BÜCHERBÖRSE

Spoilerfrei: Transformers - Age of Extinction

Weg vom Fenster Paramount Pictures
Weg vom Fenster

Am 16. Juli ist es soweit: Ein neues Stück milliardenschwerer Metall-Katastrophe startet in den Kinos. Der vierte Teil der Serie hat wirklich einen neuen Tiefpunkt erreicht. Aber fangen wir doch vorne an.

Ganz so schlecht ist der Film nun auch nicht. Und das kann ich wirklich nur sagen, weil ich die letzten drei mehr oder weniger mit sturer Begeisterung gesehen habe. Aber irgendwann reicht es dann auch mir, der Transformers eigentlich immer etwas abgewinnen konnte. Auch diesmal gibt es unglaublich gute Special-Effects, 3D-Animationen und einigermaßen gute Musiksequenzen. Tatsächlich ist dies der erste Transformers-Film bei dem man keine Schwierigkeiten hat, die „guten“ von den „bösen“ zu unterscheiden. Obwohl dies auch dem Umstand geschuldet ist, dass einige von ihnen sinnlos designt sind. Ein Samurai-Transformer? Come on.

Diesmal ist nicht mehr Shia LaBeouf Hauptdarsteller des Films (endlich), leider gibt es aber auch keine Megan Fox oder Rosie Huntington-Whiteley mehr (schade). Stattdessen dreht sich der Film mehr oder weniger um einen über-protektiven Vater (Mark Wahlberg) und seine Tochter (Nicola Pelz). Beiden Charakteren wurde nicht wirklich eine tiefgründige Persönlichkeit oder Geschichte geschrieben, weshalb ein Klischee das andere jagt. Nicola Pelz ist tatsächlich so knapp volljährig, dass der Film selbst ständig darauf hinweist, dass sie zu jung ist, mit ihren Vorgängerinnen zu konkurrieren. Trotzdem spaziert auch sie in Hotpants rum und strahlt im transformers-orangen Hautton.
Natürlich wurde auch bei den Bösewichten nicht mit der Tiefe geklotzt, weshalb sie durschaubar austauschbar sind. Ein Highlight spielt jedoch Stanley Tucci, der sich als visionärer Innovator präsentiert und dabei erstaunlich an Steve Jobs erinnert. Aber seien wir mal ehrlich: trotz des einen Lichtblicks, sind die Menschen in Transformers immer nur Nebensache. Da fragt man sich doch wirklich warum man 40 Minuten (!) darauf verschwenden muss, gähnend lange Verhältnisse zu exponieren. Sobald die Transformers auftauchen, interessiert das eh keinen mehr – und den Film anscheinend auch nicht.

Bevor die Transformers endlich ins Spiel kommen, schmeißt Michael Bay erstmal mit ganz viel Pathos um sich. Jede Szene wird mit schwerer Musik unterlegt und tatsächlich JEDES Bild ist im Gegenlicht gedreht, damit man romantisch dem Sonnenuntergang ins Auge blickt. Sind die Transformers dann auf der Bildschirmfläche, beweist Michael Bay natürlich auch in diesem Film seinen bedenklichen Fetischismus für Explosionen. Selbst bei sanfter Berührung fliegt alles in die Luft – mehrmals. Schauplatz dafür ist wieder mal Chicago und (ganz neu) Hong Kong. Dabei bleibt von den Städten nicht viel übrig. Im großen Stil wird sinnlos alles von den Aliens zerstört. Und weil das ja ganz schön was kostet, fliegen auch ganz viele Chevrolets und 7Up-Laster durch die Luft, RedBull und Bud Light hingegen werden lobend erwähnt.

Und ständig muss man sich eigentlich fragen: Was macht das ganze für einen Sinn? Warum müssen zwei verfeindete Alien-Rassen ihren Kampf auf einem ihnen völlig fremden Planeten austragen? Und warum sind selbst die „guten“ plötzlich Feinde der Menschen? Hat die Regierung denn nichts aus den letzten Filmen gelernt? Transformers versucht zwar eine Handlung zu erzählen, aber die schiere Unzahl an Logiklücken macht das tatsächlich überflüssig. Das einzige das den Film vielleicht rettet ist das Fünkchen Selbstironie, das dem aufmerksamen Zuschauer nicht verborgen bleibt.
Aber trotz des internationalen Zerreißens des Films, scheint er kritikresistent zu sein. Variety.com sagt, er hat bereits jetzt in China Avatar von seinem Einnahmen-Thron gestoßen. Tatsächlich ist das Kino wohl einer der einzigen Punkte, der diesen Film rechtfertigt. Wer sich diese endlos erscheinende Effekthascherei auf einem kleinen Bildschirm ansehen will, kann es sofort bleiben lassen. 

Paramount Pictures

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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