BÜCHERBÖRSE

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Blackhat Poster (c) Universal Pictures
Blackhat Poster

Nach sechs Jahren Abstinenz vom Regiestuhl hat sich Film-Veteran Michael Mann wieder hinter die Kamera gestellt. Mit Blackhat bringt er am 5. Februar  endlich wieder einen Actionthriller in die Kinos, der sich mit einem besonders brisanten Thema auseinander setzt: Hackern und deren erschreckender Einfluss.

Zur Story: Nachdem in Hong Kong ein Atomkraftwerk durch eine Cyber-Attacke zerstört wird und auch die USA von Hackerangriffen erschüttert werden, müssen beide Regierungen zusammen arbeiten, um der Bedrohung aus dem USB-Stick Herr zu werden. Der chinesische Captain Chen Dawai (Leehom Wang) stellt dafür ein internationales Team zusammen, darunter seine Schwester Lien (Tang Wei) und der inhaftierte Hacker Nick Hathaway (Chris Hemsworth), Dawais alter Studienfreund. Die Suche nach dem geheimnissvollen Hacker treibt das Team von Los Angeles bis Jakarta einmal über den Globus.

Wir haben uns den Film für euch vorab angesehen und geben euch in 6 Punkten eine kleine Vorschau darauf, was euch im Film erwartet:

Das war herausragend

Jan: Die Inszenierung des Films ist herausragend. In Zeiten von CGI-Welten ist es eine wunderbare Abwechslung, wenn ein Film an Originalschauplätzen gedreht wurde, und sei es auch nur für fünf Minuten, die es am Ende in den Film schaffen. So darf der Zuschauer mit der Geschichte durch verschiedene Länder und Kontinente reisen, ähnlich wie in den James-Bond-Filmen. Hier hat Regisseur Michael Mann hervorragende Arbeit abgeliefert, auch wenn es nicht sein bester Film ist.

Andreas: Die Action. Rar gesät, aber wenn es mal zur Sache geht - dann richtig! Michael Mann lässt in den packend inszenierten Schusswechseln sein gesamtes Können aufblitzen. Ob in Hongkong, Jakarta oder Los Angeles. Wenn Hemswort und Co. zu den Bleispritzen greifen, nimmt der Film ordentlich Fahrt auf.

Das war echt mies

Jan: Wirklich mies war nichts. Man kann bei der Geschichte schon mal den Faden ein wenig verlieren, aber das ist auch nicht allzu wichtig. Viele Laptops, viele USB-Sticks, ein kleines bisschen mehr Aktivität wäre wünschenswert gewesen, aber Blackhat ist nun einmal ein Film über Hacker, also war das zu erwarten.

Andreas: Die erste dreiviertel Stunde ist leider voller Längen. Auch danach verzettelt sich Mann oft in endlosen Hacker-Details und stiefmütterlichen Nebenfiguren. Eine stringentere Inszenierung hätte Blackhat wirklich gut getan.

Schauspielerische Leistung

Jan: Herausragend ist vor allem Chris Hemsworth, der vielleicht nicht unbedingt dem Klischee vom Computernerd entspricht, aber die Rolle wie in vielen seiner bisherigen Filme mit Bravour meistert. Die meisten Figuren bleiben eher blass, was ein wenig schade ist, denn eigentlich haben sie teilweise ein enormes Entwicklungspotenzial. Erwähnenswert ist die chinesische Schauspielerin Tang Wei, welche die weibliche Hauptrolle spielt. Lee-Hom Wang, der ihren Bruder darstellt, kann nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Das gelingt dafür dem leider nur kurz in Erscheinung tretenden William Mapother, der Fans der Serie Lost als „Ethan“ bekannt sein dürfte.

Andreas: Hemsworth mag zwar ein ordentlicher Schauspieler sein, aber ich hab ihm den Hacker nicht abgenommen. Schlägt er noch in der einen Szene drei Attentäter zu Brei, dekodiert er schon unmittelbar danach einen ellenlangen Algorithmus. Für mich war er als testosterongetriebener Computerexperte ein Fremdkörper. Überraschend stark war hingegen der asiatische Teil der Besetzung, der angenehmerweise sehr klischeefrei aufspielen durfte.

Die beste Szene

Jan: Der Wendepunkt der Geschichte. Man wird schon im Vorfeld darauf hingewiesen, vergisst es aber in den folgenden Minuten wieder. Die Situation ist allerdings so vorhersehbar, dass man als Zuschauer hofft, es möge nicht passieren, allerdings kann man nicht wirklich etwas tun. Es geht nur um das "Wann?", und darauf zu warten steigert die Spannung ins Unermessliche.

Andreas: Die erste große Actionszene in Hong Kong. Während die Protagonisten einen flüchtigen Verdächtigen durch die engen Gassen der Metropole verfolgen, trifft eine Sondereinheit der Polizei in einem unterirdischen Tunnel auf unerwarteten Widerstand. Blackhat erreicht zwar nie die Klasse von Manns Meisterwerk Heat, aber in diesen Filmminuten kann man sie erahnen.

Wer sich den Film anschauen soll

Jan: Jeder, der sich an James Bond oder ähnlichen Filmen erfreut und mit oftmals schnellen Zeit- und Ortwechseln kein Problem hat. Es gibt ein bisschen weniger Geballer, aber auch dieser Part kommt sicherlich nicht zu kurz.

Andreas: Fans von Michael Manns Filmen kommen freilich auf ihre Kosten. Andere Actionfans können auch einen Blick riskieren. Ein erzählerisches Meisterwerk darf aber niemand erwarten, dafür ist die Story zu dünn.

Ein wohlüberlegtes Fazit

Jan: Blackhat ist nicht Michael Manns bester Film, aber mit der beste, der im Kinojahr 2015 bisher erschienen ist. Er ist spannend, herausragend inszeniert und mit insgesamt guten Schauspielern besetzt. Auch die lange Spieldauer von 135 Minuten ist eher ein Pluspunkt, denn für die Entwicklung der Geschichte wird sich viel Zeit genommen. Insgesamt ist der Film uneingeschränkt zu empfehlen, obwohl er in den Vereinigten Staaten völlig zu Unrecht gefloppt ist! Auch die Geschichte um Hacker und deren Unwesen sollte niemanden vor einem Kinobesuch abschrecken. Selbst für Laien ist alles so dargestellt, dass man es wirklich gut versteht.

Andreas: Ich gestehe es: Ein bisschen enttäuscht war ich schon. Michael Mann schafft es nicht - nach seinen schwachen Filmen Miami Vice und Public Enemies - zu alter Form zurückzufinden. Dabei gibt das Thema Hacking gerade in Zeiten des NSA-Skandals und den Cyber-Attacken auf Sony so viel her. Aber einige packende Actionsequenzen und ansprechende Bilder reichen eben nicht für einen rundum gelungenen Film. So bleibt Blackhat erzählerisches Stückwerk, das bald in den Tiefen des Cyberspace verschwinden wird.  

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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