BÜCHERBÖRSE

[Nicht ganz so] Spoilerfrei: Jupiter Ascending

Wachowski-Weltraum-Abenteuer (c) Warner Bros.
Wachowski-Weltraum-Abenteuer

Die Wachowskis (Matrix-Trilogie) sind zurück in der Zukunft. Wieder nehmen sie sich dem Thema „Auserwählter“ und „Reinkarnation“ an. Doch diesmal geht es nicht um den Kampf gegen Maschinen, sondern darum, dass wir nicht allein im Universum sind.

Stellt euch vor, die Erde ist nicht der einzige Planet im Weltall, der von Menschen bevölkert ist. Eigentlich ist die Erde eine Farm, eine ziemlich junge sogar, und wir wurden hier hergebracht und aufgezogen. Die Drahtzieher sind nahezu unsterbliche Aristokraten, die darüber streiten, unter wessen Erbteil der blaue Planet wohl fallen wird. Und dann kommt es dazu, dass die russische Putzfrau (kein Scherz) zufällig die Reinkarnation der mächtigsten Frau des Universums ist und alles läuft etwas aus dem Ruder. Natürlich ist sie eine Gefahr für die Machthungrigen und muss eliminiert werden. Dies bietet Platz für eine verworrene Geschichte, in der jeder von eigenen, undursichtigen Motiven geleitet wird.

Der Film bietet alles was das Herz begehrt: Verfolgungsjagden, Schießereien, Chaos und Zertstörung – und das auch noch in ausgesprochen hohem-Standard-VFX und (überflüssigem) 3D. Gekrönt wird die Geschichte mit einer vorhersehbaren Liebesgeschichte. Das alles kann dann aber doch nicht über so einige Logiklücken hinwegtäuschen. Mau durchdacht werden uns die Lösungen für einige der bekanntesten Alien-Klischees erklärt, aber eben nicht zu Ende gesponnen – sonst würde alles wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Und während man sich noch über einige Beweggründe von Charakteren wundert, verschwinden sie schon im Abyss der Nebenhandlung und tauchen erst viel später oder gar nicht mehr auf.

Der Cast ist, wie so häufig, gespickt mit Stars: Die Hauptrollen spielen Mila Kunis und Channing Tatum (der unnötigerweise oft sein Hemd auszieht). Ihnen zur Seite stehen Sean Bean, Eddie Redmayne (The Theory of Everything), Douglas Booth (Noah) und Tuppence Middelton (The Imitation Game). Während Mila Kunis die meiste Zeit nur hilflos verbringt und Channing Tatum sie immer wieder aufspürt, kann man über die Bösewichte nicht wirklich viel sagen. Niemanden kauft man das durch und durch Böse ab.
Schließlich wird man von der gewaltigen Bildkraft des Films eingelullt, die schön und imposant aufgebaut wird. Jedes Detail mit Liebe ausgewählt von der Architektur bis hin zu Kostümen. Dies geht so weit, dass man meinen könnte, die Wachowski-Geschwister hätten sich selbst davon überzeugt, dass Ästhetik eine solide Handlung ersetzen kann. Selbst dem wohlgesinnten Zuschauer entgehen die Selbstimitation und die Wiederholungen nicht.

Jupiter Ascending ist ein Film, den man ohne Bedenken auslassen kann. Er ist sehr schön anzuschauen, bietet einige (typisch-wachowskische) Gesellschaftskritiken und versucht sich dadurch auf eine Metaebene zu heben. Wirklich innovativ-neues bietet der Film jedoch nicht. Durch die ausgesprochen hochqualitativen Effekte ist Jupiter Ascending zwar einen Kinobesuch wert, wer mag kann die 3D-Brille aber zuhause lassen.

(c) Warner Bros.

David Klotz

David Klotz | Redakteur und OCM

studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 

sagt zu Kino niemals Nein und hasst Spoiler 

david.klotz (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2012

 

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