BÜCHERBÖRSE

Berlinale: Silberner Bär Alfred Bauer-Preis an "Ixcanul"

Ixcanul von Jayro Bustamante (c) La Casa de Producción
Ixcanul von Jayro Bustamante

Man kann es auch anders sagen, der Preis  "für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet" geht an den ersten Beitrag aus Guatemala auf der Berlinale. Jayro Bustamante, der Regisseur, der selbst in dieser Vulkangegend aufwuchs, wollte einen Film über den Alltag einer Familie der indigenen Völker dort machen. Daraus wurde mehr. Es ist eine Geschichte über die Bräuche der Maya, die Sprache und der Konfrontation mit unserer industrialisierten Welt.

Im Fokus steht dabei die Tochter María, gespielt von María Mercedes Coroy. Sie wohnt bei den Eltern, hilft auf der Kaffeeplantage und soll mit dem Vorarbeiter der Farm verheiratet werden, der sowohl die Maya-Sprache als auch Spanisch beherrscht. Sie selber sehnt sich jedoch nach dem, was hinter dem Vulkan steckt, den Vereinigten Staaten, wobei sie keine Ahnung hat, was sich dort genau befindet. Der Gedanke, dass es besser sein soll, veranlasst sie zum Träumen. Als der Plantagenarbeiter, mit dem sie fliehen wollte, alleine von Dannen zieht und sie selber schwanger zurück lässt, sieht sie sich mit ihrer eigenen Kultur konfrontiert. Ab diesem Moment taucht der Zuschauer noch tiefer in die Bräuche der Kakchiquel-Maya ein, in denen z.B. schwangere Frauen durch die Kraft des Kindes Schlangen vertreiben können.

Mit wenigen Mitteln, weil es unter anderem keine Filmförderung in Guatemala gibt (allgemein gesehen nicht), wurde der Film auf die Beine gestellt. Bustamante bringt dem Zuschauer nicht nur etwas über den jetzigen Alltag der Maya-Nachkommen bei, er bezaubert auch mit wunderbaren Landschaftsbildern. Schockierend stellt man dann die Sprachbarriere fest, die immer noch vorhanden zu sein scheint. Weil ihr zukünftiger Ehemann bewusst falsch übersetzt, gibt María ihr Baby ungewollt zur Adoption frei, mit dem Glauben, es sei eine Totgeburt gewesen.

Tierschützer bzw. – freunde sind über diesen Film vielleicht weniger erfreut. In einer Szene wird ein Tier geschlachtet und der allseits bekannte Satz, dass während des Drehs keine Tiere zu Schaden gekommen sind, fehlte. Ob dieser Satz einfach vergessen wurde oder Bustamante aufgrund der mageren Mittel schlussendlich den Moment ergriff und einen echten Schlachtvorgang vor Ort filmte bzw. dokumentierte sind offene Spekulationen.

Über die Maya-Kultur kann man sagen, dass wir einerseits viel und andererseits wiederum wenig wissen. Noch weniger bekannt ist uns die Lebensweise ihrer Nachkommen. In diesem Film bekommen wir einen Funken Vorstellung davon geboten. Aber das ist nur ein kleiner Teil. Jede Szene, die gezeigt wird, erzählt ihre eigene Geschichte und verankert sich im Bewusstsein. So auch der grausame Umgang der eigenen Gesellschaft mit den indigenen Völkern. Es ist wahrhaftig ein "Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet".

 

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