BÜCHERBÖRSE

LET'S CEE Film Festival 2014: Programm

Vom 2. bis zum 11. Oktober 2014 findet in Wien das dritte LET'S CEE Film Festival statt. (c) LET'S CEE Film Festival
Vom 2. bis zum 11. Oktober 2014 findet in Wien das dritte LET'S CEE Film Festival statt.

Große Filme, große Namen, große Emotionen.

Über 90 hervorragende Filme aus Zentral- und Osteuropa, nicht viel weniger internationale Gäste, darunter wieder einige Oscar-Preisträger, drei extrem stark besetzte Wettbewerbe, einige tolle Konzerte, dazu Lesungen, Master Classes und vieles mehr: Das dritte LET´S CEE Film Festival (2. bis 11. Oktober) präsentiert sich erneut als künstlerisch wie gesellschaftspolitisch wertvolle Bereicherung des Wiener Kulturkalenders.

Eröffnet wird das Festival heuer mit WHITE GOD aus Ungarn, einem ebenso aufwühlenden wie bissigen und vielschichtigen Film, bei dem die wahren Stars vier Beine haben. Die Allegorie auf eine zunehmend autoritärer werdende Gesellschaft ging dieses Jahr übrigens als Sieger aus der Sektion „Un Certain Regard“ in Cannes hervor und wurde vor allem von amerikanischen Kritikern sehr positiv bewertet. Und als Closing Film ist der ultimative litauische Box-Office-Hit REDIRECTED zu sehen, dessen Mischung aus Actionstreifen, Thriller, Krimi und Komödie Unterhaltung pur verspricht und zu dessen Österreichpremiere neben dem Regisseur Emilis Vėlyvis auch der englische Hauptdarsteller Scot Williams anreisen wird.

Spielfilm-Wettbewerb

Im Mittelpunkt des vom wohl bekanntesten polnischen Filmkritiker Tomasz Raczek kuratierten Spielfilm-Wettbewerbs stehen neun Filme aus ebenso vielen Ländern. So zum Beispiel das auffällig realistisch inszenierte und schnörkellose Politdrama ROXANNE aus Rumänien, die bereits mehrfach preisgekrönte und außergewöhnliche Familiengeschichte HUSH aus Kroatien oder die polnische Produktion PAPUSZA, die die wahre Geschichte des tragischen Schicksals der ersten Roma-Schriftstellerin schildert. Das „wunderschöne Drama“ (Variety) COME TO MY VOICE aus der Türkei erzählt wiederum über das harte Leben unter Repressionen und von einer Odyssee, die ein kurdisches Mädchen zusammen mit seiner Großmutter auf sich nehmen muss, um ein Gewehr zu finden, das es gar nicht gibt. Neben all diesen sowohl künstlerisch als auch politisch sehr relevanten Werken unterstreicht auch das großartig gespielte georgische Gefängnisdrama BRIDES „die äußerst positive Entwicklung, dass im CEE-Raum immer häufiger starke Frauen in den Mittelpunkt des Geschehens rücken – sowohl vor als auch hinter der Kamera“, so die Festivaldirektorin Magdalena Żelasko.

Der Humor kommt im Wettbewerbsprogramm aber ebenfalls nicht zu kurz: Mit MONUMENT TO MICHAEL JACKSON ist nämlich eine herzliche und bittersüße dunkle Komödie im Programm. Der bizarre Beinahe-Western wirft einen erfrischend unterhaltsamen Blick auf die in der Vergangenheit stark gebeutelte Balkanregion. Eine völlig andere Richtung schlägt wiederum THE GODFATHER’S STORY aus Tschechien ein. Die raffiniert inszenierte und actiongeladene Mafiageschichte beruht im Kern auf wahren Begebenheiten, ist in Tschechien sowohl von den Kritikern als auch vom Publikum bestens angenommen worden und verspricht Spannung pur.

Dokumentarfilm-Wettbewerb

Der ebenso fesselnde wie zudem scharfsinnige russische Dokumentarfilm PIPELINE zeigt in wunderschönen Bildern, wie Menschen in sieben Ländern entlang einer Gaspipeline quer durch Europa leben und was sie außer der Truba sonst noch verbindet. Weitere Film sind etwa SCANDAL, der die schwierige Geschichte der albanischen LGBT-Bewegung und deren Emanzipation porträtiert. Politisch hochaktuell zeigt sich aber auch THE TERM aus Russland – eine Art regimekritisches Cross-Media-Online-Projekt über das (Innen-)Leben führender Oppositioneller. UKRAINE_VOICES ist ebenfalls von höchster Brisanz: Neun Filmemacher und Filmemacherinnen beschäftigen sich in diesem topaktuellen Dokumentarfilm kaleidoskopartig mit der Zukunft der Ukraine vor Beginn des großen Umbruchs im Winter 2014. Und rückblickend betrachtet mit der Frage, ob die nahende Katastrophe damals schon absehbar war. Mit HAPPILY EVER AFTER sucht die Filmemacherin Tatjana Božić in einer humorvollen Erkundungsreise verflossene Liebschaften auf, um ein Muster in ihren gescheiterten Beziehungen zu finden. Höchst intim ist auch Damjan Kozoles mehr als außergewöhnlicher Dokumentarfilm ULAY über den gleichnamigen polyglotten Pionier der Performance-, Konzept-, Körper- und Polaroidkunst. VELVET TERRORISTS, eine tschechisch-slowakisch-kroatische Koproduktion besticht wiederum durch seine intelligente Mischung aus Geschichte, Politik und Zwischenmenschlichem, indem er drei Widerstandskämpfer aufspürt, die wegen Anschläge auf den kommunistischen Einparteienstaat seinerzeit im Gefängnis landeten. Aber auch zwei Regionen, von denen vermutlich nur die wenigsten gehört haben, werden porträtiert: So geht es im höchst unterhaltsamen PMR – IN THE STATE OF LIMBO um den von Russland abhängigen Landstreifen Transnistrien, der gerne ein Staat wäre, jedoch von keinem Land der Welt als solcher anerkannt wird. Ein Schicksal, das auch der Ostukraine droht? PELICAN IN THE DESERT, der über das drohende Verschwinden einer ganzen Kultur beziehungsweise Zivilisation der lettischen Region Lattgalen erzählt, besticht im Gegensatz dazu in erster Linie durch seine visuelle Schönheit.

Kurzfilm-Wettbewerb

Dieser steht unter dem Motto THE TASTE OF FREEDOM. 13 im wahrsten Sinne des Wortes großartige Filme von jungen Filmemachern sind zu sehen. Darunter bereits auf renommierten Festivals wie Cannes oder Sarajevo gezeigte Produktionen wie beispielsweise THE CHICKEN aus Kroatien, THE EXECUTION aus Ungarn/Rumänien oder INVISIBLE SPACES aus Georgien.

Schwerpunkte und Specials

TURBULENZEN DES KOMMUNISMUS setzt sich etwa auf vielfältige Art und Weise mit dem titelgebenden Thema auseinander. Mit dem Spionagethriller JACK STRONG befindet sich auch ein echter polnischer Publikumshit in diesem Programm, das vom ungarischen Geiseldrama THE AMBASSADOR TO BERN und der Familiengeschichte I AM AN OLD COMUNIST HAG ergänzt wird.

WO DIE LIEBE HINFÄLLT lautet das Motto eines weiteren Schwerpunkts. Gleich vier Filme machen deutlich, dass sich das zwischenmenschliche Phänomen LIEBE wirklich an keine Gesetze zu halten bereit ist. So wird etwa in der romantischen Komödie KARNAVAL die Beziehung zwischen Mann und Frau um einen Staubsauger bereichert und sowohl in der packenden Milieustudie AMSTERDAM EXPRESS als auch in WATCHTOWER aus der Türkei finden jeweils zwei liebenswerte Menschen zueinander, für die in der Gesellschaft kein Platz mehr zu sein scheint. Und natürlich werden hier ebenfalls wieder Gäste die Produktionen vorstellen, wie etwa Nilay Erdönmez, die Hauptdarstellerin der soeben erwähnten brillanten türkischen Liebesgeschichte sowie die estnische Produzentin Riina Sildos, die neben ihrem im Spielfilm-Wettbewerb laufenden I WON’T COME BACK auch LOVE IS BLIND präsentieren und eine Master Class halten wird.

Die Sektion PROMISING DEBUTS widmet wiederum drei jungen Regisseurinnen und Regisseuren, die gerade ihren Debütspielfilm fertiggestellt haben, eine Plattform, um sich präsentieren zu können. Und wer weiß: Vielleicht zählen ja Mina Đukić (THE DISOBEDIENT), Tudor Cristian Jurgiu (THE JAPANESE DOG) sowie Sonja Prosenc (THE TREE) schon bald zu den Stars der internationalen Festivalszene.

In der Reihe FESTIVAL ZU GAST wird wie bereits 2013 das FILMFESTIVAL goEast in Wien Station machen und den schrägen russischen Dokumentarfilm NEPAL FOREVER zeigen. Das SARAJEVO FILM FESTIVAL kommt mit dem in Cannes uraufgeführten Episodenfilm BRIDGES OF SARAJEVO im Gepäck, einem Werk, das sich auf künstlerisch hochwertige Art und Weise mit der Geschichte der Stadt in den letzten 100 Jahren auseinander setzt. Das Sarajevo Film Festival wird in Wien zudem das intelligent inszenierte Drama THREE WINDOWS AND A HANGING aus dem Kosovo zeigen, dessen natürlich auch anwesender Regisseur Isa Qosja mit KUKUMI auch noch einen zweiten Film auf dem Festival präsentieren wird.

Bei 25–THE RETROSPECTIVE werden von internationalen Kritikern ausgewählte CEE-Klassiker gezeigt, die seit dem Fall der Berliner Mauer vor genau 25 Jahren produziert wurden. Darunter befinden sich absolute Kultfilme wie THE DOUBLE LIFE OF VERONIQUE von Krzysztof Kieślowski, UNDERGROUND von Emir Kusturica, IN THE FOG von Sergei Loznitsa, NO MAN’S LAND von Danis Tanović, der rumänische THE DEATH OF MR. LAZARESCU von Cristi Puiu oder BEFORE THE RAIN, der 1994 den Goldenen Löwen gewann. Dessen Regisseur Milcho Manchevski wird übrigens auch nach Wien kommen und eine Master Class halten. THE BAT aus Aserbaidschan, der makabre Gangsterthriller 13 TZAMETI aus Georgien sowie TULPAN aus Kasachstan ergänzen das vielseitigen Programm, das im nächsten Jahr fortgesetzt werden wird.

Das bereits traditionelle musikalische Rahmenprogramm des LET'S CEE Film Festival widmet sich wie gehabt der Schnittstelle zwischen Film und Musik: Die rumänische Kultband FANFARA TRANSILVANIA wird mit Liedern aus Filmen von Kusturica und Co. ebenso auftreten wie die durch Kieślowskis DREI FARBEN-Trilogie bekannt gewordene Sopranistin ELŻBIETA TOWARNICKA und der aserbaidschanische Jazzmusiker SALMAN GAMBAROV, der mit seinem Ensemble den von ihm vertonten sowjetischen Stummfilm LATIF musikalisch begleiten wird. Last but not least: Der legendäre Wiener OST KLUB wird zum wirklich allerletzten Mal seine Tore öffnen und gemeinsam mit LETS CEE zur ultimativen Abschiedsparty einladen.

Weitere Infos und Tickets unter letsceefilmfestival.com

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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