BÜCHERBÖRSE

Last Vegas - Hangover für Pensionäre

Las Vegas:  Am Hotel Paris (c) ebo/piqs.de
Las Vegas: Am Hotel Paris

Im Jahr 2010 spielte Morgan Freeman eine Rolle im Film „R.E.D.“- Älter - Härter - Besser“, dessen Hauptidee darin bestand bekannte Hollywoodgrößen als Spione in Rente ins Gefecht zu schicken und dabei immer wieder auf das fortgeschrittene Alter seiner Protagonisten hinzuweisen. Im Jahr 2013 spielt Morgan Freeman eine ähnliche Rolle an der Seite seiner nicht ganz unbekannten Kollegen Kline, Douglas und De Niro. Dieses Mal bekommt er es aber nicht mit bewaffneten CIA-Agenten zu tun, sondern mit der schmerzlichen Tatsache, dass er als alter Mann eben nicht mehr so heftig feiern kann (oder sollte) wie er es früher konnte.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Die vier Senioren Billy (Michael Douglas), Paddy (Robert De Niro), Archie (Morgan Freeman) und Sam (Kevin Kline) sind seit ihrer Kindheit im New Yorker Viertel Brooklyn miteinander befreundet. Als Billy die Hochzeit mit der 30 Jahre jüngeren Lisa plant, treffen sich die vier Freunde zu einem Junggesellenabschied in Las Vegas. Dazu muss Archie zunächst seinem sehr fürsorglichen Sohn entkommen, der seinen Vater seit einem Schlaganfall wie ein unmündiges Kind behandelt. Sam hingegen erhält von seiner Frau Miriam die Erlaubnis für einen Seitensprung, wodurch sie ihr eingeschlafenes Sexleben wieder in Schwung bringen möchte. Paddy hingegen hat sich nach dem Tod seiner Frau komplett aus dem Freundeskreis zurückgezogen und lebt griesgrämig in den Tag hinein. Überdies hat er sich mit Billy zerstritten und redet schon seit einiger Zeit nicht mehr mit ihm. Nur mit einer List gelingt es den drei Freunden, Paddy nach Vegas zu locken.

Klingt irgendwie bekannt, oder?

Die Ähnlichkeiten zum Comedy Hit „Hangover“ sind allzu auffällig und leider schafft es „Last Vegas“ über seine komplette Laufzeit leider nur selten aus dem Schatten des thematischen Vorbilds zu treten.

Dabei sind die Vorrausetzungen eigentlich ideal. Der Cast könnte besser nicht sein und auch Regisseur Jon Turteltaub („Cool Runnings“) hat schon unter Beweis gestellt, dass er augenzwinkernde Komödien drehen kann. Leider wird das dramatische Potential, was eine Junggesellenabschiedsparty mit vier Rentnern mit sich bringt viel zu oft zu Gunsten von Klamauk hergeschenkt. Zu billig sind streckenweise die Versuche einen Lacher zu erhaschen und spätestens wenn Redfoo von der Partyband LMFAO mit seinem Schritt vor Robert de Niros Gesicht herumwedelt, keimt der Wunsch auf, man hätte sich doch lieber noch einmal den Paten ausgeliehen.

Den vier Hauptdarstellern kann man jedoch mangelnden Einsatz oder fehlende Freude an der Sache nicht vorwerfen, im Gegenteil, immer wenn sie sich gegenseitig mit ihren altersbedingten Problemen aufziehen („Ich habe Hämorrhoiden, die älter sind als deine Freundin“) punktet der Streifen mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die ihm sonst oftmals abgeht. Anstatt das Konfliktpotential voll auszuschöpfen gibt es ewig lange Aufnahmen von gut proportionierten Frauen in Bikinis und gefühlte hundert Aufnahmen der vier Pensionäre wie sie Alkohol aus verschieden großen Gefäßen zu sich nehmen.

Im Endeffekt passiert auch nicht viel mehr - die unausgegorenen Konflikte werden rasch aufgelöst und während der Abspann läuft hat man das ungute Gefühl „Hangover 4 - The Older Generation“ gesehen zu haben, als einen Film dessen Hauptdarsteller insgesamt 6 Academy Awards erringen konnten. Einen gewissen Unterhaltungswert kann man dem Film aber nicht absprechen, zu gut sind die tragenden Schauspieler und wer hat keinen Spaß daran 4 Oscarpreisträgern dabei zuzuschauen wie sie die Preisrichter bei einem Bikiniwettbewerb mimen? Ein All Star Cast macht immer Spaß, egal ob er es mit feindlichen Spionen aufnehmen muss oder mit einem künstlichen Hüftgelenk.

Ab 15.11. im Kino

 

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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