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Edge Of Tomorrow startet am Donnerstag (c) Warner Bros. Pictures
Edge Of Tomorrow startet am Donnerstag

Tom Cruise kann ab 29. Mai auch mal wieder als Schauspieler von sich reden lassen. Im Science-Fiction-Film Edge Of Tomorrow ist er in einer Zeitschleife gefangen, die ihn den letzten Tag der von Aliens ausgerotteten Menschheit immer wieder erleben lässt.

Im Krieg gegen übermächtige Aliens sieht sich Lieutenant Cage (Tom Cruise) eigentlich eher als PR-Mann, der der Öffentlichkeit die Sinnhaftigkeit der jüngsten Militäraktionen verkaufen soll. General Brigham (Brendan Gleeson) aber will ihn an die Front schicken. Weil Cage sich weigert, wird er als Deserteur verunglimpft und schlichtweg zum Einsatz gezwungen, obwohl er keinerlei Kampferfahrung hat. Dementsprechend endet seine Soldatenkarriere nach wenigen Minuten mit dem Tod am Schlachtfeld, doch anstatt im Jenseits wacht er einen Tag in der Vergangenheit wieder auf. Die letzten Stunden des verlorenen Krieges immer wieder erlebend, kann er die Menschheit und auch sich selbst nur retten, indem er die fast aussichtslose Schlacht gewinnt. Schon bald erkennt er, dass der Weg zum Erfolg nur über die als “Full Metal Bitch” berüchtigte Kriegsheldin Rita (Emily Blunt) führen kann.

Regisseur des kleinen Starensembles war übrigens Doug Liman, der einst mit Bourne Identität berühmt wurde, Filmfans aber nicht zuletzt mit Kritikerflops wie Jumper an seinem Talent zweifeln ließ. Am Drehbuch wirkte auch Oscargewinner Christopher McQuarrie (Die üblichen Verdächtigen) mit, die Light Novel-Vorlage heißt All You Need Is Kill und stammt aus der Feder von Hiroshi Sakurazaka.

Sieben Punkte und zwei Ansichten sollen euch einen differenzierten Blick bieten.

Das war herausragend

Anne-Marie: Da es sich im weiteren Sinne um einen Kriegsfilm handelt, fällt es positiv auf, dass pathetische Sprüche von Offizieren zur Belustigung und nicht zur Beweihräucherung dienen. An sich nimmt man sich in diesem Film nicht so ernst. Besonders glücklich bin ich aber über die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Man hätte einige Macho-Ansagen und sexy Catsuit-Aufnahmen mit Emily Blunt einbauen können – hat man aber nicht. Letztere wird offensichtlich für ihre Handlungen im Kampf und nicht für ihren Körper respektiert. 

Michael: Besonders positiv sind der trockene Humor und die Performance von Tom Cruise hervorzuheben. Der Superstar profitiert dabei vom Phänomen, dass eine in der Öffentlichkeit recht unbeliebte Person in einer charmanten Rolle auch dank des Überraschungseffekts die Gunst des Publikums gewinnt. Zudem ist das Storytelling, das in den richtigen Momenten die richtigen Töne anschlägt, sehr gelungen.

Das war echt mies

Anne-MarieNichts war richtig mies. Der Film schwächelt in den Action-Sequenzen und so auch in den letzten Szenen, wo viel gekämpft und gebombt wird. 

Michael: “Echt mies” ginge zu weit, aber die Actionszenen hätten durchaus besser sein können. Das liegt am wenig aufregenden Monsterdesign, aber auch am teils konfusen Schnitt. Weiters sind gegen Ende des Films ein paar kleinere Logiklücken zu bemängeln.

Schauspielerische Leistung

Anne-Marie: Tom Cruise mag zwar als Privatperson ziemlich unsympathisch wirken, aber er ist und bleibt ein wahnsinnig guter Schauspieler. Er trägt den Film zwar nicht per se auf seinen Schultern, generiert aber den Großteil der Situationskomik durch detaillierte Mimik und Gestik. Emily Blunt macht ziemlich oft dasselbe Gesicht, aber das kommt wahrscheinlich daher, dass es ziemlich viel zu staunen gibt.

Michael: Wie bereits erwähnt, blüht Tom Cruise in der Rolle des charmanten wenn auch ein wenig tollpatschigen Messias auf. Emily Blunt meistert währenddessen die Aufgabe, einen Charakter spielen zu müssen, der sich nicht weiterentwickeln darf, die größte Zeit mit Bravour. Brendan Gleeson und Bill Paxton sorgen mit sehr trockenen Performances für heitere Momente.

Die beste Szene

Anne-Marie: Das Und täglich grüßt das Murmeltier-Prinzip funktioniert hier gut. Major Cage erlebt den großen Kampf in der Normandie immer und immer wieder und lernt in Babyschrittchen dazu. Dass er das Exoskelett nicht vom ersten Tag an beherrscht, wirkt realistisch und die Verbesserungen seiner Handlung plausibel.

Michael: Wie eingehends erwähnt ist der Humor eigentlich die größte Stärke des Filmes. Einen seiner Höhepunkte erlebt dieser als Tom Cruise sich heroisch aus einer Übung davonschleichen möchte und bei seiner patscherten Actionrolle just von einem Auto überfahren wird. Bill Paxtons Reaktion: “What the hell was he thinking?”

Die emotionale Aufarbeitung

Anne-Marie: Das Schöne an diesem Film ist, dass man dank fehlender Pseudo-Message mit niemandem wirklich mitfühlen muss. Die Erde und seine BewohnerInnen sind einem ziemlich egal, was ganz angenehm ist. Einzig Major Cages traurige Augen verraten, dass er ziemlich viel durchmacht und dann hat man auch mal kurz Mitleid.

Michael: Die sich anbahnenden Gefühle zwischen den beiden Hauptdarstellern waren eigentlich relativ verzichtbar. Zwar hätten einige Konflikte durchaus interessant sein können, doch war die Grundstimmung einfach zu heiter, um diese wirklich entwickeln zu können.

Wer sich den Film anschauen soll

Anne-Marie: Alle die ihre Abneigung gegen Blockbuster stolz zur Schau tragen, sollten diesen Standpunkt noch einmal überdenken und Edge of Tomorrow eine Chance geben. Außerdem Science-Fiction-Fans und Leute, die sich im Kino richtig amüsieren wollen.

Michael: Für mich ist Edge Of Tomorrow ein klassischer Sommer-Blockbuster, der vor allem in größeren Gruppen fast jedem Spaß machen dürfte. Zumindest eine kleine Action-Affektion schadet sicherlich nicht.

Ein wohl überlegtes Fazit

Anne-Marie: Edge of Tomorrow ist lustig, spannend und versteht es, altbekannte Filmelemente aus dem Action- und Sci-Fi-Kino so zusammen zu setzen, dass man sich nicht die ganze Zeit denkt: „Das habe ich schon tausendmal gesehen.“ Außerdem ist Tom Cruises Darstellung einfach nur köstlich.

Michael: Gut erzählt und bravourös gespielt ist Edge Of Tomorrow jene Art von Film, die wahrscheinlich gerade dann begeistert, wenn die Erwartungen niedrig waren. Eine tiefgehende Aussage darf man sich ebenso wenig erwarten, wie ein durchkonstruiertes Zukunftssystem. Zwei Stunden richtig gute Unterhaltung sind aber drin und führen zu einer ganz klaren Empfehlung!

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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