BÜCHERBÖRSE

Spoilerfrei: Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth

Die neuste Jugendbuchverfilmung © 20th Century Fox
Die neuste Jugendbuchverfilmung

Es fühlt sich so an, als würde in jedem Monat ein anderes (Fantasy-)Jugendbuch aus dem Boden ploppen und prompt auf die Kinoleinwand tapeziert werden. Der aktuelle Neuzugang heißt Maze Runner. Diesmal gilt: nicht zu vorschnell urteilen.

Die meisten Jugendfantasyfilmromanvorlagen (warum nicht endlich ein Acronym für das Phänomen „Nach dem einigermaßen gut verkauften Buch, von dem wir uns die Rechte sichern konnten“ erfinden?) haben einiges gemeinsam. Haken wir doch die Liste ab: Zielpublikum eindeutig Mädchen; starke weibliche Hauptrolle, mit wenig Ego; kann irgendwas besonders gut, weiß aber nichts davon; trifft irgendeinen Typen, zu dem sie eine seltsame Beziehung hat, die dann aber irgendwann in einer normalen Beziehung endet. Bummzack: Bestseller Schrägstrich Blockbuster geschrieben.

Nun zum Film...

Aber tatsächlich ist Maze Runner anders. Und das vor allem – ich bin ehrlich – weil die Hauptperson diesmal nicht weiblich ist. Eigentlich kommt sowieso nur ein einziges Mädchen im ganzen Film vor. Prinzipiell ist die Handlung schnell spoilerfrei erklärt: eine Gruppe von Jungs sitzt in der Mitte eines seltsamen Lybyrinths fest. Ohne Erinnerung, ohne zu wissen was kommen wird. Und jetzt schleichen sie sich doch ein, die Klischees: der Hauptcharakter Thomas (Dylan O’Brien) ist irgendwie besonders, der „Leader“ ist irgendwie komisch und niemand, aber auch wirklich NIEMAND rückt mit verdammt relevanten Infos raus. So viel zum Plot.

Die Stärke des Films ist keinesfalls die schauspielerische Leistung – es ist halt auch schwierig 20 gute Jugendschauspieler zu finden. Während Kaya Scodelario ihren Schauspielunterricht wohl bei Kristen Stewart bekommen hat, scheinen andere Charaktere schlichtweg fehlbesetzt, u.a. Will Poulter (zuletzt in Wir sind die Millers).

Mit was der Film bestechen kann, ist neben dem wirklich grandiosen und epischen Setting, tatsächlich die Handlung. Lässt man die Klischees außer Acht, so merkt man, dass dies endlich eine Buchverfilmung ist, die sich die Mühe gemacht hat, die Handlung ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen. Es gibt Special-Effects – und die sind wirklich gut! – aber sie überlagern nicht das Wesentliche, was den Film eigentlich schon wieder sehenswert macht. Da das Zielpublikum diesmal männlich ist, fallen auch überflüssige Romanzen weg. Nichtsdestotrotz bleibt der Film aber von Logikfehlern nicht ganz unverschont.

Maze Runner hat ein starkes Production Design und einen stimmigen Look. Die Kulissen sind stark gewählt und glaubwürdig pompös. Der Film versagt jedoch total, den Zuseher emotional zu ergreifen, weswegen er zwar kurzweilig anzuschauen ist, jedoch vergleichbaren Franchises, wie The Hunger Games, nicht das Wasser reichen kann.

© 20th Century Fox

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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