BÜCHERBÖRSE

Bachelor und Master: In der Wirtschaft angekommen?

© iStock – appleuzrIn den Wirtschaftswissenschaften ist der Bologna-Prozess umgesetzt – Absolventen kommen von den Hochschulen als Bachelor oder als Master in die Praxis. Für Führungspositionen ist ein Masterabschluss langfristig die bessere Basis.

Die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge sollte aus Sicht der Wirtschaft vor allem die Mindeststudienzeit verkürzen. Der Bachelor ist ein vollwertiger, berufsqualifizierender Studienabschluss, der bereits nach einer vergleichsweise kurzen Regelstudienzeit erworben wird. Die Arbeitgeber stehen dem inzwischen nicht mehr völlig neuen System grundsätzlich positiv gegenüber – die frischgebackenen Bachelors sind begehrte Arbeitskräfte. Trotzdem ist für Wirtschaftsabsolventen ein Masterabschluss oft die bessere Wahl – langfristig eröffnet er bessere Karrierechancen.

Der Bachelor – in der Wirtschaft akzeptiert

In Großkonzernen stellen Bachelors heute den Großteil der neu eingestellten Hochschulabsolventen. Viele kleinere und mittlere Firmen präferieren in ihrer Einstellungspolitik die Bachelors sogar gegenüber den Masterabsolventen. Schon vor einigen Jahren gaben Personaler und fachliche Vorgesetzte in diversen Befragungen zu Protokoll, dass die formalen Abschlüsse für sie nur eine sekundäre Rolle spielen, wichtiger sind ihnen die fachlichen

Kompetenzen und die sozialen Fähigkeiten von Bewerbern.

Zum Zeitpunkt des Berufsstarts gibt es hier praktisch keine Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterabsolventen. In einer deutschen Studie mit 1.500 befragten Unternehmen gaben 80 Prozent der Personalentscheider an, dass Bachelorabsolventen mit wirtschaftswissenschaftlichem Profil über fundiertes Wissen und Problemlösungskompetenz verfügen, sich gut in neue Fachgebiete einarbeiten sowie Wissenslücken eigenständig erkennen und schließen können. Traineeprogramme für Wirtschaftswissenschaftler stehen heute in so gut wie allen Unternehmen Bachelor- und Masterabsolventen gleichermaßen offen.

Der Master – oft Voraussetzung für eine Führungsposition

Anders sieht es meist im Hinblick auf die langfristigen Karriereperspektiven aus. In vielen Unternehmen wird der Bachelor als akademische Basisqualifikation für operative Tätigkeiten angesehen, für den Aufstieg ins Management ist jedoch irgendwann der Master nötig. Auch für Expertenpositionen – beispielsweise in der strategischen Planung oder im Risiko-Controlling – reichen das Wissen und die Methodenkompetenz aus dem Bachelorstudium nicht aus.

Der reguläre Master oder ein berufsbegleitender MBA werden als Voraussetzung für den nächsten Karriereschritt von den Unternehmen als gleichwertig betrachtet. Wenn die Qualifikation im betrieblichen Interesse liegt, können studierende Mitarbeiter oft mit zeitlicher und/oder finanzieller Unterstützung durch den Arbeitgeber rechnen. Einige größere Unternehmen unterhalten Hochschulkooperationen, die auch ein Master-Programm umfassen.

Foto: © appleuzr / iStock

Universität, Fachhochschule oder Business School?

Zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulabschluss führen mehrere Wege. Entsprechende Studiengänge gibt es an Universitäten, Fachhochschulen und privaten Business Schools. Für deine Auswahl sollte das Profil der Hochschule den Ausschlag geben.

Universitäten bieten ein Hochschulstudium mit theoretisch-wissenschaftlichem Anspruch – Fachhochschulen sind etwas für Praktiker, allerdings muss erst eine Aufnahmeprüfung absolviert werden – ein Abschluss an einer privaten Business School ist der Königsweg ins Management, allerdings auch einer Elite vorbehalten. So oder ähnlich lauten oft die Einschätzungen der verschiedenen Hochschultypen für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium (und auch viele andere Studiengänge). Richtig daran ist vor allem, dass viele Fachhochschulen durch stärkeren Praxisbezug und größere Wirtschaftsnähe punkten. Die Kosten für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an einer privaten Universität oder Business School lassen sich möglicherweise durch ein Stipendium reduzieren.

© iStock – Peshkova

Besonderheiten der drei Hochschulformen

Die drei Hochschulformen in Österreich weisen einige Besonderheiten auf, die natürlich auch für deine Entscheidung für einen bestimmten wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang eine Rolle spielen:

Staatliche Universitäten

Bis 1994 waren die staatlichen Universitäten die einzige Hochschulform in Österreich, auch heute stehen sie noch an der Spitze der unterschiedlichen Hochschulformen. Das Studium ist theoretischer ausgerichtet als an einer Fachhochschule oder Business School. Freie Forschung und Lehre sind an den Universitäten in den Wirtschaftswissenschaften bisher der Regelfall, zum Teil gibt es jedoch auch Industriekooperationen. Ein Numerus Clausus existiert an den staatlichen Universitäten nicht. Studiengebühren fallen an, wenn die Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester überschritten wird – derzeit betragen sie 363,63 Euro pro Semester.

Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an einer staatlichen Universität ist die erste Wahl für Studienbewerber, die sich während ihrer Ausbildung auch mit wissenschaftlichen Fragestellungen in vertiefter Weise auseinandersetzen wollen.

Fachhochschulen

Fachhochschulen (FH) sind in Österreich seit 1994 zugelassen – ihr Modell einer wissenschaftlich fundierten Berufsausbildung fand sehr schnell hohe Akzeptanz. Sie werden von sogenannten Erhaltern auf privatwirtschaftlicher Grundlage geführt und finanziert, außerdem erhalten sie staatliche Fördermittel. Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an einer Fachhochschule ist anwendungsorientiert und relativ strikt durchorganisiert, Praktika sind ein verbindlicher Studienbestandteil. Auch die Forschung erfolgt in enger Bindung an die Praxis. Viele Fachhochschulen unterhalten enge Beziehungen zu Wirtschaftsunternehmen. Studierende profitieren davon beispielsweise in Form von Praktikumsempfehlungen, projektbezogenen Lehrveranstaltungen und häufig auch von einem permanenten Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen.

Die Akzeptanz von wirtschaftswissenschaftlichen Fachhochschulabschlüssen in den Unternehmen ist hoch. FH-Absolventen stehen damit für ihre berufliche Karriere alle Türen offen. Dies gilt übrigens auch für Volkswirte, die als die Theoretiker der Wirtschaftswissenschaften gelten – mit einem FH-Abschluss in Angewandter Volkswirtschaftslehre sind sie auch für eine Karriere in der Privatwirtschaft bestens qualifiziert.

Die Studienplätze an Fachhochschulen werden im Rahmen eines Auswahlverfahrens vergeben, die Studiengebühren betragen derzeit maximal 363,63 Euro pro Semester. Die Bachelor- und Masterstudiengänge an Fachhochschulen eignen sich für Studienbewerber, die sich eine konsequent praxisorientierte Hochschulausbildung wünschen.

Private Universitäten/Business Schools

Ob ein Bachelor- oder Masterstudium an einer privaten Universität oder Business School eine sinnvolle Alternative zur Ausbildung an einer staatlichen Universität oder Fachhochschule ist, muss jeder selbst entscheiden – das Studium kann hier pro Jahr mehrere tausend Euro kosten. Private Hochschulen gibt es in Österreich erst seit 1999. Die von ihnen angebotenen Studiengänge müssen einen Akkreditierungsprozess durchlaufen, über die Zulassungsvoraussetzungen und die Höhe der Studienangebote bestimmen die Hochschulen in eigener Regie. Besonders geeignete Bewerber haben die Chance auf ein Stipendium, auch die öffentliche Förderung eines Erststudiums an einer Privatuni ist möglich.

Die privaten Universitäten und Business Schools in Österreich bilden in den Wirtschaftswissenschaften sowohl Generalisten als auch Spezialisten für bestimmte Fachgebiete – beispielsweise Tourismusmanagement, Marketing oder Finance & Controlling – aus. Neben Bachelor- und Masterstudiengängen gibt es oft auch ein MBA-Programm. Allerdings werden Bachelorstudiengänge nicht an allen privaten Hochschulen angeboten.

Das wirtschaftswissenschaftliche Studium an einer privaten Uni oder Business School ist oft stark international ausgerichtet. An einigen Hochschulen werden die Lehrveranstaltungen ganz oder teilweise in Englisch durchgeführt. Durch Kooperationen mit staatlichen und/oder privaten Universitäten im In- und Ausland ist zum Teil auch der Erwerb von ausländischen Studienabschlüssen möglich. Zu den Vorteilen, den diese Hochschulen angehenden Wirtschaftswissenschaftlern zu bieten haben, gehören optimale Studienbedingungen und enge Verbindungen zur Wirtschaft.

© iStock – vmWelche Hochschule ist für mein Wirtschaftsstudium optimal?

Vor- und Nachteile gibt es bei jeder Hochschulform, auch zwischen den einzelnen Hochschulen gibt es – bei vergleichbaren Studieninhalten – spürbare Unterschiede.

Einmal abgesehen von den Privaten werden die großen Top-Unis im Hinblick auf Inhalte und Qualität des Studiums in den Wirtschaftswissenschaften sicher weiterhin die Standards setzen, viele – auch kleinere – Fachhochschulen brauchen sich demgegenüber jedoch in keiner Weise zu verstecken. An einer größeren Universität musst du auch mit großen und voll besetzten Studiengängen und einem anonymeren Studienumfeld rechnen. Andererseits findest du vielfältigere Zusatzangebote und lernst Leute von verschiedenen Fakultäten kennen. An vielen Fachhochschulen sind die Studiengänge deutlich kleiner, was auch intensivere persönliche Kontakte zu den Lehrkräften und den diversen Hochschuleinrichtungen ermöglicht. Eine angeblich stärkere Verschulung der FHs fällt seit den verbindlichen Vorgaben für die Bachelor- und Masterstudiengänge kaum noch ins Gewicht. Auch die meisten Fachhochschulen sind heute hervorragend international vernetzt, realisieren entsprechende Projekte und nehmen an internationalen Austauschprogrammen teil.

Orientieren solltest du dich bei der Hochschulwahl daher vor allem an deinen eigenen Studien- und Karrierezielen. Beispielsweise gibt es an Fachhochschulen bereits in einem wirtschaftswissenschaftlichen Bachelorstudium deutlich breiter gefächerte Spezialisierungsmöglichkeiten als an den meisten Unis. Wenn du dich für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium Generale und wissenschaftlich-theoretisches Arbeiten interessierst, solltest du dich dagegen zumindest den Master an einer Uni machen. Das Gleiche gilt, wenn du nach dem Masterstudium promovieren möchtest. Das Promotions- und Habilitationsrecht besitzen in Österreich ausschließlich die staatlichen Universitäten.

Foto: © Peshkova, vm / iStock

Karrierechancen: Spannende Branchen für WirtschaftswissenschaftlerInnen

Spannende Arbeitsmöglichkeiten für Wirtschaftsabsolventen gibt es in so gut wie allen Branchen – einige davon stellen wir in unserem Karrierechancen-Special vor. Weitere Jobs für Wirtschaftswissenschaftler finden sich in der Kultur- und Medienbranche – anders als für die kreativen Mitarbeiter in Verlagen und anderen Medienhäusern sind für Wirtschaftswissenschafter lukrative Festanstellungen hier der Regelfall. In Werbeagenturen sind sie dafür verantwortlich, dass sich der kreative Input für die Wirtschaft für den Arbeitgeber auch ökonomisch trägt.

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Wirtschaftsabsolventen – zwischen Generalisten und Expertenlaufbahn

Kurz: Wirtschaftsabsolventen sind auf den ersten Blick Allrounder, die zu allen Unternehmen passen. Auf den zweiten Blick sind in den Firmen jedoch auch immer stärker Spezialisierungen gefragt. Bei deiner Studienwahl im Bereich der Wirtschaftswissenschaften musst du auch entscheiden, ob du ein Profil als Generalist entwickeln willst oder dir eine Expertenkarriere wünschst. Je nach deiner Präferenz ermöglichen wirtschaftswissenschaftliche Bachelor- und Masterstudiengänge ein Studium Generale, mit dem dir auf dem Arbeitsmarkt viele Branchen und Karrierewege offenstehen, oder sind mit fach- und branchenspezifischen Spezialisierungen verbunden – damit gehörst du zu einer Bewerbergruppe, nach deren Vertretern viele Unternehmen händeringend suchen.

Banken, Versicherungen & Finanzdienstleister

© iStock – PeopleImagesDer Finanzsektor gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern von Wirtschaftsabsolventen. Das Spektrum der Arbeitsfelder reicht von Buchhaltung und Controlling über In-House-Consultants, Nachhaltigkeitsmanager und Data Scientists bis zu Risk & Compliance Managern und Investmentbankern.

In den vergangenen Jahren haben sich in der Finanzbranche durch die Implementierung von staatlichen und internationalen Regelungen sowie durch die Verlagerung von Finanzgeschäften in die digitale Welt zahlreiche Veränderungen ergeben. Bewerber mit juristischem Wissen und vertieften IT-Kenntnissen sowie mit Projektmanagement-Qualifikationen sind daher besonders gern gesehen. Ständiger Bedarf besteht außerdem an VWL-Absolventen und Marketingexperten.

Viele Unternehmen bieten sehr hochkarätige Traineeprogramme an. Falls Einstiegsstellen nicht ohnehin für Masterabsolventen ausgeschrieben sind, wird, wird die Bereitschaft zu einem späteren Masterstudium oder einem MBA von den Arbeitgebern meist vorausgesetzt. Wichtig für Studienanfänger mit Interesse an einer Karriere im Finanzbereich: Duale wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge mit einem Bachelor- oder Masterabschluss gibt es in der Branche überdurchschnittlich häufig. An den Hochschulen gibt es Bachelor- und Masterstudiengänge mit einer finanzwirtschaftlichen Spezialisierung, die auch für einen Einstieg in die Finanzabteilungen anderer Unternehmen eine hervorragende Basis schaffen können.

Wirtschaftsprüfung & Steuerberatung

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sind für Wirtschaftsabsolventen sehr attraktive Arbeitgeber. Kaum eine andere Branche stellt pro Jahr so viele Wirtschaftswissenschaftler ein wie diese Beratungsunternehmen. Interessiert sind sie vor allem an Betriebswirten, die im Idealfall bereits über vertiefte theoretische Kenntnisse sowie erste praktische Erfahrungen in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung verfügen. Vor allem bei großen Beratungsgesellschaften kann der Job mit intensiver Reisetätigkeit verbunden sein, da Wirtschaftsprüfer und Steuerberater meist im Kundenunternehmen tätig werden.

Interne und externe Weiterbildungen sind in der Branche Pflicht. So gut wie alle Berufsanfänger haben das Ziel, die kommissionelle Fachprüfung für Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater – und oft sogar beide – zu bestehen. Ohne diese Prüfungen sind die Aufstiegschancen in den Beratungsgesellschaften äußerst limitiert.

Transport & Logistik

© iStock – stockvisualReine Wirtschaftswissenschaftler arbeiten in Transport und Logistik vor allem in allgemeinen Unternehmensfunktionen, in Finance & Controlling sowie in Vertrieb und Marketing. Marketing- und Vertriebsmitarbeiter müssen sich vor allem im Firmenkundengeschäft profilieren.

Gefragt sind daneben vor allem Bewerber mit branchenbezogenem Expertenwissen. Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsingenieure mit Spezialisierungen in Logistik und Transport sind heiß begehrte Mitarbeiter. Fundierte IT-Kenntnisse gehören ebenfalls zu den Grundanforderungen ihres Jobs. Zu ihren Schlüsselqualifikationen zählen außerdem Kenntnisse im Projektmanagement, in der Prozessoptimierung sowie gute Planungsfähigkeiten. Optimal ist, wenn Wirtschaftsabsolventen, die sich für diese Branche interessieren, schon während ihres Studiums praktische Berufserfahrung sammeln und gezielte Praktika absolvieren. Viele größere Unternehmen bieten duale Studiengänge mit einem Bachelor- oder Masterabschluss an. Der Berufseinstieg in die Branche gelingt auch mit einem Bachelor, für die langfristige Karriere ist meist ein Masterstudium nötig, das idealerweise nicht nur allgemeines betriebswirtschaftliches Wissen, sondern auch branchenspezifische Spezialisierungen vermittelt.

© iStock – NKS_ImageryConsulting & Unternehmensberatung

Consultingfirmen und Unternehmensberatungen waren lange die absoluten Stars der Beratungsbranche – inzwischen hat sich das Gewicht etwas zugunsten der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater verschoben. Trotzdem bieten sie nach wie vor ausgezeichnete Einstiegschancen für Wirtschaftsabsolventen. Die großen Beratungsgesellschaften wählen geeignete Kandidaten oft im Rahmen großer, internationaler Recruiting-Events aus – attraktive Locations und Assessment Center inklusive. Zu den Bewerbungsanforderungen können hier auch das Einreichen von Fallstudien oder die Teilnahme an einem Projekt-Wettbewerb gehören. Daneben gibt es auch mittlere und kleine Beratungsunternehmen.

Consultants werden im Kundenauftrag und in den Kundenunternehmen tätig. Dort analysieren sie bestehende Prozesse, arbeiten Lösungsvorschläge für Prozessoptimierungen aus und implementieren sie in enger Zusammenarbeit mit dem internen Management sowie den Fachabteilungen des Auftraggebers. Die Branche fordert von Berufseinsteigern einen überdurchschnittlichen Studienabschluss und sehr hohe Leistungsbereitschaft. Sie bietet exzellente Karrierechancen, trennt sich jedoch auch sehr konsequent von Mitarbeitern, die den hausinternen Leistungs- und Karriereanforderungen nicht entsprechen. Viele Wirtschaftsabsolventen betrachten einige Jahre Beratungstätigkeit als ein optimales Sprungbrett für eine Managementposition in einem Kundenunternehmen. Neben Generalisten haben in der interdisziplinär aufgestellten Branche auch Bewerber mit Expertenwissen sowie qualifizierte Quereinsteiger gute Chancen.

Konsumgüter & Markenartikel

Unter den Oberbegriff der Konsumgüter- und Markenartikelhersteller fallen viele Branchen. Das Spektrum reicht von Markenherstellern in der Lebensmittelindustrie über die Produzenten von Mode, Alltags- und Haushaltsgegenständen bis zu den Herstellern von technischen Geräten, PCs und Unterhaltungselektronik. Gemeinsam ist diesen Unternehmen, dass sie sich mit ihren Erzeugnissen vorwiegend an private Konsumenten wenden, sich gegenüber dem Handel jedoch auch als leistungsfähiger Produktpartner präsentieren müssen – beides erfordert eine exzellente Unternehmensreputation und vor allem starke Marken.

© iStock – PeopleImagesDie Konsumgüter- und Markenartikelindustrie hat permanent Bedarf an Hochschulabsolventen mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Profil. Rekrutiert werden Wirtschaftsabsolventen einerseits für allgemeine Unternehmensfunktionen (HR, Finance & Controlling, Datenanalyse), vor allem aber für die Marketingabteilungen und Vertriebsorganisationen der Firmen. Spezialisierungen und branchenbezogene Studien- und/oder Praktikumsschwerpunkte sind ein Plus, jedoch sind die Unternehmen vor allem an Allroundern mit soliden betriebswirtschaftlichen Qualifikationen interessiert. Für den beruflichen Aufstieg innerhalb der Firma ist Flexibilität gefragt.

"High Potentials" mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund profilieren sich häufig durch das Durchlaufen verschiedener Marken-, Produkt- und Fachbereiche. Auch strategische Planer, Business Analysten und Marktforscher haben bei Konsum- und Markenartikelherstellern gute Einstiegschancen. Für die langfristige Karriere sind oft ein Masterabschluss oder eine MBA-Weiterbildung nötig.

Handel / Retail

© iStock – saritwuttisanEinzel- und Großhandel, sowie Diskont bieten Bachelor- und Masterabsolventen mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss gute Einstiegs- und schnelle Aufstiegschancen. Ihren Nachwuchs bilden diese Arbeitgeber oft „on the job" aus und bereiten ihn in internen Trainee- und Weiterbildungsprogrammen für die Ausübung von Führungspositionen vor. Bewerber, die bereits praktische Erfahrungen im Handel sammeln konnten, sind als Kandidaten für Einstiegspositionen natürlich besonders gern gesehen.

Wirtschaftsabsolventen finden im Handel ein ausgesprochen breites Spektrum an Arbeitsmöglichkeiten vor. Die Möglichkeiten reichen von allgemeinen Unternehmensfunktionen, Finance & Controlling, Personalwesen bis zu Waren- und Materialwirtschaft und Ein- und Verkauf.

Neben soliden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen sind auf nahezu allen Positionen im Handel auch ausgeprägte analytische Fähigkeiten sowie operative und strategische Planungskompetenzen unverzichtbar. Wer im Handel eine Karriere als Regionalverkaufsleiter oder Store Manager anstrebt, sollte vor allem Hands-on-Qualitäten mitbringen, ein gutes Gespür für Kundenbedürfnisse haben, flexibel sein und schnelle Entscheidungen treffen können, um auf kurzfristige Entwicklungen zu reagieren. Auch Marketing-Jobs finden sich im Handel, sowohl im Bereich der klassischen Werbung und Markenbildung als auch im Bereich der unmittelbaren Sales Promotion.

© iStock – shironosovDie meisten Handelsunternehmen bieten Absolventen 12- bis 18- monatige Trainee- bzw. Weiterbildungsprogramme, die auf die Übernahme von Führungspositionen vorbereiten. Viele Handelsunternehmen sind international tätig und somit haben Absolventen, die sich eine globale Karriere wünschen, gute Chancen diese umzusetzen.

Neben dem Lebensmittelhandel kann auch der Einstieg in die Modebranche interessant sein. In der Branche besteht ein hoher Bedarf in den Bereichen Ein- und Verkauf – zweifelsfrei interessante Tätigkeiten. Umfassende (und internationale) Markt-, Branchen- und Kundenkenntnisse müssen während der Tätigkeit meist noch erwoben werden.

In der Modebranche stehen sowohl Bachelor- als auch Masterabsolventen die Türen offen. Während Masterabsolventen mit Trainee-Programmen und Mentoring auf ihre Führungsposition vorbereitet werden, erwerben Bachelorabsolventen in dualen Studienprogrammen Praxiserfahrung im Job und arbeiten an ihrem Masterabschluss an Uni oder FH.

IT & Telekommunikation

IT & Telekommunikation sind Wachstumsbranchen und keineswegs eine ausschließlich technische Domäne. Wirtschaftswissenschaftler, die nicht in allgemeinen Unternehmensfunktionen, im Controlling oder in den Marketing- und Kommunikationsabteilungen, sondern in den Fachbereichen tätig werden wollen, sollten allerdings über fundiertes IT-Fachwissen verfügen. Besonders gute Einstiegschancen haben Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsingenieure.

© iStock – shapecharge

Auch der Anteil reiner Wirtschaftsexperten nimmt in der Branche kontinuierlich zu. Verschiedene Studien weisen aus, dass in IT & Telekommunikationsfirmen bis zu 50 Prozent aller Mitarbeiter mit akademischen Qualifikationen einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss haben. Sie arbeiten beispielsweise als Business Analysten, IT-Consultants und Vertriebsexperten. Im Rahmen von Projektteams werden sie auch für Firmenkunden tätig. Einstiegschancen gibt es für Bachelor- und Masterabsolventen.

Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie

© iStock – g-stockstudioDie Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie zählt zu den Branchen, die auch bei Wirtschaftsabsolventen als Wunscharbeitgeber dauerhaft auf den allerersten Plätzen liegen. Die meisten Bewerber haben dabei zunächst die großen Automarken im Visier. Hervorragende Karrierechancen für Wirtschaftswissenschaftler finden sich jedoch auch im Mittelstand, also bei den Zulieferern der Automobilhersteller. Ein solcher Job kann durch vielfältige Aufgaben und Projekte sogar besonders reizvoll, aber auch sehr fordernd sein.

Wirtschaftswissenschaftler arbeiten in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie in allgemeinen Unternehmensfunktionen (HR, Finance & Controlling), als Marketingexperten für Privat- und Firmenkunden oder im Vertrieb. In der Produktion sowie in Forschung und Entwicklung gibt es zahlreiche Funktionen, die an den Schnittstellen von Ökonomie und Technik angesiedelt sind. Auf solchen Positionen finden beispielsweise Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsingenieure einen guten Einstieg. Betriebs- oder Volkswirte arbeiten dem strategischen Management außerdem als Business Analysten zu. Die Unternehmen präferieren Masterabsolventen.

Industrie & Maschinenbau

Wirtschaftsabsolventen, die sich für eine Karriere in Industrie & Maschinenbau entscheiden, können mit attraktiven Arbeitgebern, spannenden Arbeitsaufgaben und guten Aufstiegsmöglichkeiten rechnen. Klassische Einsatzbereiche sind allgemeine Unternehmensfunktionen, Finance & Consulting, Material- und Warenwirtschaft sowie die ökonomische Seite strategischer Planungen und der Durchführung von Projekten. In vielen Unternehmen geht es vorrangig um die Kooperation mit Firmenkunden, sowohl Marketingexperten als auch Vertriebsmitarbeiter werden in diesem Kontext vor allem als Fachberater tätig.

© iStock – chinafaceZahlreiche Positionen für Wirtschaftswissenschaftler in der Industrie weisen starke Berührungspunkte mit technischen Fachbereichen aus. Besonders gute Einstiegschancen haben Wirtschaftsabsolventen, die durch erfolgreich absolvierte Praktika bereits bewiesen haben, dass sie die Anforderungen eines Industrieunternehmens erfüllen, vielleicht auch ihre Abschlussarbeit zu einem unternehmensrelevanten Thema schreiben oder sich – beispielsweise als Wirtschaftsingenieur oder Wirtschaftsinformatiker – auf eine Arbeit an den Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Technik spezialisieren. Volkswirte finden gute Einstiegsmöglichkeiten in den Planungsabteilungen der Firmen. Der Bachelor als Einstiegsqualifikation wird akzeptiert, für den beruflichen Aufstieg ist jedoch meist ein Masterabschluss nötig.

Energiewirtschaft

Die Energiewirtschaft gehört zu den Branchen, in denen durch Privatisierung, neue Technologien und neue Anforderungsprofile tiefgreifende Veränderungen vor sich gehen. Hierdurch steigt auch der Bedarf an Wirtschaftsabsolventen. Neben klassischen Aufgabenfeldern für Wirtschaftswissenschaftler wie Finance & Controlling oder Marketing gibt es in den Unternehmen der Energiewirtschaft zahlreiche – vergleichsweise neue – Tätigkeitsbereiche. Business Analysten in der Energiewirtschaft behalten den weltweiten Energiehandel im Blick, außerdem wirken sie an der Entwicklung neuer Tarifmodelle, Informationssysteme und Energiemanagementsysteme mit. Commercial Dispatchers in der Energiewirtschaft übernehmen zusammen mit technischen Experten einerseits die Optimierung von Prozessen, müssen jedoch auch die betriebswirtschaftlichen und juristischen Details der Vertragsgestaltung mit Lieferanten und Endabnehmern kennen.

Begehrte Arbeitskräfte in der Branche sind Wirtschaftsingenieure oder Absolventen, die ein BWL-Studium mit einer energiewirtschaftlichen Spezialisierung kombinieren. Business Analysten mit einem volkswirtschaftlichen Abschluss finden unter anderem in der strategischen Planung der Unternehmen ihren Platz und oft sehr gute Aufstiegschancen. Einstellungsvoraussetzung ist fast immer ein Masterabschluss.

Pharma & Healthcare

Pharma & Healthcare gehören ebenfalls zu den absoluten Wachstumsbranchen. Wirtschaftsabsolventen werden hier an einer Schnittstelle von Ökonomie, Medizin sowie juristischen Vorgaben tätig. Beispielsweise kooperieren die Marketingexperten der Pharmaunternehmen mit Medizinern, Naturwissenschaftlern und Pharmazeuten. Vor allem bei der Einführung neuer medizinischer Produkte geht es darum, diese als Ergebnisse evidenzbasierter medizinischer Forschung zu vermarkten. Hinzu kommen allgemeine marketingspezifische Aufgaben wie Marken- und Kampagnenentwicklung oder Kundenkommunikation.

Weitere Aufgaben für Wirtschaftswissenschaftler finden sich in Beratung und Vertrieb. Der klassische Karriereweg ist hier die Laufbahn eines Pharmareferenten. Zu den Anforderungen an diesen Beruf gehören Beratungskompetenz und Kundenorientierung, kaufmännische und juristische Kenntnisse sowie ausgezeichnete kommunikative Fähigkeiten. Einsteiger erhalten in der Regel eine betriebsinterne Zusatzausbildung und haben in der Vertriebsorganisation des Unternehmens gute Aufstiegschancen.

Im Hinblick auf die klassischen Aufgaben für Wirtschaftswissenschaftler – Controlling und Management – besteht in der Pharmaindustrie vor allem in den letzten Jahren wachsender Bedarf. Auch VWL-Absolventen können mit ausgezeichneten Karrierechancen rechnen. Gute Einstiegschancen gibt es auch für Bachelors, mit Ausnahme von Vertriebspositionen ist zumindest langfristig jedoch ein Masterstudium erwünscht.

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Bachelor, Master oder PhD: Welcher Abschluss passt?

Seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge müssen Studierende relativ früh eine Entscheidung treffen, mit welchem Abschluss sie ins Arbeitsleben starten wollen. Für einen erfolgreichen Berufseinstieg reicht der Bachelor oft völlig aus.

In Österreich machen rund 80% aller Studierenden einen Masterabschluss. Im Sinn der Firmen ist das nicht immer: Viele Unternehmen wollen weg von diesem Modell, wonach der formale Abschluss über Karriere entscheidet und setzen stattdessen auf permanente Weiterbildung.

Akademische Basisqualifikation: Bachelor

Ein wirtschaftswissenschaftlicher BA ist eine gute Basis für den Karriereeinstieg. Firmen suchen zum Teil gezielt nach Absolventen mit diesem Profil, die auf dem Arbeitsmarkt jedoch relative Mangelware sind. In operativen Bereichen ist der Aufstieg in eine Führungsposition zum Teil auch ohne MA-Abschluss möglich.

Master und MBA – Sprungbrett in die Chefetage

Wirtschaftswissenschaftler, die eine Managementkarriere anstreben, kommen um den MA nicht herum. Bei einem direkt an den BA anschließenden MA ist ein Studiengang mit Vertiefung optimal. Auf der Basis erster beruflicher Erfahrungen kann die Studienwahl konkreter auf die Anforderungen der Branche oder Unternehmens zugeschnitten werden.

Eine Alternative zum regulären MA ist der MBA (Master of Business Administration). Diese Studiengänge sind berufsbegleitend und werden von Unis, FHs und privaten Hochschulen/Business Schools angeboten. MBA-Programme vermitteln managementwissenschaftliche Kenntnisse und Methoden von Controlling über Marketing, Personalarbeit und Wirtschaftsrecht bis zu Entrepreneur- und Leadership und fokussieren stark auf die Praxis.

Wann lohnt sich ein wirtschaftswissenschaftlicher PhD?

Auch ein PhD kann zum Karrieresprungbrett werden – rund zwei Drittel der Top-Manager in größeren Unternehmen haben promoviert. Allerdings ist wichtig, dass Doktoranden, die keine wissenschaftliche Karriere planen, ihren vergleichsweise späten Berufseinstieg durch praktische Erfahrungen und/oder unternehmensrelevante Themen kompensieren. Besondere Karrierechancen haben promovierte Wirtschaftswissenschaftler im Consulting, in Research-Abteilungen und in der öffentlichen Verwaltung. Für eine Karriere im mittleren Management ist der Titel jedoch alles andere als unabdingbar.

Jobsuche für WirtschaftswissenschaftlerInnen

Spätestens im Jahr vor dem Abschluss geht die Stellensuche in die heiße Phase. Für den Weg zum Traumjob gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Klassische Stellenanzeigen sind heute nur einer unter mehreren Wegen, den Kontakt zu Unternehmen herzustellen. Wichtig ist vor allem, dass du deine Fähigkeiten, Stärken und Karriereziele kennst. Unabhängig von der Art des Kennenlernens erwarten potentielle Arbeitgeber von Bewerbern, dass sie ihnen klare berufliche Profile präsentieren.

© iStock – mavoimages

Stelleninserate sind die klassische Variante, um einen neuen Job zu finden. Die meisten Unternehmen schreiben offene Stellen parallel in Printmedien, in Online-Stellenbörsen und auf ihren eigenen Karriereseiten aus.

Durch Praktika und Werkstudentenjobs erwirbst du nicht nur praktische Berufserfahrung, sondern baust dir auch ein berufliches Netzwerk für den Einstieg auf.

Industriekooperationen der Hochschulen erweisen sich oft als gutes Sprungbrett für den Einstieg. Vor allem für das Masterstudium ist es sinnvoll, sich die Hochschulangebote auch unter diesem Gesichtspunkt anzuschauen.

Karrieremessen bieten dir die Möglichkeit, verschiedene Branchen und Arbeitgeber in einem vergleichsweise informellen Rahmen kennenzulernen.

Viele Unternehmen suchen auf berufsbezogenen Social-Media-Plattformen wie Xing und LinkedIn gezielt nach Kandidaten – im Gegenzug ist eine gute Pflege der eigenen "sozialen" Karriereseite wichtig.

Karrierechancen im Mittelstand

Spannende Möglichkeiten für den Berufsstart findest du nicht nur bei Großkonzernen mit bekannten Marken, sondern auch im Mittelstand. Absolventen bieten sie Profilierungsmöglichkeiten als Allrounder, sehr gute Aufstiegschancen und oft auch einen internationalen Karriererahmen.

Fotos: © mavoimages / iStock

 

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