BÜCHERBÖRSE

Die besten Psycho-Horror Filme der 2000er

Psycho-Horror: Schön, schräg, schaurig Omega Micott Inc. Shogakukan Space Shower TV Star Max Tokyo FM Broadcasting Co.
Psycho-Horror: Schön, schräg, schaurig

Halloween dient nicht nur als Zweiter Tag des Jahres, an dem man sich öffentlich verkleiden darf. Vielmehr bietet er ein Setting, indem man Horrorfilme noch gruseliger findet als an sonst einem Abend. Diese Liste soll als Inspiration für Freunde des Psycho-Horrors dienen. Genrefans fragen sich nach kurzem Durchklicken vielleicht, warum Saw und Konsorten nicht berücksichtigt wurden, ergo wie inkompetent diese Autorin wohl ist.
Psycho-Horror kann blutig sein, ist aber nicht Splatter. Psycho-Horror hat Monster, aber man muss sie nicht näher charakterisieren. Im Fokus sind die Urängste der Protagonisten, und die des Publikums. Durch unsichere Kameraeinstellungen, unheimliche Locations und schattenhaftes Grauen werden die ZuseherInnen labil und angespannt gehalten, bis die Nerven unauffindbar verloren werden.

#10 Sinister (USA, 2012)

Ellison (Ethan Hawke) ist einer jener One-Hit-Wonder-Autoren, die nicht mit dem eigenen Ruhm umgehen können, oder besser gesagt, mit dem Fehlen von eigenem Ruhm. Da ist es vielleicht die beste Idee zu Recherchezwecken in ein Haus einer ermordeten Familie zu ziehen, auch wenn es ihm nicht so geheuer ist. Auf dem Dachboden findet er einen Super-8-Projektor und dazu passende Filme. Und hier hat „Sinister“ mehr als ein fettes Ass im Ärmel, denn auf den Filmrollen sind heimliche Aufnahmen von Familien und deren Ermordung. Diese Ermordungsszenerien sind auf so eine kreative Art grausam und ungewöhnlich, dass man sogar als Genre-Fan leicht ins Staunen gerät. Unterlegt sind jene Szenen zudem mit einer kakophonischen Mischung aus Industriegeräuschen, Kreischen und Dröhnen. Ohne Untertreibung sind die zwei Elemente perfekt aufeinander abgestimmt. Leider kann dies den Film trotzdem nicht zu einem Meisterwerk hochpushen, denn der Story mangelt es an Kreativität, viele Schock-Szenen sind recht billig und das Ende kommt einfach zu schnell. Nicht missverstehen, die Empfehlung steht trotzdem!

#9 Uzumaki (Uzumaki, Japan, 2000)

Eine japanische Kleinstadt wird von einem mysteriösen Wind getroffen und noch mysteriösere Veränderungen folgen. Schulmädchen Kirie Goshima (Eriko Hatsune) bemerkt, dass sich langsam alle Bewohner für spiralförmige Dinge interessieren. Haare kringeln sich à la Medusa ein und ein Bekannter reagiert aggressiv wenn das spiralförmige Essen ausgeht. Als einige Tode die Kleinstadt erschüttern und die Angst vor diesem unheilvollen Muster wächst, wollen Polizei und ein Journalist dem Spuk ein Ende setzen. Doch der Bann ist nicht so leicht zu brechen.
Obwohl die Manga Verfilmung sehr nah am Original ist, haben beide verschiedene Enden. Der ein-namige Regisseur Higuchinsky verstärkt die Bilder mit einem massiven grünen Filter, was das mangahafte verstärkt. Und auch wenn die schauspielerische Leistung nicht die beste ist, kann man sich dieser fernöstlichen Faszination nicht erwehren.

#8 The Orphanage (El Orfanato, Mexiko & Spanien, 2007)

Laura (Belén Rueda), ihr Mann Carlos (Fernando Cayo) und ihr adoptierter Sohn Simón (Roger Príncep) ziehen in das alte Waisenhaus, in dem auch Laura einen Großteil ihrer Kindheit verbracht hat. Das Ehepaar arbeitet an einer Wiedereröffnung, während der Sohn immer neue unsichtbare Freunde findet. Durch sie scheint er Dinge zu erfahren, die er gar nicht wissen könnte, was Lauras Labilität verstärkt. Als er am Tag der Eröffnungsfeier scheinbar spurlos verschwindet, und es ab da zu spuken scheint, versucht Laura mit ganzer Kraft ihren Sohn zu finden. Zugegeben, die Filmbeschreibungen in dieser Liste sind denkbar kurz und sporadisch. „The Orphanage“ strotzt vor überraschenden Wendungen und spannenden Storysträngen, die auch mal ins Nichts führen können. Regisseur Juan Antonio Bayona ruht sich nicht auf der Formel „Altes Herrenhaus + Kinder = Horror“ aus, sondern richtet den Fokus auf die Bemühungen der Protagonistin, ein halbwegs normales Leben zu führen. Hier findet man nicht nur Mystik, Grusel und Spannung, sondern auch ernstgemeinte Emotionen.

#7 The Ring (USA, 2002) 

Ja, es ist nicht nur das Remake des japanischen Horrorklassikers, sondern auch noch das amerikanische Remake. Es gibt Vorurteile, die werden so häufig bestätigt, dass sie einem irgendwann als Wahrheit scheinen mögen. Doch Ausnahmen gibt es trotzdem, und Gore Verbinskis Version von Ringu ist eine. Naomi Watts spielt eine alleinerziehende Journalistin, deren Nichtes Leiche grausig entstellt entdeckt wurde. Angestachelt von mysteriösen Umständen, will sie dem Rätsel eines Videos auf die Spur kommen, dass das Mädchen kurz vor ihrem Tod gesehen haben soll. Leider entpuppt Video selbst als Todesurteil, das innerhalb sieben Tage vollstreckt werden wird. Nicht genug, dass sie um ihr eigenes Leben fürchten muss, denn ihr Sohn hat das Video auch angeschaut.
Schon allein das Horrorfilmchen auf dem Video ist wie ein artsy-fartsy Kunstfilm. Und auch die übrigen Locations, wie die Hütte im Wald, und sogar die Großstadtszenen lösen das instinktive Dilemma zwischen Genießen und Fürchten aus. Verbinski schafft die Balance zwischen spannendem Thriller und echtem Psychohorror.

#6 Audition (Ōdishon; Japan, 2000)

„Alle Japaner sind einsam“, sagt ein befreundeter Filmproduzent (Jun Kunimura) zu dem Witwer Shigeharu Aoyama (Ryo Ishibashi). Und daran muss irgendetwas dran sein, sonst hätte Aoyama nicht in den Plan des Freundes eingestimmt, ein Fake-Casting für eine potenzielle Partnerin für den Witwer zu veranstalten. Anfangs ist Aoyama von der bescheidenen Asami Yamazaki (Eihi Shiina) noch verzaubert. Doch als sie spurlos verschwindet, werfen die Ungereimtheiten in ihrer Bewerbung viele Fragen auf. Takashi Miike trägt seinen Ruf als äußerst kontroversieller Regisseur nicht umsonst. Er nimmt sich die Zeit, die Story des Hauptdarstellers ohne offensichtlichen Grusel zu etablieren, um später mit voller Härte durchzugreifen. Starke Farben, ver-rückte Kameraeinstellungen und das langsame Tempo, lassen das Publikum trotzdem auf der Sesselkante hocken.

#5 Paranormal Activity (USA, 2007) 

Durch die fixierte Kamera im Schlafzimmer des Ehepaares, hat man das Gefühl, gezwungenermaßen etwas zu sehen, was man gar nicht wissen wollte. Und Micah (Micah Sloat) und Katie (Katie Featherston) hatten diese Kamera nicht installiert um sich an hauseigenen dreckigen Aufnahmen zu erfreuen, sondern um die unheimlichen Dinge zu dokumentieren, die nachts bei ihnen geschahen. Um den Film so wahrheitsgetreu wie möglich zu machen, ließ Regisseur Oren Peli ein echtes Wohnhaus umbauen und das Skript im Großen und Ganzen weg. Fast im Alleingang stellte Peli seinen Film auf die Beine, inspiriert von seinen eigenen Überlegungen, sein Haus mit Überwachungskameras auszustatten. Der Film zeigt, dass Menschen instinktiv auf bestimmte Reize reagieren. So braucht es kein CGI-Monster um zu schlottern, es reicht zu wissen, dass es etwas gibt was man nicht kontrollieren kann.

#4 REC (Spanien, 2007) 

In Amerika, und nur in Amerika, geht die Welt unter, gibt es Terrorismus und auch alle Arten dämonischen Treibens. Wie leid einem die leinwand-schen Amerikaner auch tun, man ist schon froh im französischer-Liebesfilm und britische-Komödie-Europa zu leben. Und dann kam REC. Moderatorin Angela (Manuela Velasco) und Kameramann Manu (Ferran Terraza) geraten während ihrer Arbeit mit einer Feuerwache aus Barcelona mitten ins Geschehen. Der Rettungseinsatz in einem Wohnhaus läuft nicht ganz wie erwartet, denn nachdem sie von einer aggressiven, aber desorientierten Hausbewohnerin angegriffen wurden, dürfen sie das Haus nicht mehr verlassen. Es heißt, dass sie unter Quarantäne stehen, doch leider sind mit ihnen auch Infizierte eingesperrt worden. Jaume Balagueró und Paco Plaza führten gemeinsam Regie des realitätsnahen Albtraums. Found-Footage ist unheimlich (siehe V/H/S), vor allem wenn man gerne alles sehen würde, aber die Person, die die Kamera hält auf dem Boden liegt und man die Schritte hinter ihr nur erahnen kann.

#3 A Tale of Two Sisters (Janghwa, Hongryeon; Südkorea, 2003)

Vor einem scheinbar idyllischen Herrenhaus in der Pampa hält ein Familienwagen. Die Schwestern Su-mi (Lim Su-jeong) und Su-yeo (Moon Geun-yeong) kehren nach einem Psychiatrieaufenthalt zurück. Die Stiefmutter (Yeon Jeong-ah) versucht sich mit den beiden gut zu stellen, aber irgendwie ist die Vater-Mutter-Kinder-Situation sehr angespannt. Da hilft auch der perfektionistische Ordnungswahn der Stiefmutter nicht, denn irgendwas an diesem Leben ist kaputt und falsch.
In ästhetisch sehr ansprechenden Bildern enthüllt Regisseur Kim Jee-woon Stückchen um Stückchen des Familiengeheimnisses. Schon nach ein paar Szenen wird das Publikum mit dem Grauen konfrontiert, vor dem man auch die restlichen eineinhalb Stunden schlottern wird. Und wer danach noch denkt, dass lange schwarze Haare nicht zum Fürchten sind, hat den Film offensichtlich verschlafen.

#2 V/H/S (USA, 2012)

Found-Footage ist an sich schon irgendwie gruselig. Dies liegt daran, dass der Mensch sehr leicht zu manipulieren ist. Ist eine Einstellung aalglatt, kann sie unmöglich echt sein, denn irgendwer steht ja hinter der Inszenierung. Sieht die Einstellung jedoch aus, als hätte man sie mit der eigenen Handykamera gefilmt, hat man das Gefühl einen Teil der Realität zu sehen, der dem bloßen Auge verborgen ist. Und diesen Effekt nutzen die fünf Regisseure des Episodenhorrorfilms schamlos aus. Die Rahmenhandlung begleitet Amateurfilm-Rowdies. Diese hören von einem todsicherem und viel Kohle bringenden Job, bei dem sie nur ein Video aus einem Pensionistenhaushalt mitgehen lassen müssen. Eingebrochen sind sie schnell, doch gibt es in dem Haus nicht nur ein Video. Und außerdem, warum zum Teufel setzt sich jemand überhaupt mit dem Rücken zu einer scheinbar reglosen Person und filmt dabei die Tür? Das Publikum ist den Episoden hilflos ausgeliefert, schließlich weiß man weder wie die Atmosphäre des nächsten Kurzfilms sein wird, noch welches Grauen lauert.

#1 Drag Me to Hell (USA, 2009)

Sam Raimi hat einen starken Ruf, den er seit den 1970ern hegt und pflegt. Und dieser Ruf hat was mit satirischem Galgenhumor, ganz viel Kunstblut und seiner Kopf-durch-die-Wand Mentalität zu tun. Bankangestellte Christine Brown (Alison Lohman) möchte auch mal befördert werden und sieht sich deswegen gezwungen, den Kredit einer alten Zigeunerin nicht zu genehmigen. So wie es das Stereotyp will, wird Christine von der alten Dame verflucht. Der Fluch beschwört einen Dämon herauf, der sie nach drei Tagen ärgster Belästigung in die Hölle mitnehmen soll. Christine setzt alles daran den Bann zu brechen, aber einfach ist es nicht.
Dieser Film hat so viele gute Seiten. Er ist sehr humorvoll, hat kreative Horrorszenen, und verliert trotzdem nicht den Alltag der Hauptdarstellerin aus den Augen. Dies ergibt eine Mischung, bei der man eine Szene gleichzeitig kichernd und kreischend durchleben kann. Nie weiß man, was hinter dem nächsten Cut lauert. Und so kunstvoll wird man gerne auch mal an der Nase herumgeführt.

 

 

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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