BÜCHERBÖRSE

Filmstart: Cinderella

Cinderella erscheint auf der Treppe zum Ballsaal und zieht alle Blicke auf sich. (c) The Walt Disney Company
Cinderella erscheint auf der Treppe zum Ballsaal und zieht alle Blicke auf sich.

Der allerorts beliebte Märchenklassiker kommt als Realfilm nach 65 Jahren erneut ins Kino. Wer sich eine revisionistische Auseinandersetzung mit dem Material erhofft hatte, wird enttäuscht werden. Für alle Märchenfans ist der Film dennoch sehenswert.

Disney entführt uns in eine zauberhafte Welt, die dank der Szenenbilder von Dante Ferretti (Oscar-prämiert für "Hugo Cabret", 2011) sowohl märchenhaft als auch realistisch wirkt. Für das Schloss ließ sich Ferretti vom Baustil Europas im 16., 17. und 18. Jahrhundert inspirieren. Die fantastischen Landschaftsaufnahmen wurden in England aufgenommen und danach mit gekonnt eingesetzten Special Effects noch ein wenig aufgehübscht. So entsteht eine eindrucksvolle, bunte Welt, in der die alte Geschichte spielt.

In dieser aufwändig entworfenen Märchenwelt wird die Geschichte von Cinderella traditionell nacherzählt, handlungstechnisch gibt es also keine Überraschungen. Was den Film aber sehenswert macht, ist unter anderem die liebevoll ausgesuchte Besetzung. Lily James (Lady Rose in "Downton Abbey") verleiht Cinderella mehr Charaktertiefe, als diese in der 1950er Version des Films hatte. Obwohl Cinderella immer noch das brave, unschuldige Mädchen ist, das von ihrer Stiefmutter ausgenutzt wird, erkennt man, dass mehr in ihr steckt. Ein Blitzen in Lily James Augen zeigt, dass sie die Naivität der Cinderella von vor 65 Jahren überwunden hat. Passend zu dieser starken Persönlichkeit Cinderellas kommt ein Prinz Charming, der sowohl gut aussieht als auch Hirn und Herz hat. Richard Madden (Rob Stark in "Game of Thrones") verkörpert einen modernen Prinz Charming, der nicht aus politischen Gründen, sondern nur der Liebe wegen heiraten möchte. Wie zu erwarten war, zeigt Cate Blanchett eine großartige Leistung als böse Stiefmutter. Die eifersüchtigen und hasserfüllten Blicke, die aus diesen Augen strömen, lassen den mitfühlenden Zuschauer erschaudern. Die Rolle der guten Fee ist auch hervorragend mit Helena Bonham Carter besetzt, leider ist die Figur ein wenig zu albern dargestellt. Aber vielleicht macht das auch den Reiz an ihr aus, den Kindern wird es sicher gefallen.

Disney stellte sich der Herausforderung, dem alten Stoff neues Leben einzuhauchen und lässt die alte Geschichte in neuem Glanz erstrahlen. Eine nette Unterhaltung, die nicht nur die Kinder zu schätzen wissen werden.

Birgit Mühl

Birgit Mühl | Redakteurin Feuilleton & Studentenleben

studiert Vergleichende Literaturwissenschaft und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

ist heillose Optimistin

liebt Beistriche und hasst den Ausdruck "Grammar-Nazi"

birgit.muehl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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