BÜCHERBÖRSE

this human world Filmfestival: Programm

this human world Filmfestival: Programm (c) this human world

Vom 5. bis 12. Dezember findet die sechste Ausgabe des internationalen Filmfestivals der Menschenrechte in Wien statt (wir berichteten). Wir präsentieren hier die diesjährigen Festivalschwerpunkte. Das gesamte Filmprogramm ist hier abrufbar.

Schwerpunkt this human EDUCATION

Das Thema Bildung ist einer der zentralen diesjährigen Festivalschwerpunkte. Nicht zuletzt angeregt durch die #unibrennt-Bewegung in Österreich und die enorme Präsenz dieses Themas während des vergangenen Wahlkampfes und der daraus resultierenden Debatten werden auch die weltweiten Protestbewegungen beleuchtet und auf die nach wie vor anhaltende Bildungsmisere im Schul- und Ausbildungsbereich hingewiesen. THE REAL SOCIAL NETWORK zeigt, wie Social Media dem Protest eine neue Form geben und wie sich die Energie der Londoner Bewegung auf das ganze Land ausbreitet. THE BLOCKADE hingegen bietet einen tiefen Einblick in die Besetzung der Philosophischen Fakultät der Zagreber Universität – bis dato handelt es sich hierbei um den größten Studierendenprotest in Kroatien. Gerade in Österreich wird die Bildungsdebatte seit Jahrzehnten mit einer besonderen Emotionalität geführt – ein Grund mehr, den österreichischen Dokumentarfilm #UNIBRENNT – BILDUNGSPROTEST 2.0 noch einmal zu zeigen, um anschließend über den Status Quo der österreichischen Bildungsmisere zu diskutieren.

Die 16jährige pakistanische Bloggerin und Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai wird im Dokumentarfilm MALALA: A GIRL FROM PARADISE von Mohsin Abbas portraitiert; mit bisher nie gezeigten Aufnahmen skizziert der Film die Situation vor und nach dem 2012 durch die Taliban verübten Anschlag und lässt Schulfreunde, die Familie und andere Wegbegleiter zu Wort kommen. EDUCATION, EDUCATION durchleuchtet das Zweiklassen-Hochschulsystem in China und lässt wenig Raum für die Hoffnung der ärmeren Bevölkerung im Lande. Was unter anderem Energieknappheit mit Bildung zu tun hat, verdeutlicht der Dokumentarfilm BLACK OUT von Eva Weber eindrucksvoll.

Schwerpunkt LGBTI-RIGHTS WORLDWIDE

Einen zentralen Part des Festivals nimmt dieses Jahr der Schwerpunkt LGBTI-Rights Worldwide. Dabei richtet this human world sein Augenmerk unter anderem auf die nach wie vor herrschende Homophobie, so zum Beispiel in BORN THIS WAY von Shaun Kadlec & Deb Tullmann, wo besonders eindrucksvoll vor Augen geführt wird, wie verstörend die Lebensrealitäten von Menschen in Kamerun sind, die ihre Liebe und ihre Gefühle schlichtweg nicht leben dürfen. Der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm CALL ME KUCHU von Katherine Fairfax Wright und Malika Zouhali-Worrall zeigt den verzweifelten Kampf der LGBTI-Gruppen in Uganda gegen ein drohendes Gesetz, das Homosexualität mit der Todesstrafe belegen soll. Im Zuge des Schwerpunktes werden unter anderem der Ugander und LGBTI-Aktivist Eric Bwire oder auch der amerikanische Oscar-Preisträger Roger Ross Williams mit seinem Film GOD LOVES UGANDA Gäste des Festivals sein. Mit INTERSEXION von Grant Lahood wird der Frage nach dem „Was nun?“ nachgegangen, wenn das Geschlecht von Neugeborenen nicht eindeutig bestimmt werden kann. Dass dies nicht verschämt hinter verschlossenen Türen passieren muss, sondern auch einfühlsam und selbstbewusst geht, zeigt der Dokumentarfilm von einer bisher kaum gezeigten Seite in einem herzerwärmenden Mix aus Tragik und Komik. MY CHILD von Can Candan zeigt Mütter und Väter in der Türkei, deren Kinder sich geoutet haben und die nun in einer doch recht homo- und transphoben Gesellschaft mit ihren Kindern sowohl traumatische als auch sehr berührende und schöne Momente durchleben. Der Dokumentarfilm AMERICAN VAGABOND gewährt einen Einblick in die Situation eines queeren Jugendlichen aus einer amerikanischen Kleinstadt, der Schutz im „Schwulen-Mekka“ San Francisco sucht.

Schwerpunkt WOMEN MAKE MOVIES (WMM)

Frauen und ihre Rollen im Filmbusiness, die nicht zuletzt auch in Österreich minimal sind, stehen im Mittelpunkt der Kooperation mit der in New York ansässigen und aus der feministischen Szene heraus gegründeten Non-Profit-Organisation Women Make Movies, die es sich bereits seit 1972 zum Ziel gemacht hat, auf die Sichtbarmachung der Unterrepräsentation von Frauen in der Medienindustrie hinzuweisen und Zeichen zu setzen. Women Make Movies unterstützt und fördert Frauen in allen möglichen Bereichen des Filmschaffens bis hin zur Verwertung.

Gezeigt werden:
THE MOSOU SISTERS von Mario Poras | USA / China 2012
BAY OF ALL SAINTS von Annie Eastman | USA / Brasilien 2012
SALMA von Kim Longinotto | Großbritannien / Indien 2013
THE GREY AREA: FEMINISM BEHIND BARS von Noga Ashkenazi | USA 2012
ALL WATER HAS PERFECT MEMORY von Natalia Almada | Mexiko / USA 2001

Schwerpunkt this human WORKS

Im Rahmen des Festivalschwerpunktes this human WORKS blickt das Festival hinter die Kulissen moderner Arbeitswelten, und was passiert, wenn Menschen aufgrund wirtschaftlicher und politischer Gegebenheiten keine Arbeit finden und sich auf die Suche nach unterbezahlten oder unkonventionellen Alternativen machen; so etwa in RENT A FAMILY INC., wo ein mittlerweile boomendes Gewerbe in Japan genauer durchleuchtet wird, nämlich die Mietmöglichkeit von Menschen, die sich für spezielle Anlässe als Freund, Geschäftspartner oder Verwandter ausgeben. Ein eindrucksvolles Plädoyer für Pressefreiheit in China liefert Stephen Maing mit HIGH TECH, LOW LIFE während in REPORTERO von Bernardo Ruiz Mexiko und die Arbeit der kritischen Mitarbeiter der Zeitung Zeta im Zentrum stehen. Im Spielfilm THE PARTICLE von Erdem Tepegöz wird die Arbeitslosenrate und die damit einhergehende extrem schwierige Situaton von Frauen in der türkischen Metropole Istanbul beleuchtet.

Zu allen Schwerpunkten gibt es verschiedene Diskussionen und Lectures.

 

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
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