BÜCHERBÖRSE

Maleficent

Maleficent (c) Disney

Maleficent, mit Angelina Jolie in der Rolle der bösen Fee aus Dornröschen, setzt den fast schon beendet geglaubten Trend der Märchenverfilmungen fort.

Die kleine Fee Maleficent, aufgrund der verstorbenen Eltern bereits Herrscherin des Waldes, lernt den Waisenjungen Stefan kennen und lieben. Im Jugendalter aber verlässt der vermeintliche Göttergatte seine außergewöhnliche Freundin und hinterlässt damit ein großes Loch in ihrem Herzen. Jahre später ist der Krieg zwischen Menschheit und Feenwesen wieder ausgebrochen und der nun erwachsene Stefan (Sharlto Copley) verspricht seinem König, dessen Erzfeindin Maleficent (Angelina Jolie) zu töten. Obwohl er das nicht übers Herz bringt, trennt er seiner verflossenen Liebe in einer grauenhaften Tat die Flügel ab. Das Flügelgespann als vermeintlicher Tötungsbeweis bringt Stefan Königstochter, Thron sowie später die Tochter Aurora (Elle Fanning) ein. Maleficent belegt die Prinzessin allerdings mit einem Fluch, wonach sie sich an ihrem 16. Geburtstag mit einer Nadel stechen und daraufhin in einen tiefen Schlaf fallen würde, von dem sie nur der Kuss ihrer wahren Liebe wieder wecken könnte. Um die Sicherheit seiner Tochter zu gewährleistet, lässt Stefan das Kleinkind von drei guten Feen im Wald aufziehen, wo sie aber schon bald von Maleficent entdeckt wird. Bizarrer Weise entwickelt sich zwischen der Jugendlichen und ihrer Verflucherin aber eine innige Freundschaft.

Potenzial ja, Regisseur nein

Der Märchenwahn des Vorjahres hat ja eigentlich schon wieder abgenommen, aber Disney will dann doch noch ein Stückchen des Kuchens haben und was eignet sich da besser als den kultigen Bösewicht Maleficent aus dem Klassiker Dornröschen mit einem eigenen Film zu segnen. Mit Angelina Jolie in der Hauptrolle wurde zudem ein mediales Zugpferd ans Land gezogen, als Regisseur hat man sich mit Debütant Robert Stromberg (bislang im Special Effects- und Production Design- Bereich beheimatet) durchaus was getraut. Letzterer war aber leider ein Wagnis, das ordentlich daneben ging und der Produktion jegliches Potenzial raubte.

Die Prämisse von Maleficent würde nämlich einen netten Kinderfilm mit einem entmystifizierendem Touch durchaus ermöglichen, Stromberg als Regisseur aber fehlt jegliches Talent dazu, diese Möglichkeiten auszunützen. Was da über 100 Minuten über die Leinwand flimmert, ist ein fast schon lehrbuchartiges Versagen darüber, wie Storytelling eben nicht funktioniert. Der Film kommt trotz brauchbarer Story nie in die Gänge, überspringt ohne richtige Erklärungen Jahrzehnte und reiht zwischendurch Szenen scheinbar willkürlich aneinander. Vor allem die eigentlich entscheidende Phase, in der sich Maleficent und Aurora näherkommen und Mutter-Tochter-Gefühle füreinander entwickeln, ist für den Zuseher überhaupt nicht nachvollziehbar. Binnen weniger Filmminuten zerbricht die eiskalte Fassade der bösen Fee und sie scheint plötzlich zu realisieren, wie fragwürdig ihre Motivation die vielen Jahre über gewesen war.

Fazit: Bauchfleck

Leider ist die plumpe Erzählweise auch nicht das einzige Problem, vor allem die Charakterisierung der Nebenfiguren drängt sich da noch auf. Es ist zwar eine nette Idee, die fragwürdige Schwarz/Weiß-Charakterisierung der alten Disney-Filme in Frage zu stellen und einem klassischen Bösewicht eine tiefere Bedeutung zu geben. Aber indem hier der total oberflächlich gezeichnete Stefan überhaupt keinen Sinn macht, kommt man zu einer unbefriedigenden Logik: Der unhinterfragte Bösewicht aus dem Klassiker macht nur Sinn, weil man einen neuen unhinterfragten Bösewicht erfindet.

Das unoriginelle Weltendesign, die inkonsequente Monsterlogik (insbesondere beim Rabenmenschen Diaval) oder die meterweiten Storylücken müssen gar nicht erst erwähnt werden, um klar zu machen: Maleficent ist ein Desaster auf nahezu jeder Ebene. Eine handvoll guter Szenen und eine phasenweise sehr charismatische Angelina Jolie sind angesichts des Potenzials eine herbe Enttäuschung.

Michael Leitner

Michael Leitner | Redakteur & Community-Betreuer Gewinnspiele

michael.leitner (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Oktober 2011

 

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