BÜCHERBÖRSE

Dreiviertelmond

Elmar Wepper c Majestic  Kerstin StelterHartmut ein über sechzig-jähriger Franke, voll von Vorurteilen, voller Skepsis gegenüber jeglichem Fremden oder Neuem. Hayat, ein kleines türkisches Mädchen, dem Deutschen nicht mächtig, allein in Nürnberg. Wie diese beiden Charaktere aufeinandertreffen, miteinander umgehen und klar kommen, zeigt der außergewöhnliche Film „Dreiviertelmond“ von Christian Zübert.

Gülen ist mit ihrer sechsjährigen Tochter Hayat (Mercan Türkoglu) auf dem Weg nach Deutschland. Sie bringt Hayat zu ihrer Großmutter, da sie selbst aus beruflichen Gründen verreisen muss. Auf dem Weg vom Flughafen Nürnberg zu der Großmutter treffen die beiden auf den Taxifahrer Hartmut (Elmar Wepper). Er ist nicht gerade freundlich. Eher mürrisch und eigen. Er kann nur schwer mit Fremden oder Ungewohntem umgehen. Auch zu seinen ausländischen Kollegen ist er nicht gerade nett oder hilfsbereit.

Hayats Mutter, Gülen (Ivan Anderson) ist bereits abgereist, als die Großmutter erkrankt und ins Krankenhaus, auf die Intensivstation muss. Hier kümmert sich niemand um das kleine Mädchen, das stundenlang allein und verängstigt im Aufenthaltsraum wartet. Als Hayat zufällig die Stimme des mürrischen Taxifahrers hört, steigt sie heimlich in sein Taxi ein. Hartmut ist mit der Situation sichtlich überfordert. Er muss sich nun um ein kleines Mädchen kümmern, dass nichteinmal deutsch spricht. Letztendlich hilft ihm aber genau diese kleine, aufgeweckte Mädchen nach der Trennung von seiner Frau wieder zurück ins Leben zu finden.

Hartmut und Hayat c Majestic  Kerstin Stelter

Das letzte Mal, dass man Elmar Wepper auf einer Kinoleinwand gesehen wurde, ist bereist drei Jahre her. 2008 spielte er in dem Film „Kirschblüten-Hanami“ von Doris Dorrie eine Hauptrolle und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Auch in „Dreiviertelmond“ überzeugt Wepper wieder einmal mit einer ausergewöhnlichen schauspielerischen Leistung. Gekonnt zeigt er die verschiedenen Facetten und Charakterzüge des eigenbrödlerischen Taxifahrers Hartmut. Nur eine winzige Kritik ist zu erwähnen und selbst diese fällt höchstwahrscheinlich nur einem „Bayern“ auf, und kann somit fast nicht als Kritikpunkt gewertet werden. Der aus Augsburg stammende Schauspieler versucht, den für Nürnberg typischen fränkischen Dialekt zu sprechen, was ihm nicht immer einwandfrei gelingt.

Der Film lebt nicht durch „Special-Effekts“, sondern durch die Leistungen der Schauspieler. Hierzu trägt auch Mercan Türkoglu bei. Die inzwischen siebenjährige Berlinerin hatte vor „Dreiviertelmond“ noch keinerlei schauspielerische Erfahrungen, was man als Zuschauer während des gesamten Filmes nicht einmal ansatzweise erahnt. Das kleine Mädchen schafft es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Jede Sekunde glaubt man, sie spricht wirklich kein Wort deutsch und muss sich alleine in der fremden Großstadt zurechtfinden. Mercan Türkoglu glänzt, trotz ihrer Unerfahrenheit, an der Seite von Elmar Wepper.

Ein weiterer Höhepunkt des Filmes ist die sehr schöne und passende Musikauswahl.

Der Film „Dreiviertelmond“ von Christian Zübert läuft bereits, seit dem 13. Oktober im Kino und wird zu unrecht in die kleinsten Kinosäle Österreichs verbannt, denn er ist jede Minute äußerst sehenswert.

http://www.youtube.com/watch?v=Pqolo7tIoyw

Dreiviertelmond Plakat c MajesticFilmdaten

Regie: Christian Zübert
Genre: Tragikomödie
Land: Deutschland
Jahr: 2011
Länge: 94 Minuten

Julia Ernstorfer

Julia Ernstorfer | Ressortleiterin Studentenleben

julia.ernstorfer (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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