BÜCHERBÖRSE

Universität, Fachhochschule oder Business School?

Zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulabschluss führen mehrere Wege. Entsprechende Studiengänge gibt es an Universitäten, Fachhochschulen und privaten Business Schools. Für deine Auswahl sollte das Profil der Hochschule den Ausschlag geben.

Universitäten bieten ein Hochschulstudium mit theoretisch-wissenschaftlichem Anspruch – Fachhochschulen sind etwas für Praktiker, allerdings muss erst eine Aufnahmeprüfung absolviert werden – ein Abschluss an einer privaten Business School ist der Königsweg ins Management, allerdings auch einer Elite vorbehalten. So oder ähnlich lauten oft die Einschätzungen der verschiedenen Hochschultypen für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium (und auch viele andere Studiengänge). Richtig daran ist vor allem, dass viele Fachhochschulen durch stärkeren Praxisbezug und größere Wirtschaftsnähe punkten. Die Kosten für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an einer privaten Universität oder Business School lassen sich möglicherweise durch ein Stipendium reduzieren.

© iStock – Peshkova

Besonderheiten der drei Hochschulformen

Die drei Hochschulformen in Österreich weisen einige Besonderheiten auf, die natürlich auch für deine Entscheidung für einen bestimmten wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang eine Rolle spielen:

Staatliche Universitäten

Bis 1994 waren die staatlichen Universitäten die einzige Hochschulform in Österreich, auch heute stehen sie noch an der Spitze der unterschiedlichen Hochschulformen. Das Studium ist theoretischer ausgerichtet als an einer Fachhochschule oder Business School. Freie Forschung und Lehre sind an den Universitäten in den Wirtschaftswissenschaften bisher der Regelfall, zum Teil gibt es jedoch auch Industriekooperationen. Ein Numerus Clausus existiert an den staatlichen Universitäten nicht. Studiengebühren fallen an, wenn die Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester überschritten wird – derzeit betragen sie 363,63 Euro pro Semester.

Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an einer staatlichen Universität ist die erste Wahl für Studienbewerber, die sich während ihrer Ausbildung auch mit wissenschaftlichen Fragestellungen in vertiefter Weise auseinandersetzen wollen.

Fachhochschulen

Fachhochschulen (FH) sind in Österreich seit 1994 zugelassen – ihr Modell einer wissenschaftlich fundierten Berufsausbildung fand sehr schnell hohe Akzeptanz. Sie werden von sogenannten Erhaltern auf privatwirtschaftlicher Grundlage geführt und finanziert, außerdem erhalten sie staatliche Fördermittel. Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium an einer Fachhochschule ist anwendungsorientiert und relativ strikt durchorganisiert, Praktika sind ein verbindlicher Studienbestandteil. Auch die Forschung erfolgt in enger Bindung an die Praxis. Viele Fachhochschulen unterhalten enge Beziehungen zu Wirtschaftsunternehmen. Studierende profitieren davon beispielsweise in Form von Praktikumsempfehlungen, projektbezogenen Lehrveranstaltungen und häufig auch von einem permanenten Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen.

Die Akzeptanz von wirtschaftswissenschaftlichen Fachhochschulabschlüssen in den Unternehmen ist hoch. FH-Absolventen stehen damit für ihre berufliche Karriere alle Türen offen. Dies gilt übrigens auch für Volkswirte, die als die Theoretiker der Wirtschaftswissenschaften gelten – mit einem FH-Abschluss in Angewandter Volkswirtschaftslehre sind sie auch für eine Karriere in der Privatwirtschaft bestens qualifiziert.

Die Studienplätze an Fachhochschulen werden im Rahmen eines Auswahlverfahrens vergeben, die Studiengebühren betragen derzeit maximal 363,63 Euro pro Semester. Die Bachelor- und Masterstudiengänge an Fachhochschulen eignen sich für Studienbewerber, die sich eine konsequent praxisorientierte Hochschulausbildung wünschen.

Private Universitäten/Business Schools

Ob ein Bachelor- oder Masterstudium an einer privaten Universität oder Business School eine sinnvolle Alternative zur Ausbildung an einer staatlichen Universität oder Fachhochschule ist, muss jeder selbst entscheiden – das Studium kann hier pro Jahr mehrere tausend Euro kosten. Private Hochschulen gibt es in Österreich erst seit 1999. Die von ihnen angebotenen Studiengänge müssen einen Akkreditierungsprozess durchlaufen, über die Zulassungsvoraussetzungen und die Höhe der Studienangebote bestimmen die Hochschulen in eigener Regie. Besonders geeignete Bewerber haben die Chance auf ein Stipendium, auch die öffentliche Förderung eines Erststudiums an einer Privatuni ist möglich.

Die privaten Universitäten und Business Schools in Österreich bilden in den Wirtschaftswissenschaften sowohl Generalisten als auch Spezialisten für bestimmte Fachgebiete – beispielsweise Tourismusmanagement, Marketing oder Finance & Controlling – aus. Neben Bachelor- und Masterstudiengängen gibt es oft auch ein MBA-Programm. Allerdings werden Bachelorstudiengänge nicht an allen privaten Hochschulen angeboten.

Das wirtschaftswissenschaftliche Studium an einer privaten Uni oder Business School ist oft stark international ausgerichtet. An einigen Hochschulen werden die Lehrveranstaltungen ganz oder teilweise in Englisch durchgeführt. Durch Kooperationen mit staatlichen und/oder privaten Universitäten im In- und Ausland ist zum Teil auch der Erwerb von ausländischen Studienabschlüssen möglich. Zu den Vorteilen, den diese Hochschulen angehenden Wirtschaftswissenschaftlern zu bieten haben, gehören optimale Studienbedingungen und enge Verbindungen zur Wirtschaft.

© iStock – vmWelche Hochschule ist für mein Wirtschaftsstudium optimal?

Vor- und Nachteile gibt es bei jeder Hochschulform, auch zwischen den einzelnen Hochschulen gibt es – bei vergleichbaren Studieninhalten – spürbare Unterschiede.

Einmal abgesehen von den Privaten werden die großen Top-Unis im Hinblick auf Inhalte und Qualität des Studiums in den Wirtschaftswissenschaften sicher weiterhin die Standards setzen, viele – auch kleinere – Fachhochschulen brauchen sich demgegenüber jedoch in keiner Weise zu verstecken. An einer größeren Universität musst du auch mit großen und voll besetzten Studiengängen und einem anonymeren Studienumfeld rechnen. Andererseits findest du vielfältigere Zusatzangebote und lernst Leute von verschiedenen Fakultäten kennen. An vielen Fachhochschulen sind die Studiengänge deutlich kleiner, was auch intensivere persönliche Kontakte zu den Lehrkräften und den diversen Hochschuleinrichtungen ermöglicht. Eine angeblich stärkere Verschulung der FHs fällt seit den verbindlichen Vorgaben für die Bachelor- und Masterstudiengänge kaum noch ins Gewicht. Auch die meisten Fachhochschulen sind heute hervorragend international vernetzt, realisieren entsprechende Projekte und nehmen an internationalen Austauschprogrammen teil.

Orientieren solltest du dich bei der Hochschulwahl daher vor allem an deinen eigenen Studien- und Karrierezielen. Beispielsweise gibt es an Fachhochschulen bereits in einem wirtschaftswissenschaftlichen Bachelorstudium deutlich breiter gefächerte Spezialisierungsmöglichkeiten als an den meisten Unis. Wenn du dich für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium Generale und wissenschaftlich-theoretisches Arbeiten interessierst, solltest du dich dagegen zumindest den Master an einer Uni machen. Das Gleiche gilt, wenn du nach dem Masterstudium promovieren möchtest. Das Promotions- und Habilitationsrecht besitzen in Österreich ausschließlich die staatlichen Universitäten.

Foto: © Peshkova, vm / iStock

 

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