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Borderlands 2: kracht und macht es besser

  • geschrieben von Gerald Binder
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Borderlands 2 ist für PC, Playstation 3, XBox-360 erhältlich FOTO: 2K GAMES
Borderlands 2 ist für PC, Playstation 3, XBox-360 erhältlich

Der schräge Shooter mit Rollenspiel-Einschlag geht in die nächste Runde. Ein Ausflug nach Pandora bleibt auch weiterhin ein lohnender Zeitvertreib mit hohem Suchtfaktor.

2009 brachte Gearbox mit Borderlands den Überraschungshit des Jahres. Ein Western-Shooter auf einem fremden Planeten, der eigentlich ein Rollenspiel ist und mit einer schrägen Welt, genialem Koop-Modus, Comic-Look und einer „Bazillion“ zu sammelnder Schusswaffen aufgewartet hat. Die extrem actionreiche Mischung funktionierte so gut, dass es nun Zeit wurde für eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger in so ziemlich jeder Hinsicht übertroffen hat.

Ein „handsome“ Tyrann

Eine Schwäche des ersten Teils lag in der mageren Story des Hauptspiels. Um die eher lieblos dahinplätschernde Schatzsuche nach einer sagenumwobenen „Kammer“ auf dem trostlosen Planeten Pandora hat man sich als Spieler trotz schrägem Humor und einigen guten Momenten im weiteren Spielverlauf nur eher wenig geschert. Erst mit den veröffentlichten DLCs wurde es so richtig abgedreht - dank verrückter neuer Charaktere und des coolen Settings.

Nach den Ereignissen von Borderlands hat sich so manches auf Pandora getan: Die Öffnung der Kammer am Ende des Spiels brachte ein

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wertvolles Alien-Mineral zu Tage und hat viele Leute angelockt - unter anderem auch die Hyperion Coperation, deren Anführer der fiese  Handsome Jack ist. Er hat Pandora in seine Gewalt gebracht und nun liegt es am Spieler, wieder die Rolle eines neuen „Kammer-Jägers“ zu übernehmen und Handsome Jack das Handwerk zu legen. Unter Jacks Widersachern treten unter anderem auch die vier wiederkehrenden Spielcharaktere des ersten Teils auf - allerdings nur als NPCs. Auch andere bekannte Borderlands-Figuren wie Mad Moxxi, Dr. Zed und natürlich Claptrap sind wieder mit von der Partie. Selbstverständlich kommen auch einige neue Gesichter dazu, die den bekannten Charakteren in puncto Abgedrehtheitsfaktor und Zynismus um nichts nachstehen.

Gearbox hat aus seinen Fehlern gelernt und sich mehr ins Zeug gelegt, um die Geschichte von Anfang an in einem höheren Tempo zu erzählen als noch im ersten Teil. Auch der schwarze Over-The-Top-Humor ist natürlich wieder da und sorgt schon in den ersten Minuten für Lacher. Grafisch ist der Cell-Shading-Look erhalten geblieben. Erinnerte Pandora jedoch im Vorgängerteil noch größtenteils an eine Kreuzung aus einer Wüste mit einem Schrottplatz, bekommt man in der Fortsetzung bunteres Terrain zu sehen: Wiesen, Flüsse, Wasserfälle und verschneite Tundra bringen die nötige optische Abwechslung.

 

bl2 tinyteapartyPandoras neue Helden
Als Protagonisten des Spiels wählt man aus vier neuen Charakteren, die sich allerdings jeweils an einer der Klassen aus dem Vorgänger orientieren und von denen jeder auch wieder einen einzigartigen „Action-Skill" hat. Da gibt es z.B. den Assassinen Zer0, der sich unsichtbar machen kann und mit seinem Schwert zusticht, aber sich mit den entsprechend aufgelevelten Talenten auch zu einem treffsicheren Sniper mausert. Die Spezialisierung auf Scharfschütze war ein typischer Talentbaum des Jäger-Charakters Mordecai aus dem Vorgänger. Die Sirene Maya teilt ihre Klassenbezeichnung mit ihrem Äquivalent aus Teil eins, hat aber eine andere Spezialfähigkeit: Der coole „Phaselock“ kann Gegner wehrlos in der Luft schweben lassen. Dann gibt es da noch den „Gunzerker“ Salvador, der dank seines Action-Skills zwei Knarren gleichzeitig halten kann und zu guter Letzt den tragbaren und aufrüstbaren Geschützturm des „Commandos“ Axom. Neu bei der Erstellung des Charakters ist die optische Individualisierung des eigenen Helden: Dinge wie Kopfbedeckungen oder Frisuren sowie die Kleidungsfarbe sind einstellbar. Zwar ist dies im Umfang bei weitem nicht zu vergleichen mit Genre-Konkurrenten wie „Skyrim“, aber es ist eine nette Art, seinem Recken zumindest ein wenig den eigenen Stempel aufzudrücken.


Baller-Rollenspiel
Im Kern bleibt „Borderlands 2“ trotz Ego-Shooter-Perspektive ein Rollenspiel, auch wenn Treffsicherheit gegen die Unmengen an Gegnertypen wie durchgeknallte Banditen, Roboter und die auf Pandora heimische mörderische Fauna nicht verkehrt ist. Es wird also genretypisch Erfahrung gesammelt und im Level aufgestiegen. Charakterspezifische Fertigkeiten sowie Statuswerte wie Angriff und Verteidigung lassen sich so verbessern, ebenso wie der bereits oben erwähnte Action-Skill. Verbesserte Kleinigkeiten gegenüber dem Vorgänger wie eine eingeblendete Mini-Map und übersichtlichere Menüführung fallen schnell auf. Auch die bewaffneten Fahrzeuge sind wieder mit von der Partie und sorgen erneut für flinke Fortbewegung, aber ebenso für das bekannte Balancing-Problem: Viele Gegner fahren wir einfach um bevor wir uns die Mühe machen, Waffen des Vehikels oder aus unserem Inventar einzusetzen.


bl2 roadrageA „Bazillion“ Guns!
Apropos Waffen: Standbein von Borderlands 2 bleiben wieder die zufällig generierten Unmengen an Pistolen, Maschinengewehren, Raketenwerfern, Scharfschützengewehren & Co., die es in Truhen, Schränken und bei erledigten Gegnern zu finden gibt. Knarren mit Rollenspiel-typischen Boni wie extra viel Schaden, schnelleres Nachladen, Elementar-Schaden o.ä. sorgen für Motivation. Wie in der „Diablo“-Reihe verliert man sich schnell in der Suchtspirale der Jagd nach der besten Waffe, denn die seltenen Wummen mit verbesserten Statuswerten sind natürlich effektiver und wertvoller als die normalen. Zu toll ist das Gefühl, wenn man am Schlachtfeld nach Dutzenden von mühsam mit der 08/15-Pistole geplätteten Gegnern die schnellfeuernde Superschrotflinte mit extra starkem Elektroschaden findet und sie genau dem eigenen Spielstil entspricht, als dass man sich nicht diebisch darüber freuen würde. Auch Granaten lassen sich mit Modifikationen etwa in Splittergranaten mit nützlicher Lebensenergie-Absaugung und Säure-Schadensbonus verwandeln.


Fazit: Mehr von allem!
Die Borderlands haben sich wenig verändert - und doch auch sehr viel. Die Formel ist dieselbe wie beim Vorgänger, das Spielgefühl ebenso, aber das ist nichts Schlechtes. Tonnenweise Waffen, abgedrehte coole Charaktere, eine auch komplett im Koop-Modus durchspielbaren Kampagne (im Split-Screen-Modus oder online) und eine gewaltige Portion Augenzwinkern zeichnen die Comic-Grafik-Ballerorgie erneut aus und machen gewaltig Spaß. An den Schwächen des ersten Teils wurde (fast) überall gefeilt. Man kann also bedenkenlos zugreifen und wieder zum „Kammer-Jäger“ werden.

 

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