BÜCHERBÖRSE

3Views on: Die Tribute von Panem - Catching Fire

Der zweite Teil der Panem-Reihe (c) Lionsgate
Der zweite Teil der Panem-Reihe

Geschrieben von Daniela Koenig, Tanja Kling und David Klotz

Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) letztes Jahr wider Erwarten und gänzlich zum Missfallen der Regierung zu zweit die alljährlichen Hungerspiele gewonnen haben, sollten sie eigentlich im Ruhestand sein. Doch auf ihrer Siegertour durch das ganze Land, wird ihnen bewusst, dass Katniss’ Aufmüpfigkeit Panem in Aufruhr versetzt hat. Sie ist zum Symbol des Widerstandes geworden. Da das Kapitol sie loswerden will, kommt ihnen das diesjährige Jubel-Jubiläum gerade recht. Alle 25 Jahre wird der Sieg des Kapitols gefeiert und die Spiele werden besonders ausgefallen gestaltet. Zu diesem Anlass sollen nicht zwei neue Tribute auserwählt werden, sondern zwei aus dem bestehenden Pool der Gewinner. Das bedeutet für Katniss und Peeta ein erneutes Betreten der Arena.

Auch neben der oskarprämierten Jungschauspielerin, glänzt der Film mit hochkarätiger Besetzung: Woody Harrelson (Now You See Me), Elizabeth Banks (Scrubs), Donald Sutherland, Lenny Kravitz, Liam Hemsworth, Stanley Tucci (Terminal) und zahlreiche andere bekannte Gesichter.

Acht Punkte und drei Meinungen sollen euch einen umfangreichen und differenzierten Einblick geben.

Das war herausragend

Daniela: Besonders interessant war, wie sich das Leben und die Menschen in den einzelnen Bezirken der Zukunftsnation Panem durch die Hoffnung, die ihnen Katniss vermittelt, verändern. Außerdem sind die unglaublichen Kostüme und Masken, besonders jene von Katniss und Effie hervorzuheben.

Tanja: Die verschiedenen Settings waren gigantisch. Man merkt, dass verdammt viel Geld in diesen Film geflossen ist. Auch die Animationen waren beeindruckend, Fiktion und Realität sind kaum mehr zu unterscheiden. 

David: Die unglaubliche Symbolträchtigkeit macht den Film aus. Im ständigen Existenzkampf gegen ein tyrannisches Regime, werden Medien zum essentiellen Manipulationsgegenstand. Nicht ganz neu, aber ziemlich aktuell.

Das war echt mies

Daniela: Mieses gibt es an dem Film nicht zu beanstanden. Fieses allerdings schon: die Tatsache, dass man nun geduldig auf den nächsten Teil der Hunger Games-Serie warten muss.

Tanja: Eine richtig miese Szene gab es für mich nicht. Nur beim Interview zwischen Flickerman und Peeta hatte ich einen kurzen Anflug von Fremdschämen.

David: Der gesamte Aufbau war etwas unausbalanciert. Zu lange wird erklärt, wer mit wem wie in Verbindung steht und vor allem die Hungerspiele waren in Teil 1 besser inszeniert. Gerade die Outdoor-Arena wirkte ziemlich unecht und studio-esk, aber vielleicht war das ja gewollt. 

Schauspielerische Leistung

Daniela: Neben Jennifer Lawrence mit ihrer beeindruckenden Leistung, überzeugen außerdem besonders Elizabeth Banks als Effie Trinket, die in diesem Teil eine andere Seite als bisher von sich zeigt, sowie Neuzugang Sam Claflin als Finnick Odair.

Tanja: Schon im ersten Teil war Jennifer Lawrence herausragend, daran hat sich nichts geändert. Aber auch die Nebencharaktere können sich sehen lassen – besonders beeindruckend war für mich Jenna Malone als Johanna Mason.

(c) LionsgateDavid: Jennifer Lawrence spielt überzeugend Hysterie, Verzweiflung, Zusammenbruch und wechselt in Sekundenschnelle. Aber gerade in den ruhigeren Momenten am
Beginn versagt die Überzeugungskraft. Nebenrollen, wie Elizabeth Banks (!), Stanley Tucci und Donald Sutherland, schaffen mit dezenter Mimik eine unglaubliche Tiefe.

Die beste Szene

Daniela: Es gibt einige romantische Szenen zwischen Katniss und Peeta, die an dieser Stelle erwähnt werden müssen. Gar nicht romantisch, aber ebenfalls im Gedächtnis geblieben: Die Tribute werden während der Hungerspiele von wildgewordenen Affen attackiert und man weiß in dem Moment nicht, ob den Angriff jemand überleben wird.

Tanja: Definitiv die Punktebewertung der Fähigkeiten der Kandidaten mit Katniss! Wütend wie sie ist, nachdem sie schmerzhaft an den Tod von Rue erinnert wird, liefert sie Ihnen eine Vorstellung, die die Szene aus dem 1. Teil um Längen schlägt.

David: Die Aufzugszene. Einfach anschauen und genießen.

Die emotionale Aufarbeitung

Daniela: Von Trauer über die Gefallenen der letzten Spiele und Spannung bei den aktuellen Hunger Games, bei denen die Teilnehmer wieder mit bösen Überraschungen konfrontiert werden, bis hin zu großen Emotionen in Bezug auf die Liebe, bei der sich Katniss hin und her gerissen fühlt, ist alles dabei.

Tanja: Die emotionale Umsetzung war wunderbar. Besonders gut gefallen haben mir die Szenen, die mit Rue verbunden sind. Man fiebert die ganze Zeit über mit, es gab für mich keine Szenen, die bedeutungslos oder langweilig wurden.

David: Zu Beginn war der Film für mich zu Romantik-lastig und später vor allem im Hinblick auf Zweikampfszenen zu ängstlich inszeniert. Aber prinzipiell eine Hochburg emotionaler Hintergrundgeschichte gemischt mit sich selbst übertreffenden Actionszenen.

Der Vergleich zur Buchvorlage und zum ersten Film

Daniela: Der zweite Film steht dem ersten in nichts nach. Er setzt schauspielerisch, sowie in Sachen Kostüm, Make Up, Szenenbilder und Story noch einen drauf und sorgt trotz seiner Länge für Spannung bis zur letzten Minute.

Tanja: Einen Film zu drehen, der einer Buchvorlage gerecht wird, ist immer schwierig. In meinem Fall war ich von dem ersten Teil enttäuscht, von der Umsetzung des zweitens Teils dagegen sehr positiv überrascht. Sicher, der Teufel steckt im Detail, auch hier fehlen einige Einzelheiten – manche mehr, manche weniger. Alles in Allem aber Daumen hoch für eine grandiose Umsetzung der Buchvorlage.

David: Die Verfilmung ist deutlich weniger komplex als die Vorlage, das ist nachvollziehbar. Doch einige Details hätten so manche Charaktere facettenreicher gestaltet oder einige Handlungsstränge nicht als „übereilt“ dahergebracht. Ansonsten fantastisch umgesetzt – und mit 146 Minuten doch ziemlich lang.

Wer sich den Film anschauen soll

Daniela: Alle, die bereits seit dem ersten Film sehnsüchtig auf den zweiten Teil warten, werden nicht enttäuscht werden. Aber auch jenen, die sich für den ersten Teil nicht begeistern konnten, sei der zweite Teil Catching Fire ans Herz gelegt. Es ist einen Kinobesuch wert, denn ziemlich sicher wird er auch euch diesmal überzeugen.

Tanja: Jedenfalls alle, die begeisterte Leser waren – es wird keine bösen Überraschungen geben. Prinzipiell ist die Story eine Mischung aus Action, Romance und Sci-Fi und daher sowohl für Männlein wie Weiblein geeignet, es gibt also keine Ausreden!

David: Es ist wirklich für so ziemlich jeden was dabei. Ganz viel Action aber mit unglaublich viel Moral dahinter – dieser Film glaubt an die Mündigkeit des Publikums und ist weit davon entfernt ein reiner Jugendfilm zu sein.

Ein wohlüberlegtes Fazit

Daniela: Liebe, Trauer, Spannung und Action vereint in einer fesselnden Story mit überzeugenden Schauspielern, darunter außerdem interessante neue Charaktere, machen Catching Fire zu einem MUST-SEE-Film und zu einem Kinoerlebnis, das ihr nicht verpassen solltet!

Tanja: Müsste ich Sterne vergeben, wären es wohl viereinhalb Sterne von fünf. Mini-Abzug gibt es für die vielen „romantischen“ Katniss und Peeta Elemente, die mich schon im Buch genervt haben. Ein großes Plus dagegen gibt es für die größere Einbindung der Rolle von Gale, die gute Umsetzung und die wirklich atemberaubenden Kulissen!

David: Die zahlreichen, hervorragenden  Schauspieler schaffen Authentizität und verleihen dem Ganzen einen glaubwürdigen Epos-Status. Ein Cliffhanger macht definitiv Lust auf mehr. Da könnte man fast darüber hinweg sehen, dass der letzte Band schon wieder (unnötig) in zwei Filme gesplittet wird – fast.

Eine ausgebaute Adaption der Formatidee von franzmagazine.com

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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