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Filmstart: X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (c) 2014 Twentieth Century Fox
X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Comicverfilmungen haben derzeit Hochkonjunktur. Marvel schickt jedes Vierteljahr einen neuen Vertreter des eigenen kinematischen Universums ins Rennen, die Filmschaffenden bei DC Comics basteln mit Man of Steel 2 am ultimativen Superhelden-Clash (Superman vs. Batman) und ab dem 22. Mai werden die X-Men zum insgesamt siebten Mal auf die hiesigen Kinosäle losgelassen.

Alleine das Set-Up des aktuellen X-Men Films macht klar: Neulinge haben in diesem Streifen nicht viel verloren.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit fungiert als Fortsetzung der originalen Trilogie und dem 2013 erschienenen Wolverine: Weg des Kriegers, ist aber auch gleichzeitig ein Weiterführung des Prequel-Films X-Men: Erste Entscheidung, welcher vor der originalen Trilogie angesiedelt ist und zusätzlich spielt er sowohl vor als auch nach den Ereignissen von X-Men Origins: Wolverine. Außerdem ist er als Reboot der Serie angelegt. Komplizierte Sache, nicht wahr?

Wie passt so ein Konvolut verschiedenster Charaktere, Handlungsstränge und Zeitebenen in einen Film? Simple Antwort: Zeitreise.

Der Cast: Alte Bekannte und viele Gesichter

Im Jahr 2023 sind sowohl Mutanten als auch gewöhnliche Menschen fast vollständig von anpassungsfähigen Roboterdrohnen ausgelöscht worden. Den Sentinels. Die verbliebenen X-Men um Professor Charles Xavier (Patrick Stewart), Wolverine (Hugh Jackman), Storm (Halle Berry) und Kitty Pryde (Ellen Page) müssen sich mit alten Feinden wie Magneto (Ian McKellen) und anderen überlebenden Mutanten verbünden um der globalen Annihilation entgegen zu treten. Da die Welt ohnehin so gut wie verloren ist, schickt man Wolverines Bewusstsein zurück in seinen jüngeren Körper des Jahres 1973. Dort soll er die jüngeren Pendants von Charles (James McAvoy) und Magneto (Michael Fassbender) aufspüren und sie dazu bringen die Pläne des Waffenfabrikanten Bolivar Trask (Peter Dinklage) zu durchkreuzen, da diese in der Zukunft zur Produktion der Sentinels führen würde. In der angespannten Stimmung zur Zeit des Vietnamkrieges müssen sich die X-Men nicht nur mit feindlichen Mutanten und vorsintflutlichen Kampfrobotern herumschlagen, sondern auch mit der berüchtigten Willkür Richard Nixons.

Die bisher aufgezählten Akteure sind nur die Spitze des Eisberges. In den 131 Minuten Laufzeit erschlägt der Film den Zuschauer mit einer Unzahl von Namen und Gesichtern von mehr oder weniger bekannten Mutanten und Menschen. Selbst als Kenner der Serie muss man angesichts der schieren Masse an handelnden Personen gelegentlich darüber nachdenken, wer in welchem Film bereits eine Rolle gespielt hatte oder spielen wird oder ob man gerade die jüngere Version eines Charakters vor sich hat, welcher später noch das Zeitliche segnen wird.

Alles auf Anfang - Der Neustart einer Serie

Bryan Singer - der bereits bei den ersten beiden X-Men den Regisseur gab - wollte einiges gerade rücken, was seiner Meinung nach bei den zahlreichen Fortsetzungen „seines Babys“ schief gegangen war. So hatte im dritten Teil der Original-Trilogie (X-Men: The Last Stand) sein Nachfolger auf dem Regiestuhl, Brett Rattner, so ziemlich alles zerschlagen, was Singer zurvor behutsam aufgebaut hatte. So wurde aus der cleveren Action-Parabel über Menschlichkeit und Toleranz ein dumpfes Spektakel ohne Herz und Verstand, welches auch noch einige der beliebtesten Charaktere das Leben kostete. Auch die Fortsetzungen bzw. Spin-Offs rund um den populären Wolverine  konnten der Filmreihe danach kaum neue Substanz verleihen. Lediglich die von Matthew Vaughn inszenierte Vorgeschichte X-Men: Erste Entscheidung erforschte gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern der X-Men  während der Kuba Krise neue erzählerische und inhaltliche Gefilde, abseits von zerstörungswütigen Mutanten und Explosionen bloß um ihrer Selbst willen.  

Singer jongliert im neuen Film geschickt mit dem vielen Charakteren und den verschiedenen Zeitebenen und schafft es die Balance aus Action und Story zu halten, ohne seinen erzählerischen Faden zu verlieren. Doch auch der gewiefte Regisseur verstrickt sich teilweise in Selbstzitaten und Anspielungen auf andere Blockbuster. Viel zu oft wird man vom Gedanken beschlichen: „Das hab ich doch so schon einmal gesehen?“ – Bryan Singer bedient sich mehr oder weniger geschickt bei Terminator, Matrix und den eigenen X-Men Filmen. Streckenweise verkommt X-Men: Zukunft ist Vergangenheit zu einem Best Of des gesamten Franchises, dem die geballte Starpower zwar einen angenehmen Wiedererkennungswert verleiht, aber auch kaum einem der Akteure erlaubt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Es bleibt ungewiss welcher der zahlreichen Personen eigentlich die Hauptfigur ist. Der Zeitreisende Wolverine? Der von Selbstzweifeln geplagte junge Charles Xavier? Die von Jennifer Lawrence gespielte kaltblütige und blauhäutige Verwandlungskünstlerin Mystique? Alle gehen sie im Ensemble-Cast etwas unter, so auch Game of Thrones-Star Peter Dinklage, der als Antagonist im Angesicht der vielseitigen Mutanten oftmals blass bleibt.

Nichtsdestotrotz bietet der Film großartige Schauwerte, einen All-Star Cast und eine interessante Story auf zwei Zeitebenen, die sowohl Mutantenfans als auch Freunde von Zeitreisefilmen begeistern dürfte. Man sollte aber zumindest vorher ein oder zwei Filme der X-Men Reihe gesehen haben, sonst wird man sich im Kino oft verwirrt den Kopf kratzen müssen.
Zusätzlich wird durch den Aspekt der alternativen Zeitlinie Raum für Fortsetzungen erschlossen -
X-Men: Apocalypse ist bereits für 2016 angekündigt und steht in den Startlöchern.

Ein Hinweis zum Schluss: Bis zum Ende des Abspanns sitzen bleiben!
Kinostart: 22. Mai

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

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