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Das Arbeitszeugnis: wenig individuell und aussagekräftig

Arbeitszeugnisse sind Bestandteil so mancher Bewerbungsmappen (c) berwis/pixelio.de
Arbeitszeugnisse sind Bestandteil so mancher Bewerbungsmappen

Arbeitszeugnisse verlieren zunehmend an Bedeutung. Dank der höchstrichterlichen Maßgabe, dass ein Arbeitszeugnis wohlwollend formuliert sein soll, ähneln sich diese zunehmend wie ein Ei dem anderen. Meistens erhalten Arbeitnehmer darin die Note eins oder zwei. Aufgrund der verwendeten Standardklauseln sind kaum mehr Unterschiede zwischen verschiedenen Zeugnissen auszumachen.

Im Gegensatz zu den eingereichten Arbeitszeugnissen gleichen sich Stellenbewerber nicht, auch wenn deren Zeugnisse quasi inhaltsgleich formuliert sind. Wieso also werden Arbeitszeugnisse überhaupt noch ausgestellt, beziehungsweise, wieso werden sie heute bei einer Bewerbung überhaupt noch verlangt?

Arbeitszeugnisse: wenn es nur so einfach wär‘

Wie viel Ärger könnten sich Arbeitnehmer und -geber ersparen, würden sie von Gesetzeswegen her lediglich ein einfaches Zeugnis ausstellen müssen. Bisher schreibt § 1163 ABGB vor, dass Arbeitgeber auch ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen können. Fragt der Arbeitnehmer jedoch nur nach einem einfachen Arbeitszeugnis, dann könnte ein potenzieller künftiger Arbeitgeber vermuten, dass der Bewerber etwas zu verbergen hat. Das führt dazu, dass nach dem einfachen Arbeitszeugnis selten gefragt wird.

Im einfachen Arbeitszeugnis sind keine Wertungen enthalten. Hierin finden sich lediglich allgemeine Angaben zum Arbeitnehmer, zum Ein- und zum Ausstiegsdatum seiner Tätigkeit, worin seine Tätigkeit bestand und welche Fortbildungen der Arbeitnehmer besucht hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das allein genügt, um sich einen Überblick zu verschaffen. Alles Weitere erkennt man ohnehin erst im Bewerbungsgespräch beziehungsweise in der Probezeit. Dafür ist letztere schließlich da. Sollte der neu eingestellte Arbeitnehmer nicht ins Unternehmen passen, kann man ihn im Rahmen der Probezeit schnell wieder loswerden.

Das qualifizierte Arbeitszeugnis qualifiziert nicht

Statt im Klartext zu schreiben, wurden qualifizierte Arbeitszeugnisse mit Floskeln versehen, die negativen Aussagen ein wohlwollendes Gewand verleihen. Doch damit nicht genug. Wie die Süddeutsche berichtet sind Arbeitnehmer, die sich dadurch ungerecht behandelt fühlten, vor Gericht gezogen. Das hat Arbeitgeber dazu bewogen, noch vorsichtiger zu sein. Deshalb wird heutzutage der Bewertungsmaßstab nicht vollends ausgeschöpft, sondern es werden lediglich die Noten eins und zwei verwendet. Das macht Arbeitszeugnisse im Grunde wertlos.

Fachleute fordern nicht grundlos ein Abrücken vom ständigen Wohlwollen. Solange das einfache Arbeitszeugnis nicht gesetzlich verpflichtend ist, wird wie bisher inflationär mit dem qualifizierten Einheitsbrei fortgefahren. Es sollte gestattet sein, auch Schwächen des zu beurteilenden Arbeitnehmers in das Arbeitszeugnis aufzunehmen.

 

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