BÜCHERBÖRSE

2ViewsOn: Wish I Was Here

Zehn lange Jahre nach seinem Debutfilm Garden State, hat Zach Braff nun endlich weitergemacht: Whish I Was Here heißt der neue Film, in dem der Scrubs-Star nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch Regie führte und mit seinem Bruder gemeinsam das Drehbuch schrieb. Der Film ist dabei eine Fortsetzung von Garden State, nicht im eigentlichen Sinne, aber im Ton und der Thematik, so der Schauspier dazu.

Als erfolgloser Schauspieler kämpft Aidan Bloom im Film nicht nur um die Existenz, sondern auch mit sich selbst. Seine Frau verdient das Geld und es wird schwer, die zwei Kinder auf der teuren Privatschule unterzubringen. Weil es eben nicht anders geht, muss Aidan die Kinder ab sofort zu hause unterrichten. Dies eröffnet den Weg in eine wundervolle Geschichte.

Die Besetzung lässt sich nicht lumpen: in den Hauptrollen spielen Kate Hudson, zusammen mit den fantastischen Kindern Joey King (Die fantastische Welt von OZ) und Pierce Gagnon (Looper). Aber auch die Nebenrollen lassen sich durchaus sehen: Mandy Patinkin (Homeland) oder Ashley Greeny (Twighlight). Natürlich dürfen auch einige Cameos nicht fehlen, wie z.B. von Donald Faison (Turk aus Scrubs), Jim Parsons (Sheldon aus The Big Bang Theory) oder James Avery (Philip aus Der Prinz von Bel-Air), in seiner letzten Rolle vor seinem Tod.

Sieben Punkte und zwei Meinungen sollen euch einen umfangreichen und differenzierten Einblick geben.

 

Das war herausragend

Andreas: Die gelungene Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Da folgt auf eine dramatische Krankenhauszene ein Rabbi der auf einem Segway gegen eine Wand brettert. Und das funktioniert irgendwie.
David: Die Geschichte, die Harmonie, der Bogen der gespannt wird. Vielleicht stellenweise nicht das originellste, was man je gesehen hat, aber definitiv ein durchwegs sehr guter Film.

Das war echt mies

Andreas: Eigentlich nichts. Manchmal drückt der Film ein wenig zu sehr auf die Tränendrüse. Aber das muss ja nicht immer etwas schlimmes sein.
David: Es ist tatsächlich schwer, dem Film etwas wirklich mieses zu finden. Auch wenn alle Charaktere wirklich gut ausgefeilt sind, sind vielleicht einige zu durchschaubar geworden. Das liegt wahrscheinlich an der Fokussetzung auf die Hauptcharaktere, aber einige Nebencharaktere hätten doch ein wenig mehr originellen Tiefgang vertragen.

Schauspielerische Leistung

Andreas: Der Cast ist durch die Bank hinweg gut. Zach Braff mimt überzeugend Aidan Bloom, den erfolglosen Schauspieler und noch erfolgloseren Lehrer für seine eigene Brut. Auch Kate Hudson spielt an seiner Seite sehr einnehmend die Frau an seiner Seite, Sarah. Auch die restliche Darstellerriege weiß zu gefallen, hervorzuheben sind hier Joey King als hyper-jüdische Tochter Grace und Mandy Patinkin als todkranker Großvater Gabe Bloom. Außerdem darf man sich auf ein Wiedersehen mit einigen bekannten Gesichtern aus Scrubs freuen.
David: Am meisten beeindruckt war ich von der kleinen Schauspielerin Joey King. Trotz ihres Alters bringt sie eine unglaubliche emotionale Größe auf die Leinwand. Was Zach Braff selbst betrifft, war ich zugegebenermaßen stellenweise etwas endtäuscht. Ich laste es dem Umstand an, dass er bei sich selbst Regie führte, aber manche Szenen habe ich ihm leider nicht abgekauft.

Die beste Szene

Andreas: Wenn sich Familie Bloom am Krankenbett des Großvaters versammelt, bleibt kein Auge trocken.
David: Da sind wirklich einige gute dabei. Je nachdem welche Emotionen man sucht, findet man die besten witzigen Szenen mit Jim Parsons, die emotionalste aber bei Kate Hudson und Mandy Patinkin am Krankenbett.  

Die emotionale Aufarbeitung

Andreas: Braff verarbeitet in seinem Film behutsam Themen wie Tod, die Bürde einer Familie, berufliche und private Erfolglosigkeit und wird aber nicht zu klamaukig oder melodramatisch. Da ist auch das zu erwartende Feel Good Ende nur ein kleiner Wermutstropfen.
David: Der Film geht einem wirklich nahe. Er schafft es gekonnt emotional zu ergreifen und Sekunden später wieder zum Lachen zu bringen. Eine meisterhafte Balance zwischen Drama und Komödie mit erfrischend gut geschriebenen Dialogen. 

Für Fans von?

Andreas: Fans von Zach Braffs erster Regiearbeit Garden State. Aber auch Freunde von Scrubs werden auf ihre Kosten kommen, denn einiges erinnert von Stil und Ton an die Krankenhaus-Serie.
David: Alle, die Komödien lieben, die mehr sind, als reiner Slapstick, aber auch jene, die eine Pause von Explosionen im Kino brauchen.

Ein wohlüberlegtes Fazit

Andreas: Ein feiner, kleiner Indie-Film mit einer interessanten Produktionsgeschichte. Zach Braff beweist erneut sein Multitalent als Autor, Hauptdarsteller und Regisseur und begeistert durch eine schräge, fantasievolle Art alltägliche Probleme aufzuarbeiten. Manchmal schrammt Wish I was Here ein wenig an der Grenze zum Kitsch entlang, überschreitet sie aber nie.
David: Eine wunderbare Komödie mit Tiefgang oder ein Drama mit witzigem Charme. Wenn auch stellenweise durchwegs vorhersehbar, ein ausgesprochen gelungener Film.  

Artikel von David Klotz und Andreas Müllauer.

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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