BÜCHERBÖRSE

2Views on: Der Hobbit - Smaugs Einöde

Die Reise geht weiter (c) Warner Bros.
Die Reise geht weiter

Geschrieben von Birgit Mühl und David Klotz

Der langerwartete zweite Teil des Hobbits ist endlich in den Kinos. Was bisher geschah: 13 Zwerge, Gandalf (Ian McKellen) und der Hobbit Bilbo (Martin Freeman) sind auf der epischen (und dementsprechend langen) Reise, um das verlorene Zwergenkönigreich unter dem Einsamen Berg zurück zu erobern. Die Hälfte ist bisher geschafft. Nun geht die abenteuerliche Reise weiter und führt schlussendlich in die riesigen Hallen Erebors. Eigentlich einfach, wäre da nicht der Drache Smaug, der seit vielen Jahren auf seinen Gold- und Edelsteinbergen schläft und das Königreich für sich beansprucht.

Neben den Schauspielern des ersten Teils sind diesmal auch Evangeline Lilly (bekannt aus Lost) als Elbe Tauriel, Luke Evans (Fast&Furious 6, Krieg der Götter) und Benedict Cumberbatch (Sherlock) als Smaugs Stimme dabei. Auch Legolas (Orlando Bloom) beehrt uns wieder.

Acht Punkte und zwei Meinungen sollen euch einen umfangreichen und differenzierten Einblick geben.

Das war herausragend

Birgit: Smaugs Einöde lebt auf jeden Fall von den großartigen Bildern. Einerseits von der neuseeländischen Landschaft, die selbst schon atemberaubend ist, anderseits von den Bildern, die am Computer entstanden sind. Es wird eine Welt geschaffen, die einem einlädt, zumindest für 2 Stunden und 40 Minuten, Teil des Abenteuers zu sein. Der 3D-Effekt verstärkt diesen Eindruck zusätzlich, nur darauf einlassen muss man sich noch selbst.
David: Peter Jackson wollte mit Smaug einen neuen Drachen-Standard setzen, um dem Vorbild von Tolkien gerecht zu werden und es ist ihm gelungen. Wirklich einer des besten Drachen seit langem. Er ist nicht nur unglaublich schön anzusehen, sondern hat auch noch Charakter. 

Das war echt mies

Birgit: Martin Freeman kann mich auch im zweiten Teil nicht wirklich überzeugen. Diese Momente,  wenn er nachdenkt und dann die rettende Idee aus dem Ärmel schüttelt, irritieren mich und erinnern mich ein bisschen zu sehr an das Naserubbeln von Wickie aus Wickie und die starken Männer – und das reißt einem dann schon etwas zu gewaltsam aus der mystischen Welt von Mittelerde.
David: Eine Dreiecksbeziehung zwischen zwei Elben und einem Zwerg? WTF.

Schauspielerische Leistung

Birgit: An der schauspielerischen Leistung der verschiedenen Schauspieler gibt es nicht viel zu bekritteln aber auch nicht viel zu loben. Jeder spielt seine Rolle solide, doch viele der Charaktere wirken etwas flach, was wohl an der großen Anzahl von Figuren liegt, denen der Film nicht genügend Entfaltungsraum bieten kann. Positiv fiel mir hingegen Lee Pace als der Elbenkönig Thranduil auf, der diesen speziellen Gesichtsausdruck, der einerseits kalt und gefühllos scheint, hinter dem aber so viel mehr steckt, perfekt aufsetzen kann. Und dennoch verliert er diesen würdevollen Elbenglanz nicht, wenn Wut aus seinen Augen blitzt. Fantastisch.
David: Besonders Ian McKellan belebt seine Rolle. Aber auch Nebenrollen wie Sylvester McCoy (als Radagast) oder Evangeline Lilly bringen Witz, Emotionen und Leben in den Film. Obwohl die Zwerge durchaus überzeugend sind, wirken einige übertrieben ulkig. Immer noch unglaubwürdig sind Charaktere wie Fili (und auch Thorin) vor allem durch ihr unpassend ästhetisches Äußeres. Ein Zwerg mit Spitznase und Drei-Tage-Bart ist kein Zwerg. Punkt.

Die beste Szene

Birgit: Eine Kampfszene, bei der 13 Zwerge und ein Hobbit in Holzfässern einen Fluss hinuntertreiben, Elben gegen Orks und Orks gegen Zwerge und den Hobbit kämpfen, muss einfach die beste Szene im Film sein.
David: Die Szene, in der die Zwerge mit Bard um Überfahrt feilschen ist eine der witzigsten im Film. Aber die Umsetzung von Bilbos Gespräch mit Smaug ist wirklich gut gelungen. Auch wenn sie paradoxerweise weniger umfangreich ausgefallen ist, als im Buch. 

Die emotionale Aufarbeitung

Birgit: Smaugs Einöde ist eine abenteuerliche Geschichte, die teils sehr dramatisch inszeniert wird, dann aber wieder durch komische Momente aufgelockert wird. Die kleine romantische Verwicklung zwischen dem Zwerg Kili (Aidan Turner) und der Elbin Tauriel  trägt zwar zur Geschichte nicht viel bei, ist aber auf emotionaler Ebene eine Bereicherung für den Film.
David: Während der erste Teil des Hobbits nur schleppend voran kam und ein langsames Tempo vorgab, ist der zweite Film das genaue Gegenteil. Ein actionreiches Abenteuer voller Spannung, Kämpfe und einer Portion Witz. Wenn es auch stellenweise erzwungen gewirkt hat, soll es doch genau so sein.

Vergleich zur Buchvorlage & zum ersten Film

Birgit: Der erste Film wurde wegen der langen einführenden Anfangssequenz stark kritisiert, dies wurde bei Smaugs Einöde vermieden. Nach einer kurzen Erinnerung für das Publikum, warum und wohin die Gefolgschaft überhaupt unterwegs ist, wird es sofort spannend. Was ich jedoch vermisst habe, war der Zwergengesang, der mir im ersten Teil einen Gänsehautmoment verschafft hat.
David: Wieder lässt sich erkennen, dass dies eine Kinderbuchadaption für Erwachsene ist. Während das Buch durchaus fröhlich ist, bleibt hier stets ein düsterer Ton im Vordergrund. Gerade Smaug verliert im Film etwas an seiner Raffinesse. Während er im Buch intelligent durchtrieben ist, verfällt er hier manchmal wieder in typische Hau-drauf-Drachenklischees. Auch die hinzugefügten Charaktere Tauriel und Legolas erhielten eine etwas zu große Rolle.  Zugespitzt könnte man behaupten, die Ideen und die Chronologie sind das einzige, das dem Buch treu geblieben sind, aber sei’s drum, hier könnte man eine Liste führen. Rein vom Inhalt bleibt trotz der vielen anderen Dinge, die in den Film geschrieben wurden, nicht mehr viel für den dritten Film übrig. Bei der durchschnittlichen Länge der Filme (165 Minuten) kann Peter Jackson jeder der verbleibenden ca. 70 Seiten theoretisch 2,5 Minuten widmen.

Wer sich den Film anschauen soll

Birgit: Jeder, der der Liebe zu Mittelerde verfallen ist und zumindest für 2 Stunden und 40 Minuten in diese magische Welt eintauchen möchte. Besonders auch jene, die vom ersten Teil enttäuscht waren, sollten dem zweiten Teil eine Chance geben.
David: Jeder, dem Der Herr der Ringe gefallen hat oder von Der Hobbit: Eine unerwartete Reise endtäuscht war. Das 3D lohnt sich wirklich, HFR sollte gemieden werden.

Ein wohlüberlegtes Fazit

Birgit: Für mich ist Smaugs Einöde auf jeden Fall einen Kinobesuch wert. Es passiert wahnsinnig viel und es gab für mich keinen Moment, in dem ich nicht gespannt auf die Leinwand geblickt habe, was bei Filmen, die so lange dauern, schon für sich spricht.
David: Der zweite Teil des Abenteuers ist wesentlich besser als der erste. Auch dramaturgisch ist die Verfilmung clever aufgebaut, so dass sie nicht zu einem Brückenfilm verkommen ist. Allgemein lässt das epische Mittelerde-Feeling jedoch etwas missen. To much Hollywood möchte man meinen. Besonders das Lied während des Abspanns spricht für dieses Dilemma exemplarisch Bände.

 

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David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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