BÜCHERBÖRSE

Risen 2: Piraten kapern Konsolen

Risen 2
Risen 2

Wir sind auf Beutefahrt gegangen und haben die Konsolen-Portierung von „Risen 2: Dark Waters“ getestet.

 

Düstere Burgen, finstere Verliese und Ritter in strahlenden Rüstungen: Fans von Fantasy-Rollenspielen werden meist mit einem mittelalterlichen Setting bedient. Umso löblicher ist es, dass das deutsche Entwicklerstudio Piranha Bytes, das in der Vergangenheit für die Genre-Perlen der „Gothic-Serie“ verantwortlich zeichnete, sich in seinem Piraten-Epos in weitestgehend unbekannte Gewässer vorwagt. Nachdem „Risen 2: Dark Waters“ bereits Ende April für PC erschienen war, folgte nun vor kurzem der Sprung auf Playstation 3 und X-Box 360.

Kampf der Titanen

Storytechnisch knüpft „Risen 2: Dark Waters“ einige Jahre nach der Handlung des Vorgänger-Titels an: Um Schutz vor dem Kampf der Titanen Ismael und Ursegor zu finden, haben sich die Bewohner der Alten Welt in die Hafenstadt Caldera zurückgezogen. Zusätzliches Kopfzerbrechen bereitet den wenigen Überlebenden der gewaltige Krake der Titanen-Göttin Mara, der die Versorgungswege zu der belagerten Stadt abschneidet. Auch der namenlose Held aus dem ersten Teil hat sich in dieser letzten Zufluchtsstätte verkrochen, wo er sich der Trostlosigkeit des nahenden Untergangs und – wie es Piraten eben so machen – gehörig dem Rum hingibt. Einen Ausweg aus dem Schlamassel soll eine mystische Waffe schaffen, die auf einer der Inseln der Neuen Welt versteckt sein soll.


risen2-all-all-screenshot-115Pirates of the Ruhrgebiet

Was dieser tristen Ausgangssituation folgt, ist ein überraschend stimmiges Piratenabenteuer, das mit Charme und Unbeschwertheit überzeugt: Zwar bleibt die Handlung von „Risen 2: Dark Waters“ größtenteils durchschaubar und verzichtet auf große Überraschungen, dafür entschädigen aber der Humor und die Liebe zum Detail, mit der diese vorangetrieben wird. Wenn man auf der Jagd nach vergrabenen Schätzen von Insel zu Insel segelt, sich mit zwielichtigen Gestalten duelliert oder sich auch nur in einer Piraten-Spelunke ein Fass Rum genehmigt, fühlt man sich angenehm an Disney’s „Fluch der Karibik“ erinnert. Zahlreiche Mini-Games vom beinahe schon banalen Knacken von Schlössern bis zum beliebtestem Piraten-Zeitvertreib, dem Wettsaufen, sorgen neben den für das Genre üblichen Side- und Hauptquests für Abwechslung und verleihen dem rauen Freibeuter-Ambiente zusätzliche Tiefe. Dabei legt „Risen 2: Dark Waters“ einen gewagten Tanz auf der Planke hin und balanciert zwischen sympathischem Ruhrpott-Charme und Seefahrer-Romantik á la Robert Louis Stevenson. Eine etwas gewagte Mischung, die aber nicht nur für das deutsche Publikum durchaus seinen Reiz hat.

Aller Anfang ist schwer

Spielerisch hat Piranha-Bytes dann aber doch auf Altbewährtes gesetzt: Erschlagene Monster und erledigte Quests füllen das Bank- und Erfahrungspunktekonto, was Zugang zu besserer Ausrüstung und Skills verschafft. Zu Beginn ist das System jedoch etwas unausgewogen, sodass das Aneignen der Basisfertigkeiten und die Akquisition einer halbwegs vernünftigen Ausrüstung ohne lästige Sammelarbeit und minutiösen Absolvieren aller Sidequests fast unmöglich ist. Das erschwert den Einstieg ins Freibeuter-Leben zunächst enorm und verlangt dem Spieler zu Beginn einiges an Geduld ab. Sind die ersten paar Spielstunden allerdings erst einmal geschafft, spielt sich „Risen 2: Dark Waters“ flüssig. Eine Ausnahme bildet das Kampfsystem: Während Gefechte mit menschlichen Gegnern zwar einwandfrei von der Hand gehen und dank der Kombination von Schwertern und Pistolen auch taktischen Spielraum freilassen, werden Scharmützel mit Kreaturen wie Wildschweinen oder Riesenspinnen mangels einer Möglichkeit, Angriffe zu parieren, zu einem reinen Ausdauertest und dumpfen Knöpfedrücken.


risen2-all-all-screenshot-001Portierung mit Hindernissen

Die Schauplätze des Südsee-Spektakels hat Piranha Bytes nicht nur mit viel Liebe zum Detail, sondern auch grafisch äußerst ansprechend gestaltet: Die verbesserte Grafik-Engine zaubert eine wunderschöne karibische Landschaft, in der sich weiße Sandstrände mit dichtem Dschungel abwechseln, auf den Bildschirm. Die Sprecher der witzigen Dialoge machen es leicht, sich in das Abenteuer einzuleben, und der gelungene Soundtrack trägt seinen Teil zu der dichten Atmosphäre bei. Allerdings leidet die Playstation-3-Version unter deutlich wahrnehmbaren Grafik-Rucklern und Clipping-Fehlern, die dem Piraten-Spaß etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Zudem sind die Texte viel zu klein geraten und selbst bei dichtem Abstand zum Fernseher nur schwer zu lesen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Fehler noch per Patches behoben werden.


Fazit
„Risen 2: Dark Waters“ hat einige Mängel: Das hölzerne Kampfsystem, die unspektakuläre Haupthandlung und die fehlerhafte Grafikdarstellung dämpfen den Spielspaß spürbar. Doch seine erfrischenden Ideen, sein fantasiereiches Setting und sein sympathischer Charme retten das Piraten-Abenteuer nicht nur vor dem Absaufen, sondern lassen auch gerne ein Auge zudrücken. Wer „Gothic“ gerne gespielt hat, wird „Risen 2: Dark Waters“ lieben.

Dominik Brand

Dominik Brand | Redakteur

dominik.brand (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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