BÜCHERBÖRSE

Filmstart: 300: Rise Of An Empire

Rodrigo Santoro in "300: Rise of an Empire" (c) 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC.
Rodrigo Santoro in "300: Rise of an Empire"

Sieben Jahre ist es her, dass das Schlachtenepos "300" die Kinogänger ebenso fasziniert wie abgeschreckt hat. Brutale Metzeleien in Zeitlupenoptik, Massen an Kunstblut, eine bisweilen abstruse Ideologie und zugleich eine gewisse Ästhetik und Atmosphäre, all das grenzte den Film von anderen ab und sorgte zugleich für teils hitzige Diskussionen, in denen auch nicht vor Faschismus-Vergleichen zurückgeschreckt wurde. Nun steht der Nachfolger in den Startlöcher – aber kommt er auch an seinen Vorgänger heran?

"300" lebte vor allem von seinem Hauptdarsteller Gerard Butler als spartanischer König Leonidas. Dieser hat den Film jedoch nicht überlebt, weswegen frische Kräfte benötigt und auch geliefert werden: Sullivan Stapleton ("Gangster Squad") in der Rolle des Themistokles, Eva Green ("James Bond 007 – Casino Royale") als Artemisia und Hans Matheson ("Les Misérables") als Aeskylos. Weiterhin dabei sind die schon aus dem ersten Teil bekannten Lena Headey ("Game of Thrones") als spartanische Königin Gorgo, David Wenham ("Der Herr der Ringe") als Dilios sowie Rodrigo Santoro ("Lost") als Perserkönig Xerxes.

Vorlage des Film ist, wie schon bei Teil 1 der Fall, ein Comic von Frank Miller. Dieses Mal handelt es sich um das unveröffentlichte Comic "Xerxes". Hintergrund ist die historische Seeschlacht von Artemisium, die etwa zeitgleich mit der im ersten Teil thematisierten Schlacht bei den Thermopylen stattgefunden hat. Dies wird auch im Film übernommen. Allerdings hat der Film ansonsten eher weniger mit der historischen Schlacht gemein. Er beginnt mit dem Werdegang des Xerxes vom persischen Prinzen zum Gottkönig und erklärt zunächst die Gründe, warum er später den Krieg gegen die Griechen führt. Anders als der Titel vermuten lässt, geht es in der Fortsetzung vorrangig nicht um das spartanische Heer, sondern um den athenischen Feldherren Themistokles, welcher versucht, die griechischen Stadtstaaten zu einem Griechenland zu vereinen, um gegen die hoffnungslos übermächtige Streitmacht der Perser den Sieg davonzutragen. Nach einigem Herumgeplänkel und etwas zu lang geratenen Dialogen nimmt der Film mit fortlaufender Zeit an Fahrt auf und es wird an so gut wie nichts gespart – Kunstblut, digitalem Blut, abgeschlagenen Körperteilen. Das alles wird wie gewohnt in Zeitlupe serviert. Da die Seeschlachten allerdings auch mit gehörig Action vollgepumpt sein sollen, ist die griechische Ägäis zu dieser Zeit das wohl unwirtlichste Meer der Antike, bei fast jeder Schlacht zucken Blitze und meterhohe Wellen begleiten das blutige Geschehen.

"Heute werden wir auf den Körpern toter Griechen tanzen!" (Artemisia)

>>Trailer<<

Achtung Spoiler: Alles in allem kommt "300: Rise Of An Empire" allerdings nicht an seinen Vorgänger heran. Vorallem in der ersten Schlacht des Films wird die Zeitlupenspielerei bis zum Letzten ausgereizt, es wird zudem krampfhaft versucht, dem Vorgänger in irgendeiner Weise gerecht zu werden. Das schafft Regisseur Noam Murro leider zu keinem Zeitpunkt. Die obligatorische Sexszene fehlt natürlich auch nicht, aber auch diese lässt den Betrachter kalt. Der einzig wirklich interessante Moment entpuppt sich nach wenigen Sekunden leider auch als Traum. Besonders hervorgehoben werden können allenfalls Sullivan Stapleton und Eva Green, wobei ersterer leider trotz akzeptabler Leistung irgendwie verloren wirkt in diesem Film. Entsprechend fällt auch die Empfehlung aus: Wer mit 300 nicht viel oder nur bedingt etwas anfangen konnte, dem sei von der Fortsetzung abgeraten. Nur hartgesottene Fans werden wirklich Spaß an diesem Film haben!

Filmstart: 07.03.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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