BÜCHERBÖRSE

Darksiders 2: Das Spiel mit dem Tod

Darksiders II Guardian
Darksiders II Guardian

Ein todsicherer Tipp: Wir haben selbst die Sense in die Hand genommen und sind in die Kutte des Knochenmanns geschlüpft.

Für die meisten Gamer ist der Tod ein ständiger Begleiter: Als ultimativer Gegner symbolisiert er das Scheitern des Spielers und führt die eigenen Unzulänglichkeiten demonstrativ vor Augen. Wenn Lara Croft schreiend eine Klippe hinunterstürzt, Mario von Bowser geplättet wird oder Link im Wassertempel ertrinkt, dann ist er es, der gewinnt. Gleichzeitig motiviert er zu neuen Versuchen – so lange, bis es eben klappt, denn kein „Game Over“ ist wirklich endgültig. Meist hält sich der Tod allerdings als stiller Antagonist im Hintergrund. Im kürzlich erschienen „Darksiders 2“ von Vigil Games ist das allerdings anders: Hier darf der Spieler selbst zur Sense greifen und Seelen ernten.

Tod und Krieg

Während man sich im ersten Teil der „Darksiders“-Serie noch als der Apokalyptische Reiter Krieg mit den Folgen des verfrüht ausgelösten Jüngsten Gerichts und dem daraus resultierenden Chaos zwischen Himmel, Erde und Hölle herumschlagen musste, übernimmt nun also der Sensenmann das Ruder. Sein ambitioniertes Ziel: die Weste seines Bruders, der sich für diesen folgenschweren Irrtum verantworten muss, reinzuwaschen. Geschehen soll das, indem die Menschheit wieder zurückgebracht und der Weltuntergang rückgängig gemacht wird. Man merkt: Die Story von „Darksiders 2“ hält sich nicht gerade mit Kleinigkeiten auf. Dass es ausgerechnet der Tod ist, der letztendlich das Leben auf die ausgelöschte Erde zurückbringen soll, ist story-technisch ein eleganter Schachzug und sorgt neben der ungewöhnlichen Perspektive für eine interessante Ausgangssituation. Leider kommt das Geschehen ab hier nur stockend ins Rollen, wesentliche Entwicklungen im Plot sind rar gesät und echte Überraschungen warten erst am Ende der 20-30 Stunden langen Kampagne.

darksiders ii faceoffDüstere Welten und befremdliche Dimensionen

Vielmehr entwickelt sich „Darksiders 2“ schnell zu einer nur durch eine grobe Kette von Hauptquests verbundenen Reise durch düstere Welten und befremdliche Dimensionen. Dabei gerät das eigentliche Ziel zwar nie ganz aus den Augen, aber sonderlich motivierend sind die zu kleinen Story-Häppchen auch nicht. Schade ist zudem, dass der Spieler zwar in die Rolle des Tods schlüpft, dieser aber wie jeder andere das Zeitliche segnen kann. Weitaus spannender wäre es gewesen, wenn die Entwickler hier dem Leitthema ihres durchaus interessanten „Helden“ treu geblieben wären. Innovativ hingegen ist die Präsentation der Charaktere und Orte, auf die Tod im Laufe seines Abenteuers trifft, ausgefallen: Der Comic-Zeichner Joe Madureira („Uncanny X-Men“, „Spectacular Spider-Man“) gab mit seinem Artwork hier die Richtung vor und sorgte so für einen ganz eigenen optischen Stil, den man in Computer-Spielen nicht oft zu sehen bekommt. Die gelegentlich verwaschen wirkenden Texturen trüben die Freude an dieser erfrischend anders anmutende Optik nur wenig.

Kratos und der Prinz

Im krassen Gegensatz dazu steht das eigentliche Gameplay von „Darksiders 2“: Wenn sich Tod effektreich wie Kratos in „God of War“ durch riesige Gegnerhorden metzelt, flink wie der Prinz aus „Prince of Persia“ Wände hinaufklettert und gerissen wie Link aus „The Legend of Zelda“ durch Dungeons rätselt, dann bekommt man den Eindruck, eine Art „Frankensteins Monster“ aus den Videospiel-Perlen des letzten Jahrzehnts zu spielen. „Darksiders 2“ bedient sich teilweise unverschämt offen an Kampf- und Bewegungssystem sowie genereller Spielmechanik seiner großen Vorbilder. Das macht es - zugegebenermaßen – durchgehend gut und auf unterhaltsame Art und Weise. An die ehrwürdigen Altmeister kommt es dann aber doch nicht heran. Die offene Welt ist vollgestopft mit Dungeons und Höhlen, die in waghalsigen Kletter-Einlagen erkundet werden wollen, das Kampfsystem sieht eine Unzahl an freischaltbaren Manövern und Waffen vor, die Rätsel sind fordernd, ohne zu frustrieren – und doch fehlt „Darksiders 2“ in all diesen Disziplinen die Originalität und der Mut zum Ungewöhnlichen, um vollauf zu begeistern. Das ist allerdings Kritik auf hohem Niveau, denn die Tour des Sensenmanns durch das post-apokalyptische Setting macht auf jeden Fall Spaß und wird auch nach längerer Spielzeit nicht langweilig.

darksiders ii despairAsche und Verzweiflung

Ein Grund dafür ist, dass man für seinen Fortschritt konsequent belohnt wird. Dass Vigil Games ein sehr gut ausbalanciertes Ausrüstungssystem integriert hat, ist zweifelsohne die größte und sinnvollste Neuerung gegenüber dem ersten Teil. Die Jagd nach neuen Rüstungen sowie Haupt- und Zweitwaffen beschert immer wieder kleine Glücksgefühle. Dass Teile des weitläufigen Areals mangels passenden Equipments wie Enterhaken und Co. nicht sofort nach Auffinden, sondern erst später im Spielverlauf betreten werden können, reizt den Entdecker- und Forschergeist auf angenehme Weise. Unterstützt wird Tod dabei nicht nur von seinem Pferd „Verzweiflung“, sondern auch durch den Raben „Asche“, der per Knopfdruck den richtigen Weg weist. Wer sich trotzdem verirrt oder einfach nur lange Wegstrecken verkürzen möchte, kann dies bequem und zweitsparend per Schnellreise-Funktion tun.

Fazit

„Darksiders 2“ erfindet das Rad nicht neu. Tatsächlich ist es gerade das Gameplay, das ein ständiges Gefühl des Déjà-vus erzeugt. Dafür bietet es eine Unmenge an Dungeons, Ausrüstungsgegenständen und Skills, die erkundet werden wollen und langen Spielspaß mit vielen Aha-Effekten garantieren. Arena-Kämpfe, ein Game-Plus-Modus und die Jagd nach jeder der unzähligen Schatzkisten verlängern diesen noch. Wer auf Originalität nicht allzu viel Wert legt, wird in „Darksiders 2“ einen äußerst effektiven Zeittöter finden.

Dominik Brand

Dominik Brand | Redakteur

dominik.brand (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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