BÜCHERBÖRSE

Kein Mittel gegen Liebe

  • geschrieben von Delphine Kristofics-Binder
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Liebe und Tod: Zwei Thematiken, die uns mehr umgeben und beschäftigten, als sonst etwas. Regisseurin Nicole Kassell verbindet sie in ihrem aktuellen Drama und liefert damit einen emotionalen Film mit vielen Höhen und Tiefen.

 

Marley hat alles: Einen aufregenden Job, bei dem sie gerade erst befördert wurde, tolle Freunde, mit denen sie sämtliche Bars in New Orleans unsicher macht und ein attraktives Aussehen, das ihr bei den ständig wechselnden Männerbekanntschaften alle Türen öffnet. An Märchen glaubt die schlagfertige Blondine schon seit der Scheidung ihrer Eltern nicht mehr und so sucht sie gar nicht erst nach der perfekten Beziehung. Wozu das Leben kompliziert machen, wenn doch alles so einfach sein kann?

Dieser Leichtigkeit wird allerdings ein plötzliches Ende bereitet, als bei der hübschen Geschäftsfrau Darmkrebs diagnostiziert wird. Marley, die den Dingen stets mit Humor entgegentritt, muss dem Ernst des Lebens (im Film personifiziert durch die Schauspielgröße Whoopi Goldberg, die so etwas wie einen Schicksalsengel darstellt) plötzlich direkt ins Auge blicken. Ist ihr Leben denn wirklich so perfekt, oder fehlt da vielleicht doch noch etwas?

heaven2 c 2011 senator film verleihWie in derartigen Romanzen üblich, fehlt natürlich etwas ganz Bestimmtes: Der Traumprinz muss gefunden werden, ehe die Krankheit Marleys Leben frühzeitig beendet. Wie praktisch erscheint es da, dass ausgerechnet ihr behandelnder Arzt ausgesprochen gut aussieht und mit der richtigen Mischung aus Schüchternheit und Charme das Herz seiner Patientin erobert. Zumindest versucht er das, denn so glücklich Marley auch scheint, so zerbrechlich ist sie, wenn es um das Thema Beziehungen geht. Aus Angst, den gleichen Fehler wie ihre Mutter zu machen und sich in den falschen Mann zu verlieben, währt sie sich stärker gegen die Liebe, als gegen ihren bevorstehenden Tod.

Doch genau dieser Punkt ist es, der dem Film leider einiges an Glaubwürdigkeit raubt. Zu viel Kitsch und Heiterkeit mischt sich in den in Wahrheit tragischen Lebensabend der jungen Frau.

Ist der Krebstod etwa nicht so schlimm, wenn man davor mit all seinen Freunden und der Familie Frieden geschlossen und noch dazu den Traummann gefunden hat?! Wer sich diese Frage im Laufe des Films stellt, muss sie sich am Ende, wenn die gesamte Taschentuchpackung aufgebraucht ist, wohl selbst beantworten. Denn beim Versuch, Komödie und Tragödie gleichzeitig zu sein, schafft es der Film zwar durchaus, das Publikum sowohl zum Lachen, als auch zum Weinen zu bringen, allerdings bleibt die Moral dabei auf der Strecke.

Fazit: Einerseits lässt die paradoxe Handlung, die nicht zwischen Hoffnung und Todesangst entscheiden möchte, sondern eine Kombination aus Beidem sein will, den US-Streifen „Kein Mittel gegen Liebe“ stellenweise sehr künstlich erscheinen. Die gelungene, sehr emotionale Inszenierung des Dramas schafft es andererseits jedoch, den Zuseher zu bewegen und für einen unterhaltsamen und vor allem rührenden Kinoabend zu sorgen. Taschentücher also nicht vergessen!

Infos zum Film

Start in den österreichischen Kinos: 06.Oktober 2011
Originaltitel: A Little Bit of Heaven
Länge: 107 Minuten
Regisseur: Nicole Kassell
Genre: Romantik/Drama
Verleih: Senator Filmverleih
Produktionsjahr: 2011

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