BÜCHERBÖRSE

Review: Maps to the Stars

Julianne Moore als Schauspielerin, deren Leben nicht ganz so einfach ist. (c) MFA+ Filmdistribution/Daniel McFadden & Caitlin Cronenberg
Julianne Moore als Schauspielerin, deren Leben nicht ganz so einfach ist.

Eine Schauspielerin, die ihrer Mittelmäßigkeit entfliehen will, ein Kinderstar mit Drogenproblemen und eine junge Frau, die an der Kippe steht: David Cronenberg hat sie alle in einem Streifen vereint. Und wie man sich bei dem berüchtigten Regisseur denken kann, lauert das Grauen hinter dem ersten Eindruck. Der 112-minütige Film bewegt sich zwischen David Lynchs "Mullholland Drive" und Robert Altmans "Shortcuts", doch vergeht er wie im Flug. Dies kann sowohl auf die fesselnde Story, als auch auf die großartige Leistung aller Schauspieler und Schauspielerinnen zurückgeführt werden.

Hollywood-Satire mit Twists

Zusätzlich bewegt sich Cronenberg in einem für das Publikum zugänglicherem Bereich, ohne jede seiner Ideen bis aufs kleinste Detail zu erklären. So hat man eine Hollywood-Satire vor sich, unter die sich abgründige Familiengeschichten mischen. Der Film hat gleichzeitig einen starken Episoden-Touch, denn die zwei Geschichten berühren sich nur peripher. Auf der einen Seite geht es um die von Julianne Moore gemimte Schauspielerin. Sie kämpft um eine Rolle, die schon ihre Mutter zu Lebzeiten verkörpert hatte. Auf der anderen Seite steht eine Familie, die gleich zwei Stars umfasst. Life-Coach Papa (John Cusack) und seine Frau (Olivia Williams) sind Eltern des Kinderstars Benjie (Evan Bird), der sich trotz seines jungen Alters schon sehr tief im Filmbusiness verfangen hat. Verbunden werden die zwei Storylines durch die anfangs geheimnisvolle Agatha White (Mia Wasikowska), die scheinbar zufällig in LA gelandet ist.

Weiter auf den Inhalt einzugehen, ist eine Gradwanderung, denn Cronenberg hat einige Twists eingebaut. Diese sind durchaus kreativ und überraschend. Die Spannung rührt außerdem von dem Kontrast zwischen den Emotionen und Bildern her. Hat man sich auf eine recht amüsante Szene mit Julianne Moore und ihrem Wahnsinn eingestellt, wird diese Stimmung sogleich durch absurde oder gar grausame Momente unterbrochen. Außerdem geizt der Regisseur nicht mit Tabuthemen und auch Übertreibungen geht er nicht aus dem Weg. Das Thema Inzest wird hier nicht mit Samthandschuhen angegriffen, sondern durch Geistererscheinungen und psychische Verwirrungen zelebriert. Trotzdem wirkt das Ganze nicht geschmacklos, denn Cronenberg schafft es die Balance zwischen Mysterium und Realität gekonnt zu halten.

Zwischen Träumen und Wachen

Diese Balance ist es auch, warum "Maps to the Stars" so stark an "Shortcuts" erinnert. Hing man bei Robert Altmans Episoden-Epos noch wie ein Schlafwandler in einem Alptraum fest, steht man bei Cronenberg ein bisschen abseits des Geschehens und sieht den Protagonisten bei ihren verzerrten Lebenswegen zu. Meistens kann man nicht glauben, dass solche Menschen existieren, aber irgendwie ist man sich ihrer ganz bewusst. Es ist zusätzlich sehr angenehm, dass man dem Geschehen ohne Probleme folgen kann, weil es eine kontinuierliche Story gibt. Dies hätte man dem Folgewerk des absonderlich-langweiligem "Cosmopolis" nicht ganz zugetraut. Es ist sogar zugänglicher als "Mullholland Drive", das von seiner Atmosphäre lebt. Deswegen könnte man sagen, dass "Maps to the Stars" ein ziemlich guter Einstieg in die Filmografie des David Cronenberg ist.

Man bekommt das ganze Paket an Absurditäten, ohne auf tolle Bilder und eine ironische Story zu verzichten. Als Schwachpunkt könnte man den Hollywood-Satire-Teil bezeichnen, denn er ist anderen Filmen seiner Art nicht ganz unähnlich. Aber davon abgesehen ist dieser Film ziemlich perfekt: Er hat überraschende Elemente, ausdrucksstarke Schauspieler, pointiertes Make-Up und Kostümbild und eine Story, die so noch nicht erzählt wurde.

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

Ähnliche Artikel

Mehr in dieser Kategorie: « Bald im Kino: Lucy DRACULA UNTOLD »
 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook