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WU-Studenten gründen erstes Tablet-Restaurant Wiens Foto: Viereck
WU-Studenten gründen erstes Tablet-Restaurant Wiens

Viereck - das erste Tablet-Restaurant Wiens eröffnete am 01. April 2012. UNIMAG gibt euch einen näheren Einblick. Lest hier das Interview mit Stephan Beyer, einem der vier studentischen Geschäftsführer des Restaurants.

Das Viereck war bereits vor seiner Eröffnung am 31. März sehr bekannt. Wie habt ihr das geschafft?

Wir hatten eine gute Kooperation mit einer tollen PR-Agentur und haben selbst im Marketing intensiv daran gearbeitet. Wir hatten zahlreiche Pre-Openings mit Freunden, Bekannten, gewissen Kunden und Netzwerken, bei denen wir das Lokal bereits früher beworben haben. Auch wurde intensiv Werbung über die Facebook-Schiene betrieben. Dadurch sind wir zu einer guten Bekanntheit gekommen. Durch unsere Marketing-Aktivitäten konnten wir auch zahlreiche Prominente gewinnen. Am 28. März wurde das Lokal für einen geschlossenen Kundenkreis eröffnet. Da hatten wir mit der PR-Agentur Himmelhoch kooperiert und hatten dadurch einen guten Start. Es gab einen ORF und ATV-Beitrag. Zum Großteil haben wir die Prominenten selbst eingeladen, um ihnen direkt das Konzept zu präsentieren und um mit einer gewissen Gästeliste auch bessere Chancen bei den Medien zu haben. Es waren zahlreiche Medienvertreter, sowohl Wirtschaftsgrößen wie Hannes Jagerhofer (Geschäftsführer der ACTS Group), Georg Kapsch (Telekom-Unternehmer) als auch Prominenz wie Janine Schiller und Mausi Lugner bei der Veranstaltung. Es gab auch Beiträge über unser Restaurant in den Salzburger Nachrichten, Heute und Österreich.

Wer ist die Zielgruppe des Vierecks? Ist es eher so die Einkommensoberschicht?

Also nein. Da wollten wir uns bewusst nicht festlegen, weil wir jeden die Möglichkeit bieten wollten. Das ist ganz wichtig und gehört auch zu unserer Philosophie. Wir haben es auch nicht vom Alter her eingeschränkt. Wir haben diese zwei Konzepte. Das Mittagskonzept und am Abend das Lifestyle-Konzept, wo die Leute etwas erleben, wenn sie unser Restaurant besuchen. Es kommen sowohl junge Leute her, die Jüngsten sind 16. Das Durchschnittsalter ist zwischen 28 und 40. Da haben wir verstärkt Mittags und Abends 50 bis 60 Jährige, die überhaupt kein Problem mit der Bestellung via Tablet haben. Und das freut uns natürlich auch. Wir möchten uns da auch in keinster Weise festlegen. Wenn jemand über ein geringeres Einkommen verfügt, dann bestellt er nicht 8 Gerichte sondern 4. Das ist der Vorteil an unserem Konzept. Die kleinen Portionen ermöglichen das Ausprobieren.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Wie ist das alles ins Rollen gekommen?

Wir vier haben uns alle kennengelernt in Wien. Wir kommen aus verschiedenen Teilen Österreichs: Graz, Oberösterreich und Kärnten. Wir hatten ursprünglich eine andere Idee, haben auch andere Projekte zusammen gemeinsam umgesetzt wie z.b. die Studentcard unter anderem. Wir hatten lange Überlegungen, wie man die Gastronomie effizienter gestalten kann. Wir haben begonnen uns zu informieren, haben uns in Deutschland ein paar interessante Konzepte in diesem Bereich angesehen und haben uns gedacht, dass man das in Österreich auch machen könnte. Und wir hatten noch ein paar mehr Ideen, wie wir es noch besser machen könnten. Wir sind dann, weil Finanzierung eine große Rolle spielt, Investoren suchen gegangen, und das hat auch einige Zeit beansprucht.

 zurck in die zukunft essen gehen 2.0 c viereckUnd warum gerade ein Tablet-Restaurant?

Zuerst hatten wir Interesse im Bereich des Table-Top-Cooking etwas zu machen. Das heißt, dass das der Gast bei Tisch selbst kocht. Dann haben wir aber aufgrund von Immobilien und weiteren Kostengründen überlegt, was es noch für Möglichkeiten gibt und dann sind wir auf die Tablets gekommen. Dass der Gast unterstützt wird mit Bildern, Beschreibungen und Allergiker-Hinweisen und diese Funktionen nutzt, ohne dass der Service ersetzt wird. Und dass die Tablets ein Hilfsmittel darstellen. Und so kamen wir dann auf die Idee.

 

Und nachdem wir in Deutschland Konzepte gesehen haben, die funktionieren, aber in unseren Augen nicht gut genug oder Funktionen, die uns gestört haben und die wir besser machen wollten, und dann ist daraus das Viereck resultiert. Viereck – 4 Studenten an einer Ecke. Also Viereck.

Wie setzt ihr euch zusammen?

Drei Geschäftsführer sind in einem Top League, in einem Förderungsprogramm. Einer hat Tourismuswirtschaft gemacht. Ich mache gerade meinen MBA. Jeder hat seine Fachrichtungen. Bastian, einer von uns ist auch Geschäftsführer von Vapiano auf der Mariahilferstraße. Ich habe die Tourismusschule absolviert. Markus ist Webdesigner und Grafiker und hat Erfahrung im Programmieren.

Die Geschäftsführung wird von uns allen Vieren gemacht mit eigenen Aufgabenbereichen:

Einer ist für die Finanzen zuständig, einer ist für Marketing & PR zuständig, einer ist für die Technik verantwortlich und ein anderer für die Immobilie. Jeder hat so seinen Verantwortungsbereich, aber die Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Zum Beispiel, der Schanigarten, der genehmigt werden muss oder wie viel Geld in welche Sache investiert wird. Wir sind natürlich von der finanziellen Situation abhängig, auch wenn wir recht gut gestellt sind, müssen diese Entscheidungen natürlich gemeinsam getroffen werden.

Und wie schaut die Finanzierung aus?

Wir waren lange auf Investorensuche und haben schlussendlich Förderungen bekommen von der ÖHT – das ist die österreichische Tourismusbranche. Zusätzlich haben wir dann noch ein paar private heimische Investoren aus Österreich gewinnen können.

Seid ihr alle immer persönlich vor Ort im Lokal?

Wir sind 6 Tage die Woche von Montag bis Samstag im Restaurant. Wir sind nicht alle zeitgleich da. Was ganz wichtig ist, dass jeder von uns im Service ist, daher arbeiten wir selbst jeden Tag. Das wäre momentan auch anders gar nicht machbar. Wir möchten das Konzept des „Vierecks“ nach außen hin vertreten. Am Anfang möchten wir das Ganze selbst durchführen, und nicht anderen Service-Kräften überlassen.

Wie läuft die Bestellung ab?

Der Gast wählt das Gericht via dem Tablet, kann zusätzliche Funktionen wie Allergikerfilter benutzen. Z.B kann er auch angeben, wenn er ein Steak bestellt, ob er es medium oder rare haben möchte. Die Bestellung geht dann sofort in die Küche und der Kellner bringt dem Gast das Bestellte. Der Vorteil ist, dass wir die Speisen frisch, schnell und qualitativ in kurzer Zeit bereitstellen. Das Tolle ist, dass der Gast die Speisen am Tablet sieht, und er eine bessere Vorstellung davon bekommt.

Können Leute, die sich mit der Tablet-Bestellung nicht auskennen, auch persönlich bestellen?

Natürlich, und wir helfen auch sofort weiter. Es ist auch wichtig, dass das Tablet als Unterstützung angesehen wird und nicht als Muss. Das heißt, wir haben traditionellen Service modern verpackt. Wir erklären alles, wir geben eine Einschulung. Bis jetzt muss man sagen, dass es bisher noch kein Problem gab mit den Tablets.

 

orangensaft auf knopfdruck c viereck

Als ich gehört habe, dass es ein Tablet-Restaurant gibt, dachte ich sofort an iPads.. ?

iPads wären für uns vom Einkaufspreis her noch zu teuer, da wir ja 80 Tablets haben. Und da wäre ein iPad risikoreich. Das Tablet, das wir benutzen, ist ein asiatisches Produkt. Wir haben ca. 7 Tablets getestet und natürlich auf Faktoren geprüft wie Akku, Laufzeit, dass die Software gut funktioniert und Benutzerfreundlichkeit.

 

Und wieviel Zeit habt ihr investiert das Tablet auszuwählen?

Es hat einige Zeit gedauert. Markus hat sich auch darum gekümmert. Selbst das Bekommen der passenden Hüllen war sehr zeitaufwendig. Also ca. 4 Wochen hat es gedauert.

 

Werden die Tablets von euch selbst programmiert?

Das macht ein Freund von uns. Christoph, 22, Jungprogrammierer und der hat sich auch schon ganz gut etabliert in Wien und bei großen Firmen und macht die Programmierung unserer Tablets und die Grafik wird dann von einen von uns durchgeführt.

Was macht ihr, wenn das Tablet-System ausfällt?

Wir haben immer einen Techniker vor Ort, der dann präventiv sofort entgegenwirkt und der gegen das Problem etwas unternimmt. Bis jetzt hatten wir noch keinen größeren Ausfall. Das Schlimmste was bisher passiert ist, dass 2 Minuten das System nicht ging. Dies war jedoch nur eine Kleinigkeit. Wir sollten auch keinen Ausfall haben. Wir sind da auch doppelt abgesichert, es gibt natürlich auch gedruckte Karten, die aufliegen. Wir können direkt, wenn die Tablets ausfallen würden, den Restaurantbetrieb aufrecht erhalten.

Wie viel Kapazität hat das Viereck?

Wir haben 70 Sitzplätze. Jetzt bekommen wir noch einen Schanigarten im Sommer und dort bieten wir ca. 40-50 Plätze an.

Wie schaut's aus mit Studium & Freizeit? Geht sich das noch aus?

Also, das Studium machen wir weiter. Einer von uns geht auf Auslandssemester nach Hongkong. Wir stimmen uns auf einander ab. Wir nehmen uns jetzt bewusst ein bisschen zurück aus dem Studium, gerade bei den ersten Monaten des Restaurants, die ganz wichtig sind und sonst werden wir jetzt versuchen am Sonntag ein paar Lerneinheiten einzufügen. (schmunzelt) Die Freizeit leidet gerade etwas, aber wir haben viele Freunde, die uns im Restaurant besuchen und das macht uns natürlich glücklich.

 

Habt ihr vor, das Tablet-Restaurant auf ganz Österreich auszuweiten oder ist das ein Einzel-Projekt?

Wir sehen da zwei Optionen. Die eine Option ist, dass wir das technische System an Andere weitergeben/verkaufen. Da ist allerdings die Frage, wie weit dies unserem Interesse entspricht. Die andere Option ist, dass wir expandieren, sprich weitere „Filialen“ aufmachen. Da ist jedoch die Frage, ob wir das in Österreich machen würden, oder eben einen Leitstandort in Wien und in anderen deutschen bzw. europäischen Großstädten machen.

Was war eure eigene Motivation und welche Inspiration kannst du anderen geben?

Wir alle wollten selbst in die Unternehmensgründung gehen. Wir haben auch ein paar Projekte bereits umgesetzt. Zum Beispiel die Studentcard, bei der Studenten Rabatte z.b. bei Nachtclubs bekommen. Uns machen einfach diese Neugründungen Spaß und dass wir selbst etwas umsetzen können. Wir wollten auch zeigen, wir wollten ja nicht nur in diesem Bereich etwas machen, sondern auch weitere Projekte umsetzen. Es ist machbar. Natürlich haben wir uns am Anfang auch überlegt, wie wir es umsetzen können. Und unsere Inspiration für andere, die auch ein Unternehmen gründen wollen: warum warten, einfach starten! Das ist auch ein Spruch, der uns allen gefallen hat. Man soll sich nicht entmutigen lassen von bürokratischen Dingen. Ich denke, es gibt sehr viele junge Leute, die davon abgehalten werden, etwas zu starten, die es vielleicht an finanzieller Umsetzung oder an den weiteren Kontakten fehlt. Und da wollen wir ermutigen, z.b. bei finanzieller Umsetzung, nicht gleich aufgeben, sondern aktiv an Investoren zugehen und schauen, was man machen kann. Nicht gleich von vornherein sagen, das Projekt nicht zu machen.

 

Kontaktdaten

Restaurant Viereck

Johannesgasse 16

1010 Wien

www.4eck.at

Isolde Walcher

Isolde Walcher | Redakteurin

isolde.walcher (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

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