BÜCHERBÖRSE

[Nicht ganz so] Spoilerfrei: Interstellar

Die Welt hinter sich lassen (c) Warner Bros.
Die Welt hinter sich lassen

Christopher Nolan bringt uns einen neuen Film ins Kino. Und da der Regisseur schon an sich irgendwie ein Spoiler ist, nehme ich es diesmal mit der Geheimhaltung nicht ganz so genau.

Völlig ahnungslos betrat ich diesmal das Kino, Trailer ausgelassen, Rezensionen aufgehoben und Kommentare ausgeblendet. Einzig und allein durch Titel und Plakat wusste ich, was mich wohl erwartet. Und wer sich das vollkommene Filmerlebnis wünscht, sollte das gleiche machen. Speichert die Seite und öffnet sie nach dem Kinobesuch nochmal.

Gut, man kann ja niemanden zu etwas zwingen. Um was geht es: Die Welt ist der Apokalypse nahe. Sie ist verdreckt und verstaubt, ausgetrocknet und ausgehungert. Die NASA wurde aufgelassen, niemand braucht die Weltraumforschung, wenn die Menschheit am Hungertuch naht. Christopher Nolan nimmt sich erstaunlich viel Zeit um dem Publikum das alles begreiflich zu machen. Er zeichnet ausführlich ein Bild von einer pre- (und gleichzeitig irgendwie post-) apokalyptischen Welt und macht dies anders wie The Day After Tomorrow oder 2012. Die Erde steht am Abgrund. Na und? Das ist Alltag in Interstellar und damit wird das alles irgendwie real. Aber die Menschheit muss überleben, sie giert nach einer Lösung, einem Ausweg, Hoffnung. Und nun endlich kommen wir raus aus den anfänglich holprigen Expositionen und rein in eine unendliche Weite.

Der Film lässt die Erde hinter sich und damit auch die Beschränktheit des einfachen Geistes. Raus in ein Universum voller Möglichkeiten und Theorien über Relativität, Schwerkraft und Zeit. Interstellar erklärt mit einfachen Worten physikalische Gesetze und lässt die ganze Filmlogik damit einleuchtend wirken.
In einzelnen Phasen wirkt der Film dann aber wieder etwas zu klischeehaft, amerikanisch und möchtegern-emotional, was ihn wieder in seine anfängliche Beschränktheit zurückholt, aber vielleicht macht ihn ja gerade das nachvollziehbar.

Das gewaltige Staraufgebot, mit dem der Film daher kommt, präsentiert die Geschichte ebenso authentisch wie glaubhaft: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Casey Affleck, Wes Bentley, Michael Caine. Sie alle tragen zum Erfolg des Filmes bei – und das nicht nur aufgrund ihrer Namen. Nicht zu verachten ist aber auch der Roboter, der der Crew zur Seite steht und zwar anfangs etwas altbacken für einen Zukunftsfilm wirkt, sich aber immer mehr entfaltet.

Interstellar ist ein unglaublich sehenswerter Film, der sich wohl sehr an 2001: Odyssee im Weltraum orientiert, nicht zuletzt weil sich die Frage aufdrängt, was es denn mit Weltraumbildern und klassischer Musik auf sich hat. Aber nichtsdestotrotz grandioses Kino (mit erneut wunderbarer Musik von Hans Zimmer), das einen am Ende nur schwer von den Sesseln aufstehen lässt.

 

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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