BÜCHERBÖRSE

Elser – (13 minutes)

Szene aus Elser - (13 minutes) von Oliver Hirschbiegel (c) Lucky Bird Pictures, Bernd Schuller
Szene aus Elser - (13 minutes) von Oliver Hirschbiegel

Nach "Der Untergang" beschäftigt sich der Regisseur Oliver Hirschbiegel wieder mit dem Nationalsozialismus, diesmal aus einer anderen Perspektive, aus der der Widerstandskämpfer. Sein Film "Elser – 13 Minuten" feierte am 12.02. auf der 65. Berlinale seine Weltpremiere.

Georg Elser, für Oliver Hirschbiegel der erste Widerstandskämpfer der Nationalsozialisten, baute im Alleingang eine Bombe und wollte damit "den Krieg verhindern" (Zitat Georg Elser). Diese Bombe sollte Adolf Hitler und andere Führungskräfte während einer Rede im Bürgerbräukeller am 8.November 1938 treffen. Der Führer musste das Podium jedoch frühzeitig verlassen, wodurch die Bombe 13 Minuten zu spät explodierte.

Léonie-Claire und Fred Breinersdorfer, die beiden Drehbuchautoren, recherchierten sorgfältig, um den Film so wahrheitsgetreu wie möglich zu gestalten. Sehr zentral wird zu Beginn das viertägige Verhörprotokoll in Berlin in Szene gesetzt, das sich über den ganzen Film streckt. Von diesem ausgehend, lässt der Regisseur Oliver Hirschbiegel die Zuschauer in die Vergangenheit Georg Elsers bis zu dem Punkt der Verhaftung wandern. Durch diesen teils chronologischen Aufbau ist es möglich, die Wandlung nicht nur bei Elser selber, sondern im ganzen Land zu beobachten. Ruhige Einstellungen bis hin zur Standkamera betonen den Effekt des Beobachtens. Das Lachen und Spielen, die Liebe und Freiheit des Lebens. In einem Moment befinden sich die Nationalsozialisten noch am Stammtisch. Plötzlich wird man durch den Schnitt herausgerissen und das Verhör Elsers nach der Verhaftung geht weiter. Dann wieder zurück in die Vergangenheit. Langsam übernehmen die Nationalsozialisten das Land und in Elsers Fall das Dorf ein. Kommunisten und Juden, sowie andere nicht Gefügige werden abgeschoben.

Elser, der sich als Musikant und Casanova von Parteien und Kirche fern hält, erkennt die Gefahr, die Deutschland bevor steht und beschließt, zu handeln. Alleine. Etwas, das ihm die Nationalsozialisten nicht glauben. Mit Folter versuchen sie ihn zum Sprechen zu bringen, um an seine vermeintlichen Hintermänner heranzukommen. Ein Vorgang, der detailliert im Film gezeigt wird. Seinen Alleingang kann er erst durch eigenhändige Aufzeichnungen zur Planung des Anschlages beweisen, anschließend wird er bis zu seiner Ermordung am 09. April 1945 ins KZ Dachau verbannt.

Mit Ruhe und Achtsamkeit lässt Hirschbiegel den Zuschauer alles aufnehmen. So dauert auch die Hängung des NS-Generals Arthur Nebe ganze 100 Sekunden. Laut dem Regisseur ist das die Durchschnittszeit, bis man sein Bewusstsein verliert. Auf der Pressekonferenz der Berlinale zu "Elser  (13 minutes)" sagte er zu dieser Szene, dass er unter anderem auch darauf hinweisen wollte, wie lange die Täter dem zappelnden Opfer zuschauen müssen.

Die Geschichte Georg Elsers wurde 1969 schon einmal von Rainer Erler verfilmt. 1989 kam der Spielfilm "Georg Elser – einer aus Deutschland" von Karl Maria Brandauer in die Kinos. Es scheint eine schon vorhandene Geschichte zu sein und doch kennt ihn kaum jemand. Ein Grund dafür ist die sehr späte Anerkennung, dass er zu den Widerstandskämpfern der NS-Zeit gehört. Oliver Hirschbiegel würde das gerne ändern, für ihn steht Elser in der Heldenliste sogar über Carl Schenk Graf von Stauffenberg.

Hinweis der Autorin: Wer noch mehr über Georg Elser erfahren möchte, diese Seite ist unter anderem von dem Drehbuchautor Fred Breinsersdorfer empfohlen worden.

 

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