BÜCHERBÖRSE

Spoilerfrei: Noah

Baue eine Arche (c) Paramount Pictures
Baue eine Arche

Am 04. April geht es los mit dem biblischen Abenteuer. Die grobe Geschichte dürfte eigentlich bekannt sein, doch wer sich ein plattes, christliches Wiedergekaue alter Erzählungen erwartet, hat weit gefehlt. Sehr weit.

Prinzipiell stimmt die ganze Geschichte ziemlich genau mit dem Original aus der Bibel überein. Sogar Namen, Verwandtschaftsverhältnisse und Vorgeschichten. Ein Pluspunkt, der Erwähnung finden sollte, zumal andere Filme eigentlich meist auf ihre Vorlage scheißen (Ich entschuldige mich für die groben Worte, aber besonders die griechische Mythologie würde eigentlich keiner weiteren Veränderung bedürfen). Aber genug geraunzt, hier geht es schließlich um ein anderes Epos, über das man nur wenig schlechte Worte verlieren kann.

Nachdem es inzwischen eigentlich schon jeder satt hat, dass eine 3D-Brille quasi ein Pflichtaccessoire  im Kino wurde, wird es doch mal Zeit eine Lanze zu brechen. Ja es ist teuer, ja es ist vielfach sinnlos und ja, es gibt (wer weiß warum) immer noch viel zu viele Filme mit schlechtem 3D. Noah ist hier anders. Zusammen mit dem unglaublichen Sounddesign schafft der Film die Möglichkeit, völlig ein- und unterzutauchen. Einmal habe ich mich sogar dabei erwischt, zu schauen, ob es im Saal nicht wirklich regnet. Spoiler: Hat es nicht.

Inszeniert wurde das Großschauspiel von Darren Aronofsky, der vor einigen Jahren auch bei Black Swan Regie führte. Und das merkt man auch, es ist anders, es ist gut (und das auf so vielen Leveln. Lest euch doch mal etwas philosophischer rein!). Um die Tiere geht es eigentlich nur am Rande, es sind die Menschen, die zählen (in jeder Beziehung). Wer hat es verdient zu sterben und wer darf weiterleben? Was ist recht und was unrecht? Ein hin und her, bei dem man im Laufe des Films schließlich selbst nicht mehr weiß, wie das ganze jetzt ausgehen sollte.

Mit diesen Gedanken versorgen uns in Noah Russell Crow, Ray Winstone und Jennifer Connelly mit sauberen, beeindruckenden und tiefen Emotionen, oder brutaler Kaltblütigkeit. Bei den Kindern ist es da schon schwieriger: Während Emma Watson durchaus glänzt und Logan Lerman (Percy Jackson) solide auftritt, ist Douglas Booth (LOL) nicht gerade der Hit.

Umrahmt wird das ganze Spektakel von pompösen Klängen, die majestätisch von allen Seiten dröhnen. Nicht ganz dazu passen wollen hier aber die Kostüme. Zu modern geschnitten, zu detailreich ausgestattet. Es spielt ja alles doch vor ziemlich langer Zeit. Obwohl man sich hier nicht ganz sicher sein kann, da stimmen schon mehrere Sachen nicht. Kleinere Logikfehler, über die man besser hinwegsehen sollte.

Noah ist voller (in Ermangelung eines Nicht-heidnischen Wortes) Magie. Die unglaublich pure Selbstverständlichkeit, mit der Darren Aronofsky den biblischen Schöpfungsmythos einfach als Ausgangspunkt für die Urknall- und Evolutionstheorie nimmt, raubt einem den Atem – mehrmals. Und plötzlich ergibt alles einen Sinn, wie sich die Tiere vom Wasser in die Luft erheben und an Land weiterkriechen, erzählt in einem phantastischen Schnittstil, untermalt von der liebevoll-belehrend ruhigen Stimme Russell Crows.

 

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook