BÜCHERBÖRSE

Betty Anne Waters – Conviction

Die Geschichte einer Frau, die als einzige an die Unschuld ihres verurteilten Bruders glaubt und alles dafür tut, um diesen die Freiheit zu schenken. 

Ab 18. August ist der Film "Betty Anne Waters" mit Oscarpreisträgerin Hilary Swank auf DVD erhältlich. Der Film erzählt die wahre Geschichte von den Geschwistern Betty Anne (Swank) und Kenny Waters (Sam Rockwell), die in Massachussetts aufwachsen. Doch als Kenny Waters 1980 für einen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt wird, ist Betty Anne die einzige, die von seiner Unschuld überzeugt ist. Die arbeitslose Betty Anne beginnt Jura zu studieren, nur um ihrem Bruder zur Freiheit zu verhelfen.

Die Geschichte von Betty Anne

Betty-Anne-Waters c Tobis Film 2Da sich die Eltern von Betty Anne und ihrem Bruder Kenny nicht besonders um sie kümmerten, trieben sie schon als Kinder ihr Unwesen in ihrem kleinen Ort. Sie brachen zum Vergnügen in fremde Häuser ein, um so zu tun, als führten sie dasselbe Leben wie die Familien deren die Häuser gehörten. Somit wurden die Geschwister bald auch der Polizei bekannt. Als plötzlich ein brutaler Mord geschieht, ist Kenny trotz Mangel an Beweisen der erste Verdächtige. Doch da es keine Hinweise auf den Mörder gab, wurde Kenny nicht festgenommen. Bis zwei Jahre später, zwei seiner Ex-Freundinnen angaben, dass er ihnen gestand, den Mord begangen zu haben. Somit kommt es zur Anklage gegen Kenny und er wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Betty-Anne-Waters c Tobis Film 3Seine Schwester Betty glaubt trotz den Aussagen der Ex-Freundinnen Kennys, an seine Unschuld. Sie nimmt sich vor, alles zu geben, ihren Bruder wieder frei zu bekommen. Sie holt ihren Schulabschluss nach und beginnt Jura zu studieren, immer mit der Aussicht, ihrem Bruder zu helfen. Während der Zeit als Studentin wird Betty Anne auf ein neu entwickeltes Verfahren aufmerksam, mit dem man DNS miteinander vergleichen kann. Da am Tatort des Mordes Blut des Täters gefunden wurde, welches mit der Blutgruppe von Kenny übereinstimmt, versucht sie alles um diese sichergestellten Proben aufzustöbern. Sie kann die Beweise Finden und es wird klar, dass es sich nicht um Kennys Blut handelt. Dadurch revidieren auch Kennys Ex-Freundinnen ihre Aussagen und erklären, dass sie von der Polizei gezwungen wurden, gegen Kenny auszusagen. Nach 18 Jahren Haft wird Kenny, allein durch Betty Annes Mühe, freigelassen.

Starke Nebendarsteller und ein wenig Systemkritik

 

Betty-Anne-Waters c Tobis Film 4Hilary Swank, die bereits zwei Oscars für die beste Hauptdarstellerin ihr eigen nennen darf, spielt auch die Rolle der Betty Anne Waters überzeugend. Doch das dürfte Swank, angesichts ihrer Herkunft nicht schwerfallen. So kam sie selbst aus der weißen Unterschicht und musste sich in ihrem Leben durchschlagen, bis sie als Schauspielerin den Durchbruch schaffte. Aber man fragt sich bei „Betty Anne Waters“ ob Hilary Swank nicht schon zu oft die Rolle der unprivilegierten kämpferischen Außenseiterin gemimt hat. Sam Rockwell, der den zu Unrecht im Gefängnis sitzenden Kenny Waters spielt, kann ebenso überzeugen. Doch geht er neben Hilary Swank teilweise unter, da man die meiste Zeit, sie auf dem Bildschirm begutachten kann.

Zwar bekommen die anderen Schauspieler in „Betty Anne Waters“ nur wenige Szenen, doch gerade in diesen brillieren sie. Minnie Driver als Freundin von Betty Anne, ist eine willkommene Abwechslung zu den anderen Mimen, die Rollen aus dem amerikanischen White Trash Milieu darstellen. Doch auch diese Nebenrollen sind bestens besetzt. Melissa Leo, bekannt aus „The Fighter“, wofür sie dieses Jahr mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, gibt die Polizistin, die mit allen Mitteln versuchen will, Kenny ins Gefängnis zu bringen. Juliette Lewis, bekannt aus "From Dusk till Dawn", spielt Kennys Ex-Freundin, und das trotz ihrer kurzen Auftritte überzeugend.  

Betty-Anne-Waters c Tobis Film 6Der Regisseur  Tony Goldwyn will vor allem auf die unglaublich Leistung von Betty Anne Waters aufmerksam machen, die buchstäblich alles versucht um ihrem Bruder zu helfen. Dies erinnert einerseits etwas an den amerikanischen Traum mit dem Motto: Alles ist möglich. Wäre da nicht der bittere Beigeschmack der Ursache all ihrer Bemühungen, die zu unrechte Verurteilung ihres Bruders. Den Film kann man als Justizdrama beschreiben, denn Betty Anne kämpft gegen die Bürokratie und Regeln des Staates. Somit übt Goldwyn auch Kritik am amerikanischen Justizsystem, doch ganz klar ist diese jedoch nicht  zu erkennen. Zwar wird vor allem die Polizistin, gespielt von Melissa Leo, als Manifestierung der Korruption angeprangert, doch weiter geht die Kritik leider nicht.

Auch wenn der Film sich zu stark auf Betty Annes Kampf um die Freiheit ihres Bruders konzentriert, so sind die Rückblenden, die die Kindheit der Geschwister erzählen, ein gelungenes Element, um die innige Bindung zwischen Betty Anne und Kenny darzustellen. Zu kurz kommen aber auch die Entbehrungen, die Betty Anne für die Freiheit ihres Bruders in Kauf nehmen muss. Sie verliert ihre Kinder und muss sich allein durchs Studium schlagen. Die Vereinbarung ihres früheren Lebens mit dem Studium und dem Wunsch Kenny die Freiheit zu schenken, ist für sie nicht möglich. Für ihr Vorhaben, muss sie einiges aufgeben.

Im Film wird mit Absicht nicht erwähnt, dass Kenny Waters, einige Monate nach seiner Entlassung an den Folgen einen Sturzes starb. Man wollte dem Film sein Happy End nicht nehmen, deshalb wurde diese Information nicht in den Film aufgenommen. Betty Anne Waters ist heute Besitzerin einer Bar, in der sie während ihres Studiums kellnerte. Durch ihren außergewöhnlichen Werdegang wurde sie berühmt. Sie arbeitet immer noch bei dem "Innocent Project" mit, durch dessen Hilfe sie auch ihren Bruder aus dem Gefängnis brachte.

 

http://www.youtube.com/watch?v=8pACbPAD1yk

 

Filmdaten


Originaltitel: Concivtion
Genre: Drama
Land: USA
Regie: Tony Goldwyn
Jahr: 2010
Länge: 110 Minuten

Innocence Project: http://www.innocenceproject.org

Christina Schügerl

Christina Schügerl | Redakteurin

christina.schuegerl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

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