BÜCHERBÖRSE

Die Rolltreppe rollt, the escalator escalates

Die Rolltreppe rollt wieder (c) Katarzyna Makusz
Die Rolltreppe rollt wieder

"Excuse me, what is going on here?" fragt uns eine lächelnde, leicht verwirrte Frau. Es war kurz vor 19 Uhr und der Raum vor dem Ausgang Liechtensteinstraße war voll von Menschen. Als wir ihr erklärt haben, dass es sich um die Eröffnung von der Rolltreppe handelt, ist ihr Lächeln sogar noch breiter geworden: "Oh, great! It’s worth it, it wasn’t working the whole year!"

DAS Event, auf dem überraschenderweise doch keine 15.029 Gäste erschienen sind, hat mit einer inspirierenden Rede vom Herrn Winer und dem Pressesprecher der Wiener Linien angefangen. Fans, Presse, Fotos, Live-Übertragung, Scheinwerferlichter, Smartphones, Ruhm und Ehre. Später sogar Autogramme. Nach dem großen Schrei "ROLL-TREPPE, ROLL-TREPPE" wurde dann feierlich das Eröffnungsband durchgeschnitten und mit dem Ausruf "Man bringe den Spritzwein!" hat die angesagteste Rolltreppe Wiens zu rollen begonnen. (Spritzwein war es dann aber doch nicht. Bier war der König der Nacht, sogar Sekt in schicken Gläsern wurde gesichtet, Spritzwein ist leider nicht so aufgefallen, Anm. d. Red.)

Die Rolltreppenliebhaber durften dann ihr Lieblingsverkehrsmittel besteigen. Der Andrang war enorm. Es ist noch unsicher, ob alle das Fahrsicherheitstraining erfolgreich absolviert haben, es gab aber keine Unfälle. Mit geschenkter Schokolade und Zuckerl gestärkt, vor Aufregung zitternd, haben die mutigen Wiener und extra für diese Veranstaltung Angereiste diese abenteuerliche Fahrt auf sich genommen. Die Rolltreppe wurde zum richtigen Catwalk (Catride?) der Wiener Öffi-Szene und wahrscheinlich das meistfotografierte und meistgeteilte Verkehrsmittel des Abends.

Alles ist anscheinend nach Plan gelaufen und es hat tatsächlich eskaliert – vom anfänglichen nervösen "weitergehen, weitergehen, weitergehen" zum "wegen einer Demonstration halten die Züge der Linie U2 die Station Schottentor nicht ein". Die Station wurde gesperrt und von der Polizei umgegeben, die dann nach einiger Zeit manche Feiernde wegen Herumstehen angezeigt hat. Schlussendlich hagelte es rund 100 Anzeigen, hauptsächlich wegen Anrainer-Beschwerden.

Was bleibt uns nach diesem unvergesslichen Abend? Verrückte Erinnerungen, Selfies, Fotos von der Menschenmenge und der Rolltreppe selbst, Videos, TV-Beiträge, Memes, Insider-Jokes, die niemand sonst versteht, sogar ein Gedicht… und wahrscheinlich ein heftiger Kater. So einen Anlass gibt es aber recht selten und man muss die Feste feiern wie sie fallen – auch wenn sie scheinbar noch so sinnlos sind. Denn wann hatte eine gute Party jemals einen rein rationalen Sinn?

 

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