl das operative Geschäft als auch die strategische Planung des Unternehmens kennenlernen. Ebenso wichtig ist jedoch das Training "off the job". Kein gutes Traineeprogramm kommt ohne Workshops, Schulungen und Seminare aus, in denen die künftigen Manager nicht zuletzt ihre Soft Skills sowie ihre Führungsqualitäten entwickeln sollen. Ein typischer Bestandteil guter Traineeprogramme sind außerdem Netzwerkveranstaltungen, in denen die Trainees die Fach- und Führungskräfte ihrer Firma sowie externe Partner – beispielsweise Agenturen – persönlich kennenlernen.

Kriterium No. 4: Gehalt

Bei einem guten Traineeprogramm sind Dumpinglöhne ausgeschlossen. Angebote für eine Traineeausbildung, bei denen das Unternehmen nur eine bessere Praktikantenvergütung zahlen will, können als unseriös betrachtet und von vornherein verworfen werden.

Zwar sind die Gehälter von Trainees meist etwas niedriger als das Einstiegsgehalt von Direkteinsteigern, da die Unternehmen mit den Programmen auch in die Ausbildung ihrer zukünftigen Führungskräfte investieren und Trainees später meist besonders gute Gehaltsaussichten haben – jedoch sollte die Differenz maximal 15 Prozent betragen.

Natürlich spielt bei den Traineegehältern auch die Branche eine Rolle, die höchsten Gehälter für Trainees zahlen Banken, Versicherungen sowie die Pharmaindustrie. Die Experten des Portals „Absolventa" geben jedoch auch eine absolute Untergrenze an: Ein monatliches Traineegehalt unter 2.500 Euro ist den Aufgaben und dem Profil der Management-Anwärter demnach nicht mehr angemessen.

Kriterium No. 5: Übernahmequote

Ein Indiz für die Qualität und Seriosität eines Traineeprogramms ist auch die Übernahmequote. Zwar erhalten Trainees meist nur einen befristeten Arbeitsvertrag für die Dauer des Programms. Aufgrund der hohen Investitionen in eine echte Traineeausbildung sind die Unternehmen jedoch an einer Übernahme erfolgreicher Trainees sehr stark interessiert.

 

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