BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Die Boxtrolls

Filmstart: Die Boxtrolls (c) Universal Pictures

Es ist soweit: Die Boxtrolls machen unsere Kinos unsicher, sogar in 3D. Und weil man sich jetzt fragt, was Boxtrolls sind, dann muss man eigentlich nur die Bewohner der kleinen Stadt Cheesebridge fragen, welche sich auf einem Hügel erbaut über die umliegende Landschaft erhebt. Die Antwort lautet: Sie sind grauenerregende Monster, die dir das Fleisch von den Knochen ziehen und aus denen dann gruselige Dinge bauen. Was sie mit deinen Augen machen, willst du gar nicht wissen. Und ganz wichtig: Sie stehlen sogar Babys. Sie sind also ganz schön unliebsame, wirklich fürchterliche Bestien. Und gerade weil sie diesen schrecklichn Ruf haben, kommt es dem schnöseligen Bürgermeister Lord Portley-Rind (Stimme: Jared Harris ("Sherlock Holmes: Spiel im Schatten")) gerade recht, dass der "Schädlingsbekämpfer" Archibald Snatcher (Stimme: Ben Kingsley ("Shutter Island")) in der gruseligen Eröffnungsszene anbietet, jeden einzelnen Boxtroll zu jagen und zu töten. Als Gegenleistung möchte er lediglich einen weißen Hut, wie ihn die hohen Herren in Cheesebridge zu tragen pflegen. So nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Es ist natürlich schon vorab erkennbar, dass dieser Archibald Snatcher Böses im Schilde führt. Denn die Boxtrolls sind entgegen aller Gerüchte ein liebenswertes, drolliges Volk, welches im Untergrund von Cheesebridge lebt und nur des Nachts durch die Gassen der Stadt wandelt, um allerlei Alltagsgegenständen habhaft zu werden, auch wenn sie schon im Müll liegen. Unter ihnen befindet sich auch der Junge Eggs (Stimme: Isaac Hempstead Wright ("Game Of Thrones")), dessen Geschichte im Laufe des Films aufgedeckt wird. Das klingt alles schon ziemlich verrückt für einen Kinderfilm. Es lässt sich auf jeden Fall sagen: Das ist es auch. "Die Boxtrolls" ist ein Film der heutzutage eher seltenen, weil extremst aufwendigen Sorte, da er in der 3D-Stop-Motion-Methode „gedreht“ wurde. Es werden also einzelne, unbewegte Bilder aufgenommen und eine Bewegungsillusion durch das aneinanderreihen dieser erzeugt, ähnlich wie man es aus dem Daumenkino kennt. Teilweise wurde auch animiert, aber nie die Figuren.

Die Geschichte ist für kleine Kinder wahrscheinlich zum Teil außerordentlich gruselig und nervenaufreibend, aber das tut dem Film keinen Abbruch, schließlich haben wir auch alle die böse Stiefmutter in der Disney-Verfilmung von "Schneewittchen" überlebt. Wer britischen Humor liebt, kommt in diesem Film ebenfalls auf seine Kosten, allen voran mit den beiden Helfern von Snatcher, Mr. Pickles (Stimme: Richard Ayoade ("The Watch – Nachbarn der 3. Art")) und Mr. Trout (Stimme: Nick Frost ("Shaun of the Dead")), die den Film über immer wieder über ihre Rolle philosophieren dürfen. Und es darf auch verraten werden: Wo Nick Frost ist, kann einer nicht weit sein: Auch Simon Pegg ist mit an Bord und hat vor allem Marmelade im Kopf. Geld spielt in diesem Film im Übrigen keine Rolle: Diese Funktion übernimmt der Käse, und das ist es auch, wonach es Snatcher am meisten gelüstet. Er möchte unter allen Umständen eines Tages an der Verkostung des Käses teilnehmen, welche die hohen Herren um Lord Portley-Rind immer wieder zelebrieren. Und dafür müssen leider die Boxtrolls ihren Kopf hinhalten...

Trailer: (Klick!)

Fazit: "Die Boxtrolls" ist wunderbar, charmant, äußerst amüsant und für alle Altersklassen durchweg zu empfehlen. Das Regieduo Graham Annable und Anthony Stacchi hat hier mit seinem Team hervorragende Unterhaltung für jung und alt geschaffen. Es lohnt sich auch wirklich, den Film in der überragend vertonten Originalversion anzuschauen, der auf Alan Snows Roman "Here Be Monsters!" basiert. Mit viel Detailreichtum und originellen Charakteren könnte für den Film, wie auch für die beiden vorherigen Filme des Studios Laika ("Coraline" & "ParaNorman") eine Oscar-Nominierung als "Bester Animationsfilm" herausspringen.

"Die Boxtrolls" läuft ab 23. Oktober 2014 im Kino.

(c) Universal Pictures

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

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