BÜCHERBÖRSE

Review: Tammy

Tammy und ihre Oma in Schwierigkeiten (c) Warner Bros. Ent.
Tammy und ihre Oma in Schwierigkeiten

„Tammy“ ist das erste Wunschkind des Schauspieler- und neuerdings Filmproduzenten-Pärchens Melissa McCarthy und Ben Falcone. Die zwei sind nicht nur seit Jahren verheiratet, sondern spielen erstaunlich oft in denselben Filmen und unterstützen einander bei Projekten. So muss auch „Tammy“ entstanden sein, denn McCarthy spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch das Drehbuch geschrieben, produziert und bei der Regie über die Schulter geschaut. Ebenso wie Gatte Falcone, der auch eine kleinere Rolle belegt.

Wie man es sich bei McCarthy schon denken kann, handelt es sich bei „Tammy“ um eine Komödie mit einem gewissen Slapstick Faktor. Und es könnte nicht schlimmer ausschauen für die Protagonistin: Sie wird gekündigt, fährt ihr Auto zu Schrott und ihr Ehemann liebt eine andere. Die nicht mehr so junge Frau möchte am liebsten mit dem Auto der Oma (Susan Sarandon) auf Nimmerwiedersehen verschwinden, wenn da nicht die Großmutter selber ein Wörtchen mitzureden hätte. Unter der Bedingung ihre Oma zu den Niagara-Fällen zu fahren, geht Tammys Reise natürlich in eine komplett andere Richtung.

Dick und Doof

Schon in der ersten Szene wird klargestellt welche Eigenschaften Tammy durch den Film begleiten werden. Dabei hält man sich schön an das alt-bewährte Trio: Dick, Dumm und politisch unkorrekt. Obwohl das ziemlich harsch klingt, möchte man eindeutig erkennbar machen, dass Tammy nicht intelligent ist. Das merkt man nicht nur, wenn es um gesellschaftliche Referenzen geht (Wer war am Mond? Lance Armstrong mit seinem Radl, natürlich.), sondern auch in der Interaktion mit etwa dem lesbischen Pärchen (Sandrah Oh und Kathy Bates). Letzteres wird allerdings als charmantes Gehabe von Tammys Seite abgewunken. Ihr Körper spielt diesmal eine erstaunlich nebensächliche Rolle, außer bei einer Tanzszene und als sie ihr Auto wegen Chipsresten kaputt fährt. Ob die Crocs mit weißen Söckchen und Gag-Shirts mit ihrer Fülligkeit, oder mit ihrem Intelligenzquotienten zu tun haben, lässt sich in beide Richtungen interpretieren.

Die politische Inkorrektheit teilt sie sich mit ihrer Oma Pearl, die neben dieser Eigenschaft noch alt und Alkoholikerin ist. Zuerst wird ihr Alkoholkonsum noch als typischer „Meine Oma trinkt tagsüber, wie süß“-Gag ausgelegt, doch dann kommt diese unangenehme ernste Komponente dazu, die den Film aber nicht wirklich interessant macht. Es ist eigentlich ziemlich erstaunlich wie langweilig diese Komödie ist. Sie versucht zwanghaft Situationskomik an den Mann zu bringen, gleichzeitig emotionale Momente glaubhaft zu verkaufen und das alles mit einer Prise Ernst zu toppen. Das Rezept geht zwar nicht in die Hose, aber das Ergebnis ist pampig, gekünstelt und fad.

Die einzigen Lichtblicke sind noch Susan Sarandon und Kathy Bates, die beide das Beste aus ihren Rollen herausholen. Außerdem ist es ganz lieb, dass kurz Toni Collette auftaucht, aber auch nicht der Rede wert. Wenn man bei einem Film nach guten Eigenschaften sucht und sie bei den Nebendarstellerinnen mit viel Erfahrung findet, dann ist das eher ein schlechtes Zeichen für den Streifen.

Fazit: Das große Gähnen

Selbst, dass fast nur Frauen die Hauptrollen spielen und man kurz das Gefühl hat, Tammy würde sich gegen Ende endlich ein wenig mausern, wird von einem schwülstigen Ende zerstört. Wieder mal zeigt uns ein Blockbuster, dass man kein glücklicher, oder gar ganzer Mensch sein kann ohne PartnerIn. Die neutrale Bezeichnung Mensch passt in diesem Fall auch sehr gut, denn man hätte diesen Film auch mit einem Mann in der Hauptrolle drehen können.

Alles in allem kann man „Tammy“ auf keinen Fall empfehlen. Auch wenn es abgedroschen klingt, spart man sich besser das Ticketgeld und isst ein Eis, anstatt gähnend aus dem Kino zu stapfen und unglücklich auf die Uhr zu schauen. Selbst wenn einem der übertriebene Humor am Anfang gefällt, kann man nicht darauf bauen, sich die ganzen 96 Minuten zu amüsieren. Irgendwann geht nämlich die Spaßflamme ein und dann bleibt nur noch das große Gähnen. Wenn wenigstens das Tempo ein bisschen zackiger und der Ton die ganze Zeit rau wäre, könnte man sagen, dass einem der Humor liegt oder, dass man amüsiert ist, wie doof der Film ist. Aber nicht mal das kann „Tammy“ einem bieten.

 

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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