BÜCHERBÖRSE

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Godzilla (2014) (c) Warner Bros. und Legendary Pictures
Godzilla (2014)

Geschrieben von Andreas Müllauer und Matthias Pankow

Der König der Monster erlebt ein Comeback!

10 Jahre ist es her, seit das japanische Toho Studio letztmalig eines der bekanntesten Filmmonster gegen eine Armada von überdimensionalen Widersachern in den Kampf schickte. Das Monster ist natürlich Godzilla. Nach diesem Film, Godzilla: Final Wars, sollte laut Toho für eine Dekade kein weiterer Film mit dem prominenten Ungeheuer mehr erscheinen. Zu Godzillas sechzigsten Geburtstag wagt sich nun der britische Regisseur Gareth Edwards an eine zweite amerikanische Adaption, nachdem bereits 1998 Roland Emmerich viel Kritik für seine sehr amerikanische Version des Stoffs einstecken musste.

Der Brite will es besser machen und dem Originalfilm von 1954 treu bleiben. Emmerichs Version negierte fast alles was Godzilla, die monströse Verkörperung der  japanischen Atomängste nach Hiroshima, ursprünglich ausmachte. Dazu hat Edwards eine internationale und illustre Schauspielerriege zusammengestellt, angeführt von Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass), Juliette Binoche (Chocolat), Ken Watanabe (Inception) und Bryan Cranston (Breaking Bad). Das stolze Budget von 160 Millionen Dollar soll eine überzeugende und adäquate Umsetzung gewährleisten, auch was die Gestaltung Godzillas angeht, so wurde das Monster doch bisher größtenteils von Schauspielern in Gummianzügen porträtiert.

Zur Story

Das Jahr 1999: Der amerikanische Ingenieur Joe Brody (Cranston) arbeitet gemeinsam mit seiner Frau im örtlichen Atomkraftwerk der japanischen Stadt Janjira. Nach mehreren schweren Eruptionen kommt es im Reaktorkern zu einem Leck und das Kraftwerk wird aus unerklärlichen Gründen zerstört. Brody und sein junger Sohn Ford überleben, seine Frau stirbt vor Joes Augen. Fünfzehn Jahre später wittert der verbitterte Joe eine Verschwörung hinter dem Unglück, welches seine Frau das Leben kostete und zweifelt an der offiziellen Erklärung, die ein Erdbeben für die Katastrophe verantwortlich macht. Ford (Taylor-Johnson), mittlerweile Familienvater und Soldat, lässt sich von seinem Vater überreden in die vermeintlich radioaktiv verseuchte Sperrzone rund um Janjira einzudringen. Dort treffen sie auf den mysteriösen Wissenschaftler Ichiro Serizawa (Ken Watanabe) und müssen feststellen, dass tatsächlich mehr hinter der Vernichtung des Kraftwerks steckt – nämlich etwas Urzeitliches, etwas Monströses…

Das war herausragend

Andreas: Godzilla nimmt sich viel Zeit um Spannung aufzubauen. Jedem Zuschauer ist klar, dass früher oder später das titelgebende Ungeheuer die Leinwand unsicher machen wird. Dennoch investiert Regisseur Edwards viel Zeit um eine Mythologie einzuführen, die dem japanischen Original  gerecht wird und verzichtet deswegen (zunächst) auf sofortige dumpfe Monsterschlägereien. Stattdessen verdichten sich in bester „ Der Weiße Hai“-Manier die Anzeichnen, das da etwas Großes im Anmarsch ist.

Matthias: Die Rückkehr der Handlung nach Japan und die originaltreue des Reboot-Spektakels, das, von den Effekten und dem großartigen Sounddesign her, diesen Sommer wohl alle vergleichbaren Blockbuster in die Tasche stecken wird. Wer war noch mal Roland Emmerich?

Das war echt mies

Andreas: Manchmal sind die Logiklöcher leider groß genug, sodass Godzilla höchstpersönlich durchspazieren könnte. Normalerweise kündigt sich die Ankunft des „Königs der Monster“ durch markerschütternde und erdbebenverursachende Schritte  an. Trotzdem werden an einigen Stellen die menschlichen Akteure eiskalt erwischt, wenn der wolkenkratzerhohe Urzeitriese sich völlig lautlos hinter ihnen angeschlichen hat.

Matthias: Der Mangel an menschlichem Drama nach dem ersten Drittel und an menschlichen Antagonisten hat für bitteren Beigeschmack gesorgt. Nahm sich der Film anfangs für jede Menge unnötige Subplots Zeit, wurde das eigentliche Ende und dessen Zustandekommen sehr überhastet abgehandelt. Außerdem werden Gegner von schwachen Frauen-Rollen sich auch hier wieder ärgern - leider ein rein testosteronbetankter Männerfilm, der Frauen lediglich als hilflose und rettungsbedürftige Objekte darstellt.

Schauspielerische Leistung

Andreas: Der Cast ist international und hochklassig besetzt. Durch die holzschnittartigen Figuren wird jedoch verhindert, dass die Schauspieler tatsächlich herausragen können. Einzig Bryan Cranston schafft es mehr aus seiner Rolle herauszuholen -  er ist der am Reißbrett entworfene Verschwörungstheoretiker, den niemand Glauben schenken mag.  Auch die anderen Charaktere lassen sich leider in so knappen Worten völlig erklären und so bleiben auch Aaron Taylor-Johnson, Ken Watanabe, Elizabeth Olsen und Sally Hawkings aufgrund ihrer eindimensionalen Figuren oftmals blass und verkommen zu bloßen Stichwortgebern. Dennoch sollte man das nicht allzu hoch hängen, denn Star des Films ist natürlich Godzilla und der sieht realer und monströser aus als jemals zuvor.

Matthias: Aaron Taylor-Johnson macht hier in seiner ersten großen Hauptrolle nach den Kick-Ass-Filmen wenig falsch, wirkt zwar menschlich, ist aber durch seine schlecht geschriebene Rolle (was sich im Laufe des Films immer mehr bemerkbar macht) etwas limitiert. Breaking Bad-Star Bryan Cranston stiehlt hier allen Jungschauspielern und uninspirierten Nebendarstellern die Show, hat aber leider viel zu wenig Screentime.

Die beste Szene

Andreas: Ohne viel vorweg zu nehmen. Die finale Sequenz lässt an Wucht, Zerstörung und Action keinerlei Wünsche offen. Da wird im Handstreich eine komplette Großstadt zerbröselt und dem Erdboden gleich gemacht. Angenehmerweise wird die Destruktion nicht mit schnellen Schnitten unkenntlich gemacht, sondern  vielmehr haben die Zuschauer die Möglichkeit alles in langen und bombastischen Einstellungen zu bestaunen.

Matthias: Wenn der Sohnemann des Hauptcharakters gebannt vor dem Fernseher sitzt und in den Nachrichten verfolgt, wie Godzilla Hawaii in Schutt und Asche legt, während seine Mutter ahnungslos hinter dem Fernseher steht und telefoniert. So trocken und umkommentiert und dabei so witzig. Wer eher auf dramatische Szenen steht, findet den Höhepunkt dort schon nach etwa zehn Minuten - dort entbehrt ein Reaktorunfall durchaus nicht Star Trek-esquer Dramatik.

Wer sollte sich diesen Film anschauen

Andreas: Fans des originalen Filmmonsters kommen voll auf ihre Kosten, aber auch Freunde von krachenden Actionfilmen dürfen einen Blick riskieren. Wem das Konzept Roboter gegen Monster in Pacific Rim gefiel, ist beim neuen Godzilla in den besten Händen.

Matthias: Alle, die Roland Emmerichs Godzilla von 1998 gehasst, aber unser aller Lieblings-Riesenreptil noch nicht abgeschrieben haben. Alle Fans von Jurassic Park und den Alien-Filmen werden Parallelen erkennen und auf ihre Kosten kommen, wenngleich Godzilla kein Horrorfilm und bei weitem nicht so brutal ist. Schlussendlich werden vermutlich am ehesten Gruppen von jungen Männern den Kinos einen Besuch abstatten - allen voran jene, die sich schon Filme wie Cloverfield, Pacific Rim, Battleship und Transformers zusammen angesehen haben.

Ein wohl überlegtes Fazit

Andreas: Regisseur Gareth Edwards nimmt sich ausreichend Zeit um das Comeback einer Filmikone standesgemäß zu zelebrieren. Aber auch der geschickte und behutsamen Aufbau können nicht über Schwächen im Drehbuch und der Figurenzeichnung hinwegtäuschen. Das letzte Drittel bietet dafür ein brachiales und bildgewaltiges Monsterspektakel, welches für alle etwaigen Kritikpunkte entschädigt.

Matthias: Wer auf richtig fette Monsteraction steht, muss erst einmal eine Stunde Exposition überstehen, wird dann aber richtig belohnt. Die späteren Keilereien sprengen jeden Rahmen! So verlässt man auch das Kino mit einem anfangs guten Gefühl, aber wenn man den Denkapparat dann doch mal wieder ankurbelt, fällt einem auf, dass das Drehbuch doch erhebliche Schwächen hatte. Ich hätte mir mehr Bryan Cranston gewünscht - der Mann spielt so verdammt gut, dass er teilweise wirklich für Gänsehautfeeling sorgt.  Außerdem hatte die Story anfangs so viel Potential für eine durchgängige Vater-Sohn-Geschichte, á la Indiana Jones und der letzte Kreuzzug. Auch verkümmern die Nebenrollen, wie die japanischen Janjira-Forscher (Ken Watanabe, Sally Hawkins) oder der Marine-Admiral (David Strathairn) und lassen uns, wenn sie denn mal wieder auftauchen, auch sofort an ihrer Existenzberechtigung zweifeln. Unterm Strich wird viel Spannung aufgebaut und in die Mythologie von Godzilla investiert – was ich gutheiße, aber was auch ganz schön lange dauert. Danach versandet der Film etwas im Chaos und bevor uns gänzlich schwindlig wird von der wilden Fahrt, ist sie dann auch schon ganz abrupt vorbei.

Kinostart: 14. Mai

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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